Diverses „Ohne mehr Markt ver-krisen wir unsere Zukunft“

Wer sind die Gewinner der Wirtschaftskrise? Einige Finanzinstitute, die Automobilbranche und die Politiker, die – plötzlich ganz wichtig – Talkshows dominieren und durch Milliardenhilfen an den großen Rädern der Industriepolitik drehen.

Genau mit diesem Drehen jedoch beginnt zentrale Planwirtschaft, die unterstellt, dass richtig gedreht wird. Nur: Ist das bei unseren Politikern der Fall? Hätten sie sich nicht für die Abwrackprämie entschieden und stattdessen durch Kaufprämien für LCD-Fernseher oder Küchenzeilen den Handel unterstützt, hätten andere Unternehmen (vielleicht sogar das Versandhaus Quelle) überlebt. Und was wäre gewesen, wenn die Politiker niemandem „geholfen“ hätten?

Die Rückkehr zur zentralen Planwirtschaft scheint dem aktuellen Zeitgeist zu entsprechen und gilt fatalerweise nicht nur für Politiker jeglichen Couleurs: Auch Unternehmen verzichten immer mehr auf autonome Bereiche, die untereinander im Wettbewerb standen und wo letztlich – zum Nutzen des Gesamtunternehmens – der interne Markt Gewinner und Verlierer bestimmt. Mittlerweile entscheiden fast nur noch die Zentralen – wie auch immer.

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Gefährliche Bürokratiekrisen

Wohin man auch sieht: Wir schlittern durch zunehmende Planwirtschaft in gefährliche Bürokratiekrisen, Planungskrisen, Motivationskrisen, Autonomiekrisen, Innovationskrisen, Legitimationskrisen, Erfolgskrisen und Überlebenskrisen.

Die Antwort heißt: Mehr Vertrauen in das Prinzip „Markt“. Warum eigentlich nicht? Die Finanzkrise hat zur Senkung überhöhter Immobilienpreise geführt: War das falsch? Nein, das waren nötige und richtige Marktkorrekturen. Wenn einige Banken faule Kredite und toxische Papiere bunkern, dann soll der Markt sie bestrafen, aber nicht die Politik bunte Schirme aufspannen und dadurch Marktmechanismen außer Kraft setzen. Wenn Manager oder Firmenbesitzerinnen durch aberwitzige und dilettantische Strategien Schiffbruch erleiden, dann sollten sie es auch am eigenen Leibe erleben. Und umgekehrt gilt es, Hochleistung zu belohnen.

Natürlich brauchen wir Spielregeln und dafür Regierungen, Firmenchefs und Hochschulleitungen, die – nach entsprechender Legitimation – derartige definieren und auf Einhaltung von Regeln sowie Abmachungen achten. Das ist aber auch schon alles. Ansonsten ist auf Eigenverantwortung sowie Eigeninitiative (und auf Markt!) zu setzen.

Anders gefragt: Wir feiern gerade den 20. Jahrestag des Mauerfalls. Da können wir doch nicht ernsthaft zurückwollen zu einer zentralen Planwirtschaft?

Christian Scholz ist BWL-Professor an der Uni des Saarlandes. Er beschäftigt sich insbesondere mit Organisation, Personal- und Informationsmanagement.

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