Diverses „Operation Walküre“: Deutscher Widerstand in Hollywood

In Deutschland sorgten schon die Dreharbeiten für Aufsehen: Dass der Scientologe Tom Cruise den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielt, schien vielen ein Sakrileg. Die Drehgenehmigung für Stauffenbergs Hinrichtungsstätte im historischen Bendlerblock wurde nur zögerlich erteilt. In den USA überwiegen die positiven Filmkritiken. Am 22. Januar kommt "Operation Walküre" in die deutschen Kinos.

In Deutschland sorgten schon die Dreharbeiten für Aufsehen: Dass der Scientologe Tom Cruise den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielt, schien vielen ein Sakrileg. Die Drehgenehmigung für Stauffenbergs Hinrichtungsstätte im historischen Bendlerblock wurde nur zögerlich erteilt. Doch nach dem Filmstart in den USA überwiegen die positiven Kritiken. Am 22. Januar kommt „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ auch in die deutschen Kinos.

Ein Scientologe als deutscher Offizier und Held des Widerstands – schon das schien vielen in Deutschland suspekt. Und sie diskutierten: Darf Hollywood aus dem Stoff, der hierzulande zumeist in tiefgründigen TV-Dokumentarspielen abgearbeitet wird, einen Thriller machen?

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Selbst wenn ein schlechter Film herausgekommen wäre – ein Verdienst hätte er allemal gehabt: einem internationalen Publikum zu zeigen, dass es selbst in hohen Rängen des deutschen Militärs einen Widerstand gegen Hitler gab. Denn bislang haben Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitverschwörer, die am 20. Juli 1944 den Diktator töten wollten, nur in deutschen Geschichtsbüchern einen wichtigen Platz. Jenseits der Grenzen sind sie unbekannt geblieben.

Typisch ist deshalb die Vorgeschichte des Films: US-Drehbuchautor Christopher McQuarrie entdeckte bei einer Stadtrundfahrt durch Berlin die Stauffenbergstraße und den Bendlerblock und begann sich erst dadurch für die Geschichte des Widerstands zu interessieren. Die Schreibarbeit teilte er sich mit seinem Kollegen Nathan Alexander: McQuarrie hielt sich eng an die historischen Fakten, Alexander schrieb emotionale Szenen. Am Schluss fügten sie ihre Teile zu einem Ganzen zusammen.

Als Regisseur kam Bryan Singer an Bord, der nach einem Buch McQuarries den raffinierten Thriller „Die üblichen Verdächtigen“ gedreht hatte, sich dann aber auf Popcorn-Kino wie „X-Men“ und „Superman Returns“ konzentrierte. Mit dem Stauffenberg-Projekt konnte er sein Faible für Geschichte ausleben. Er wollte aber kein Dokumentarspiel drehen, sondern einen schnell geschnittenen Thriller.

Die Besetzungsliste führt zwar der Amerikaner Tom Cruise an, mit Kenneth Branagh, Terence Stamp, Bill Nighy und Jamie Parker ist sie aber britisch dominiert: Auf ihre Hollywood-Kollegen wirken die Akteure europäisch genug, um auch als Deutsche durchzugehen. An deutsche Schauspieler, Thomas Kretschmann und Christian Berkel, gingen zwei weitere wichtige Rollen.

In den USA ist der Film, der in Deutschland am 22. Januar startet, bereits angelaufen und hat positive Kritiken geerntet. Die Thriller-Dramaturgie geht nicht zu Lasten der Faktentreue, sie verhindert nur langweiliges Geschichtsfernsehen. Auch Tom Cruise kommt gut weg. Zwar rügen einzelne Stimmen, er sei nicht aristokratisch-zurückhaltend genug. Anderen gefällt aber gerade, dass er Stauffenberg nicht als Denkmal spielt, sondern als zweifelnden, nervösen und schließlich beeindruckend mutigen Menschen.

Weitere Informationen zum Film auf www.walkuere-derfilm.de

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