Diverses Paarlauf zum Erfolg

Geschlechterkampf war gestern. Heute geht es zwischen Mann und Frau um gemeinsame Ziele. Powerpaare heißt das Phänomen zeitgeistig. Als internationale Protagonisten werden Hillary Clinton und ihr Gatte Bill gefeiert, aber es gibt noch einige mehr, die es zusammen weit gebracht haben.

„Ich wollte meine Frau noch nie verlassen, aber schon oft ermorden“, sagt Wolfgang Hölker, Chef der Verlage Hölker und Coppenrath, mit Überzeugungskraft in der Stimme. Zum Äußersten ist es nicht gekommen, im Gegenteil, eine Edition hat er nach ihr benannt: Die Spiegelburg.

Was so herrlich märchenhaft klingt, ist ihr Name: Siggi Spiegelburg. Sie sitzt lachend auf einem rot-weiß karierten Sofa in seinem Büro, das fast eine ganze Etage im liebevoll renovierten Kornspeicher am alten Hafen von Münster umfasst. Dort sieht es ­
so aus, wie sich der fantasiebegabte Mensch ein Reich vorstellt, in dem Kinderbücher entstehen: eine riesige Sammlung aus Krimskrams, Spielzeug und Plunder: „Ich kann zu jedem Teilchen die Geschichte erzählen“, sagt der 57-Jährige stolz.

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Seit 30 Jahren kennt er seine neun Jahre jüngere Frau. Eigentlich sei er in die ältere Schwester verliebt gewesen, erzählt er, doch als er bei der Familie auftauchte, habe die Jüngere beschlossen: „Der Typ ist doch eher was für mich.“ Damit scheint sie Recht gehabt zu haben: „Sie ist Teil meines Erfolgs“, sagt Hölker heute und fügt hinzu: „Bei uns ist 1+1=3.“

Das ist keine Anspielung auf die Töchter. Gemeint ist der geschäftliche Erfolg. Denn der Selfmademan („Ich habe mit einem Kleinkredit der Stadtsparkasse angefangen“) verlegt – unter anderem – keinen Geringeren als den berühmten Hasen Felix. So viel zu Nummer eins. Nummer zwei ist das Mode-Atelier von Siggi Spiegelburg, in dem 14 Schneiderinnen ihre Ideen auf das Maß der Kundin bringen; auch mit einer eigenen Kollektion ist sie international erfolgreich.

Doch das ist eben noch nicht alles, es folgt Nummer drei: „Den Non-Book-Bereich habe ich angeschoben“, sagt Siggi Spiegelburg, „es gibt immer zuerst das Buch, dann das Produkt“, das heißt den Geschenkartikel zum Buchprogramm. Mit viel Understatement erklärt sie: „Wenn er was braucht, dann entwerfe ich schnell was, das kostet ja sonst weiß Gott was.“

Sie ist der kreative Kopf hinter den Plüschfiguren, Rucksäcken und witzigen Accessoires. Ihr fällt immer etwas Neues ein, wenn sie durch die Flure des Verlags läuft: „Da muss doch auch mal etwas Glitzriges dran, immer dieses langweilige Rot, Grün oder Blau.“ Sie eilt auf ihren flachen roten Wildlederschuhen mit den roten Strass-Spangen weiter: „Ich hab damals schon, als die Mädchen noch klein waren, für die hässlichen Kindersitze Hussen genäht, der Dackel wurde eingekleidet, und aus unserem Jack Russell müsste eigentlich auch mal eine Figur werden.“ Der weiße Hund hat eine Zeichnung in Form einer schwarzen Mickymaus auf dem Rücken, wenn das kein Omen ist.

Gerade ist sie mit ihrem Atelier von der Innenstadt Münsters in einen Teil des Erdgeschosses im Verlagshaus umgezogen. Sie strahlt: „Da können wir noch enger zusammenarbeiten, ich freu’ mich riesig.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite den zweiten Teil der Geschichte.

Märchenhaft, mag jetzt so mancher neidvoll aufseufzen. Ist es natürlich nicht: „Wir sind hier die erste Generation, das hat nichts mit Genialität, sondern mit viel Arbeit zu tun. Wenn ich spätabends nach Hause komme, dann bin ich kaputt, mit den Nerven zu Fuß“, sagt Hölker und sieht dabei tatsächlich gleich eine Schattierung blasser aus. „Wenn ich mir vorstelle, dann auf jemanden zu treffen, der erwartet, dass ich noch mal loslege …“, er stöhnt: „Das ist doch schrecklich.“

Was in den Beziehungen um ihn he­rum vorgeht, stimmt ihn ärgerlich. „Da trifft man dann so einen CEO mit Frau, und die benehmen sich wie in der untersten Klamotte.“ Von Power oder Liebe keine Spur. Freundschaft sei auch noch wichtig, sagt Hölker, „doch allem voran kommt der Res­pekt. Den darf man nicht verlieren.“

Nicht umsonst heißt eines der Geheimnisse von Powerpaaren „respektieren, was der andere ist“, erklärt Sonja Wendel-Becker, Geschäftsführerin der auf Coaching spezialisierten Firma Sage Innovations, benannt nach Martin Sage, dem Gründer des interna­tionalen Unternehmens. Das Motto heißt: „Eine Eiche ist eine Eiche, und wenn sie am richtigen Ort steht, ist sie gut.“

Wichtig sei es, ein Lebensziel, eine Vision zu haben. „Der Einzelne muss herausgefordert werden, er muss sich bemühen, aus seinen Mittelklasse-Attitüden auszusteigen“, sagt Wendel-Becker. Schuldzuweisungen nach dem Prinzip: „Wenn er oder sie anders wäre, dann …“ sind unangebracht. Powerpaare sind statt dessen „beide erfolgreich, beide stark – nie einer auf Kosten des anderen“.

Das grundlegende Element sei, dass sich die Partner absolut füreinander entschieden haben: „Das ist mein bestes Pferd im Stall, das werde ich hegen und pflegen.“ So wie die Hölkers: „Jede Ehe kann wohl auseinander gehen“, mutmaßt er, „aber für mich ist entscheidend, dass ich mir das nicht vorstellen kann.“

Wendel-Becker, die – das liegt in der Natur ihres Berufs – davon ausgeht, dass richtiges Paarverhalten erlernt werden muss, gesteht ein: „Naturgemäß gibt es Menschen, die mehr Talent mitbringen.“ Auch wenn manche jetzt die Augenbrauen hochziehen und von Ökonomisierung der Beziehung sprechen könnten, rät sie potenziellen Powerpaaren, in ein Coaching zu investieren: „In unkooperativen Beziehungen wird viel Geld kaputtgemacht.“

Der Krieg der Geschlechter inte­ressiere doch nun wirklich niemanden mehr. Schließlich sei es wissenschaftlich erwiesen, dass Mädchen und Jungen genetisch verschieden veranlagt sind: „Mädchen suchen die Beziehung, den sozialen Kontakt, Jungen die Herausforderung.“ Das gelte es zu nutzen.

Und das machen die Intelligenten unter uns auch nicht erst seit gestern: „Wenn Sie so wollen, waren Napoleon und Josephine vor zweihundert Jahren schon ein Powerpaar und den Clintons nicht unähnlich“, sagt Wendel-Becker. Und der Gedanke an Mord statt Scheidung ist auch nicht neu, denn Lord Byron schrieb schon Anfang des 19. Jahrhunderts in seinem „Don Juan“: „Wi­shing each other, not divor­ced, but dead; They lived respectable as man and wife.“

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