Diverses Online-Handel floriert: Umsatz steigt

Nach der Bereinigung der Online-Branche stehen die Überlebenden gut da.

Im Online-Handel in Deutschland hat sich nach dem Ende des Booms die Spreu vom Weizen getrennt. Rund 70 Prozent der hoffnungsvoll gestarteten Internet-Geschäfte haben nach Schätzungen des Deutschen Multimedia-Verbandes (dmmv) mangels Kunden dicht machen müssen. „2002 hat es die Mega-Bereinigung gegeben“, sagt dmmv-Geschäftsführer Alexander Felsenberg. Für die Überlebenden sind die Aussichten dadurch besser den je.

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Während der klassische Einzelhandel über sinkende Umsätze stöhnt, freuen sich viele E-Commerce-Anbieter über zweistellige Zuwachsraten. In diesem Jahr wird der Online-Umsatz nach Schätzungen des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) erstmals die Grenze von zehn Milliarden Euro überspringen.

Auf dem Gipfel der Internet-Begeisterung Ende der 90er Jahre tummelten sich in Deutschland Zehntausende Geschäfte im Internet. Die Vorstellung, Bücher, Wein, CD oder andere Produkte ohne räumliche Grenzen an Kunden in ganz Deutschland verkaufen zu können, brachte selbst kleine Handwerkbetriebe und Tante-Emma-Läden ins Schwärmen. Die meisten Firmen scheiterten aber spätestens an der Logistik. „Das haben sie einfach unterschätzt“, sagt Felsenberg. Viele Kunden im Internet sind gnadenlos: Wer einmal monatelang auf seine Bestellung wartet oder schlecht beliefert wird, bestellt nie wieder bei dem Händler. „Im Internet ist Vertrauen alles“, sagt der Internet-Experte.

Vor allem große Handelskonzerne haben dies erkannt und den Kundendienst und die Logistik hinter ihrem Online-Auftritt bis ins letzte Detail ausgefeilt. Als Paradebeispiel dafür gilt Amazon, der innerhalb von acht Jahren von einer Garagenfirma zum weltgrößten Online-Versandhandel mit Milliardenumsatz aufstieg. Auch in Deutschland hat Amazon.de mit Sitz in München die Konkurrenz hinter sich gelassen und bietet inzwischen mehr als 1,6 Millionen verschiedene Bücher, CD, DVD und andere Artikel in seinem virtuellen Kaufhaus an. Besonders erfolgreich hat sich nach Einschätzung von Experten das Geschäft mit gebrauchten Büchern und CD entwickelt.

Zu Verkaufsschlagern im Internet entwickeln sich nach Angaben des HDE auch gebrauchte Autos. Nur mit Lebensmitteln haben die Händler keine guten Erfahrungen gemacht. „Fast alle Anbieter haben dieses Geschäft wieder eingestellt“, sagt der E-Commerce-Experte des HDE, Olaf Roik.

Mit einem Umsatz von geschätzten elf Milliarden Euro im laufenden Jahr erreichen die Online-Händler nach Roiks Angaben zwar nur gut zwei Prozent des gesamten Handelsumsatzes in Deutschland. Aber nach und nach sichern sich die virtuellen Warenhäuser immer mehr vom Kuchen. „Von den Wachstumsraten können die stationären Einzelhändler nur träumen.“ Die Hälfte des Umsatzes vereinen die zehn größten Anbieter auf sich, zu denen neben Amazon auch KarstadtQuelle und Otto gehören. Auch Nischenanbieter mit gutem Service haben Chancen, sich langfristig einen Platz auf der Einkaufsmeile Internet zu sichern. Bis zum Jahr 2010 werde der Anteil des Online-Umsatzes fünf bis zehn Prozent ausmachen, sagt Roik. „Und das ist eine vorsichtige Prognose.“ (dpa)

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