Diverses Passion für das Portrait

So haben Sie Matisse noch nie gesehen: Die Schau „Matisse. Menschen, Masken, Modelle“ stellt die Portraitmalerei von Henri Matisse in den Mittelpunkt und konzentriert sich damit auf eine Facette seines Schaffens, die bislang noch nicht in einer eigenen Ausstellung thematisiert wurde. Das Bucerius Kunst Forum zeigt ab dem 31. Januar die ausdrucksstarken Portraits des rebellischen Künstlers.

Portraits waren für Henri Matisse (1869-1954) sein Leben lang die wichtigste künstlerische Herausforderung. Picassos Lebensgefährtin Françoise Gilot berichtete, Matisse sei süchtig gewesen nach neuen Gesichtern und stets auf die Entschlüsselung eines interessanten Gesichts erpicht. Matisse ging es bei seinen Arbeiten nicht um ein genaues Abbild. Statt dessen versuchte er, die Persönlichkeit, das Charakteristische des Modells zu erfassen. Seine langen und häufigen Sitzungen mit den Modellen dienten als Inspiration für die Phantasie des Künstlers.

Matisses Passion für das Portrait ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt, gilt er doch als Schöpfer von farbenfrohen Interieurs und Stilleben. Dabei war das Portrait als Kunstform nicht nur für ihn, sondern für die revolutionäre neue Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung – den Fauvismus. Matisse löste 1905 die erste künstlerische Revolution des 20. Jahrhunderts aus, als er sich vom Impressionismus lossage. Intensive Farben, abstrakte Formen und ein ungestümer Pinselstrich charakterisieren fortan seine Werke. Kritiker benannten diese Kunst nach den „fauves“, den wilden Tieren.

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Unter den ersten Bildern des Fauvismus befanden sich über¬raschend viele Portraits. Sie wandten die Abstraktion als moderne Errungenschaft auf eine Kunstform an, für die man bis dahin Ähnlichkeit zur Realität als entscheidend angesehen hatte. Matisse ging es zwar, ebenso wie traditionellen Portraitmalern, um treffende Bilder, doch er schlug einen neuen Weg ein: Die Porträts sollten nicht nur das Äußere, sondern vor allem die Persönlichkeit des Modells zeigen. Der Titel der Ausstellung – „Matisse. Menschen, Masken, Modelle“ – zeugt von der Vielfalt seiner Trans¬for¬mationsversuche des traditionellen Portraits. Häufig erscheinen die Menschen auf Matisses Bildern wie Masken in einer bestimmten, vom Künstler als charakteristisch, identifizierten Rolle.

Die Schau stellt erstmals die Portraitmalerei des Malers in den Mittelpunkt und konzentriert sich damit auf eine Facette seines Schaffens, die bislang noch nie in einer eigenen Ausstellung hervorgehoben wurde. Die thematische Werkschau versammelt Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken und Skulpturen aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Sie wird mit bedeutenden Leihgaben aus internationalen Sammlungen und Museen unterstützt, unter anderem aus dem Centre Georges Pompidou in Paris, dem Museum of Modern Art in New York, und der Staatlichen Eremitage in St. Petersburg.

Die Ausstellung über die Portraits von Henri Matisse entstand als Kooperation der Staatsgalerie Stuttgart und dem Bucerius Kunst Forum und ist noch bis zum 11. Januar in Stuttgart und vom 31. Januar bis zum 19. April in Hamburg zu sehen. Das Bucerius Kunst Forum hat täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet (auch am Montag), am Donnerstag sogar bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet acht Euro. Weitere Informationen unter www.buceriuskunstforum.de.

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