Diverses Ohnmacht des Kapitals

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Was die deutsche Wirtschaft der Generalkritik des SPD-Vorsitzenden an der "Macht des ­Kapitals" entgegenzusetzen hat, ist peinlich und beschämend. Anstatt geschlossen und selbstbewusst Mün­teferings Sprüche als das zu entlarven, was sie sind, nämlich üble Stimmungsmache, drucksen die Spitzenfunktionäre der Wirtschaft he­rum, als hätten sie und ihre Kollegen wirklich etwas ausgefressen.

Müntefering ist es gleich im ersten Anlauf gelungen, was vor ihm noch kein SPD-Vorsitzender erreicht hat: Deutschlands Unternehmer laufen hektisch umher, zeigen mit Fingern aufeinander und beschimpfen sich gegenseitig als üble Ausbeuter.

So fällt ausgerechnet BDI-Chef Jürgen Thumann als einer der Ersten seinen Unternehmerkollegen in den Rücken. In einem öffentlichen Kniefall bekennt er: „Im Laufe der Jahre hat sich vor allem in großen Kapitalgesellschaften eine Kultur herausgebildet, die auch ich nicht verteidigen kann.“ Und Handwerkspräsident Otto Kentzler sekundiert: „Ich kann verstehen, warum Kritik geübt wird.“

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Ohne Frage: Es gibt erhebliche Unterschiede darin, wie inhabergeführte Familienunternehmen und börsennotierte Kapitalgesellschaften agieren. Wer würde das ernstlich bezweifeln. Nur in einer Situation, da sich die Wirtschaft in toto massivsten Angriffen durch die deutsche Sozialdemokratie ausgesetzt sieht, müssen sich die Unternehmen und Manager doch gemeinsam die Frage vorlegen, was nun überwiegt: die Unterschiede. Oder die Gemeinsamkeiten. In einer Volkswirtschaft, die sich immer tiefer in
die Stagnation diskutiert, während
die Länder ringsum wachsen, sollte eigentlich eines klar sein: Mittelständler und Großkonzerne muss mehr verbinden, als Herrn Müntefering und Herrn Thumann verbinden darf.

Richtig unverantwortlich wird es, wenn sich Unternehmer für das zu schämen beginnen, was eigentlich ihre ureigenste gesellschaftliche Aufgabe ist. Nämlich Gewinne zu machen. Und zwar satte Gewinne. Deutschland ist wohl die einzige Industrienation der Welt, wo es so etwas wie eine moralische Gewinn‑ obergrenze gibt. Wer mehr verdient, ist – um es in Münteferings Worten zu sagen – „asozial“.

Das Gegenteil ist richtig: Asozial sind Unternehmen, die dauerhaft nicht hinreichend Gewinne erwirtschaften. Denn sie können keine neuen Arbeitsplätze schaffen. Sondern gefährden bestehende. Weil sie zu schwach sind für Innovationen und zu kraftlos für Expansion. Und das ist in Wahrheit die deutsche Krankheit: die Ohnmacht des Kapitals.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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