Diverses Otto wächst dank Internethandel

Der Katalog gehörte in Deutschland lange Zeit zum Alltag. Das Hamburger Unternehmen hat es mit seiner virtuellen Warenpräsentation geschafft, den Versandhandel zu entstauben und zweistellig zu wachsen. Otto-Chef Schrader packt der Ehrgeiz.

Der Versandhauskonzern Otto erwartet dank eines starken Internetgeschäfts weiteres Wachstum. Nach einem prozentual zweistelligen Umsatzplus im ersten Geschäftsquartal von März bis Mai stellte Konzernchef Hans-Otto Schrader am Donnerstag einen Zuwachs in dieser Höhe für das gesamte Geschäftsjahr in Aussicht.

„Wir trauen uns sehr ehrgeizige Ziele zu“, sagte Schrader bei der Präsentation der Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009/2010. Zugleich soll die Rendite steigen. Voraussetzung sei, dass sich die konjunkturellen und politischen Rahmenbedingungen in Deutschland, Europa und den USA nicht verschlechterten.

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Im zurückliegenden Geschäftsjahr (per Ende Februar) bremsten schwache Geschäfte im Ausland das Wachstum des weltgrößten Versandhauskonzerns. Die Erlöse erhöhten sich deshalb nur leicht auf 1,4 Prozent auf gut 10 Milliarden Euro.

Während der Umsatz im Inland um knapp sieben Prozent auf 5,8 Milliarden Euro kletterte und Otto den Handel übers Internet erneut ausweitete, schrumpften die Geschäfte jenseits der Grenzen um fünf Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.

Dabei schaffte der Konzern die Ertragswende. Nach einem operativen Verlust (Ebit) von knapp 100 Millionen Euro im vorausgegangenen Jahr erzielte Otto 2009/2010 einen Gewinn von 34 Millionen Euro. 2008/2009 hatten Sondereffekte zu dem hohen Verlust geführt. Die Netto-Finanzschulden der Gruppe sanken um ein Drittel auf 1,9 Milliarden Euro.

Größter Wachstumsträger war der weltweite Handel über das Internet, der den Umsatz um ein Fünftel auf 3,8 Milliarden Euro steigerte. „Etwas besseres als die Erfindung des Internets konnte uns gar nicht passieren“, sagte Konzernchef Schrader. „Kein Handelsunternehmen kann heute auf den Vertrieb über das Netz verzichten.“

Im Durchschnitt habe die Kundschaft täglich Waren im Wert von fast 10 Millionen Euro über die rund 50 Online-Plattformen der Gruppe geordert. Das elektronische Geschäft habe damit einen Anteil von 43 Prozent am Handelsumsatz gehabt, in Deutschland sogar von fast 48 Prozent.

Bei einzelnen Unternehmen wie der Kerngesellschaft Otto sei der Online-Anteil auf 62 Prozent gewachsen. Er übersteige damit erstmals deutlich die Bedeutung des Kataloggeschäfts. Otto ist nach Amazon der zweitgrößte Online-Versandhändler weltweit. Zu dem Hamburger Familienunternehmen gehören auch Marken wie Baur, Bonprix sowie Crate and Barrel.

Neue Impulse für den Onlineversandhandel erwartet Schrader von Apples Tablet-Computer iPad. „Steve Jobs hat recht: Das Gerät ist wirklich magisch; es wird eine Revolution im mobile commerce einleiten“, sagte er. Otto hat bereits erste Anwendungen für das iPad entwickelt und arbeitet mit Hochdruck an weiteren. Der Anwender blättert dabei durch einen Katalog und kann direkt aus der jeweils aufgeblätterten Seite bestellen.

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