Diverses „Politik soll weniger tun“

Was macht Gründer erfolgreich? Wer unterstützt sie, und wer steht ihnen im Weg? Darüber diskutierte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun (Foto) in Berlin mit vier jungen Unternehmern. Ludwig Georg Braun ist seit 2001 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK. Er leitet als Vorstandsvorsitzender das weltweit tätige Medizintechnik-Unternehmen Braun Melsungen AG.

Folgende Jungunternehmer nahmen am Chefgespräch teil: Johanna Ismayr,
Inhaberin der Eventagentur Walks +
Talks GmbH, Berlin. 30 Mitarbeiter, Start: 2003; Arne Ohlsen, Geschäftsführer der Enteraktiv Gesellschaft für barrierefreie IT-Lösungen mbH, Kiel. 2 Mitarbeiter, Start: 2004; Lars Pramme, Gesellschafter der Zahn GmbH, Aglasterhausen. Maschinenbaubranche. 40 Mitarbeiter 40, Start: 2001; Franziska Eirenschmalz, Gesellschafterin von „Der Männerladen“, Schongau. 10 Mitarbeiter, Start: 2004.

gründerzeit: Was war Ihre größte Hürde auf dem Weg zur Selbständigkeit?

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Ismayr: Bei mir war es ganz klar
das Bezirksamt Berlin-Mitte. Die Bürokratie,
die in Amtsstuben waltet, behindert Gründer. Man wird als Unternehmer von Behörden nicht unterstützt, schon gar nicht beraten.

Eirenschmalz: Ich weiß gar nicht,
wo ich anfangen soll zu erzählen …
Vielleicht, dass die Bank meinen Standort entschieden ablehnte. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass dieses Institut dort bereits einen anderen Herrenausstatter als Kunden hat.

Ohlsen: Die größten Widerstände
gab es bei Banken und Behörden. Meine
Gesprächspartner haben mich oft
als Bittsteller statt als Kunden behandelt.
Das Bewusstsein, dass Gründer
wichtig für das Wirtschaftswachstum
sind, habe ich ganz stark vermisst. Das
hat mich am meisten geärgert.

Pramme: Als ich 2001 meinen Betrieb
mit 25 Mitarbeitern übernommen
habe, haperte es vor allem in Sachen
Finanzierung und steuerlicher
Beratung.

gründerzeit: Vier Unternehmer –
vier Beispiele. Herr Braun, wie
steinig ist der Weg zur eigenen
Firma? Und sind das lediglich
Einzelbeispiele?

Braun: Nein, das sind leider keine
Einzelfälle. Probleme gibt es zum Beispiel
immer wieder mit dem deutschen
Amtsverständnis. Die Mitarbeiter in
den Behörden haben ihre Richtlinien –
und verfügen folglich über wenig Ermessensspielräume.
Abweichungen von
der Norm sind eben nicht vorgesehen.
Das ist manchmal zum Weglaufen. Und
es führt dazu, dass nicht nur die Abläufe
viel zu lange dauern, sondern auch
der Start von Gründungen unnötig herausgezögert
wird.

gründerzeit: Wie lange hat Ihr
Gründungsvorhaben im
Einzelnen gedauert?

Pramme: Ein Dreivierteljahr.

Ohlsen: Ein halbes Jahr.

Eirenschmalz: Ein halbes Jahr.

Ismayr: Drei Monate.

gründerzeit: Im EU-Vergleich
liegt Deutschland, was die Dauer
einer Gründung angeht, im
hinteren Mittelfeld. Wie lässt
sich das ändern?

Braun: Eigentlich sind die Grundvoraussetzungen
für Existenzgründer in
Deutschland exzellent. Denn wir haben
einen Gesetzesrahmen, auf den man
sich verlassen kann. Das ist ein wichtiges
Gut und wird oft übersehen. In vielen
Boom-Ländern Osteuropas beispielsweise
müssen sich Gründer ihr Recht
erkaufen, weil es keine Sicherheit wie bei
uns gibt. Wichtig ist allerdings, dass wir
die Bedeutung von Gründern in unserer
Gesellschaft besser verankern.

Das vollständige Interview können Sie in der impulse-Ausgabe 04/2005, Seite 74, nachlesen.

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