Diverses Portraits der Finalistinnen

Die Anwärterinnen für den IDEE-Förderpreis 2005 kommen in diesem Jahr vor allem aus dem Bereich der Biotechnologie. Gleich drei der fünf Gründerinnen in der Finalrunde befassen sich auf unterschiedliche, aber immer beeindruckende Weise mit dem Thema. Aber auch Pappe ist ein zukunftsfähiger Werkstoff, und wie sich moderne Materialien intelligent verbinden lassen, zeigt eine weitere Finalistin.

Auf den folgenden Seiten portraitieren wir die Endrunden-Teilnehmerinnen mit ihren Geschäftsideen.

Dr. Antje Breitenstein
Scanbec GmbH, Halle/Saale

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Zur Person:

Dr. Antje Breitenstein (Jg. 1971) absolvierte ihr Biologie- und Promotionsstudium an der Martin-Luther-Universität in Halle. Dort arbeitete sie anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Biotechnologie. Von 2001 bis 2003 war Dr. Breitenstein Arbeitsgruppenleiterin am Department of Process and Environmental Engineering an der University of Oulu in Finnland. Auf Basis ihrer wissenschaftlichen Arbeiten gründete sie im Februar 2003 die Scanbec GmbH, deren Geschäftsführerin sie seitdem ist.

Ihre IDEE:

Das Biotechnologie-Unternehmen Scanbec entwickelt Schnelltestsysteme unter dem Namen FastScan® für die mikrobiologische Routine-Diagnostik. Die Testsysteme werden zum Nachweis von mikrobiellen Verunreinigungen in Getränken und Lebensmitteln eingesetzt. FastScan beruht auf dem Nachweis von mikroorganismen-spezifischen Zielmolekülen mit Hilfe von so genannten Gensonden und elektrisch auslesbaren Biochips. Die Gensonden-Technologie ermöglicht einen schnellen und exakten Nachweis von verschiedensten Lebensmittel-Verderbserregern, pathogenen Bakterien, Hefen, Schimmelpilzen sowie von diversen Biomolekülen wie z. B. von Genen, Enzymen, Toxinen, Antibiotika und Hormonen. Ein Schnelltest mit dem FastScan®-Nachweissystem ist einfach, schnell und kostengünstig und nicht an langwierige Kultivierungs- und Aufreinigungsschritte gebunden. Die Analysezeit verkürzt sich von mehreren Tagen auf wenige Stunden.

Die Zukunft:

Nach Etablierung der FastScan®-Schnelltestsysteme für Bier und alkoholfreie Getränke soll der Anwendungsbereich erweitert werden. Geplant ist eine Ausweitung auf die Lebensmittelindustrie (Milch und Fleisch verarbeitende Industrie) sowie den Hygiene-, Wasser- und Abwasseranalytikbereich, z.B. in Form des Nachweises von Legionellen in Klimaanlagen und Warmwassersystemen. Weitere Anwendungen im Bereich der Lebensmitteldiagnostik und medizinischen Diagnostik sind in Planung.

Dr. Adriana Tamachkiarow
ONVIDA GmbH, Duisburg

Zur Person:

Dr. rer. nat. Adriana Tamachkiarow (Jg. 1959) promovierte im Anschluss an ihr Physikstudium in Bulgarien an der TU Chemnitz. Im Lauf ihrer wissenschaftlichen Mitarbeit an deutschen Universitäten sowie durch ihre Tätigkeit am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wasserforschung (IWW), Mülheim und als technische Beraterin von mehreren Messtechnik produzierenden Firmen spezialisierte sie sich auf das Gebiet der Messtechnik. Im Oktober 2003 gründete sie die ONVIDA GmbH, deren Geschäftsführerin sie seither ist.

Ihre IDEE:

Die ONVIDA GmbH entwickelt als Unternehmen für mikrobiologische Anlagen-sicherheit eine optische Messtechnik zur Überwachung der Oberflächenhygiene von Industrieanlagen. Damit können mikrobiologische Beläge (sog. Biofilme) erstmals in Echtzeit, kontinuierlich und direkt vor Ort überwacht und bekämpft werden. Die Produkt- und Anlagensicherheit in den Bereichen Produktüber-
wachung (z.B. Getränke, Lebensmittel), Wassergewinnung (z.B. Trinkwasser, Filtration, Entsalzung) und Brauchwasser (z.B. Medizin, Pharma, Chemie) wird dadurch maßgeblich gesteigert, während Gesundheitsrisiken und Kosten deutlich gesenkt werden: Das nachgewiesene Einsparpotenzial liegt zwischen 10 und 30 Prozent.

Die Zukunft:

Das Potenzial der patentierten Messtechnik in den drei angeführten Zielmärkten ist hoch. Die enorme Bedeutung der Produktüberwachung bei der Herstellung von bspw. Getränken und Lebensmitteln ermöglichte eine erfolgreiche Markteinführung mit namhaften Getränkekunden. Laufende Projekte mit internationalen Marktführern auf den Gebieten der Wassergewinnung und des Brauchwassers unterstreichen das Wachstumspotenzial.

Dr. Dr. Larissa Vasilets
BIOSCORA GmbH, Leipzig

Zur Person:

Dr. rer. nat. Dr. sc. Larissa Vasilets (Jg. 1952) promovierte in Moskau im Anschluss an ihr mit Auszeichnung abgeschlossenes Studium der Physik – Fachrichtung Biophysik – zum Dr. rer. nat. in Biologie. Danach arbeitete sie ca. 10 Jahre am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt/Main, wo sie dann 1995 zum Dr. sc. habilitierte. 1996 wurde sie als „International Investigator“ vom Howard Hughes Medical Institute (USA) ausgezeichnet. Nach Stationen an den Universitäten in Lausanne (Schweiz) und Halle/Wittenberg gründete Frau Dr. Dr. Vasilets 2004 die BIOSCORA GmbH.

Ihre IDEE:

Die BIOSCORA GmbH entwickelt und vermarktet eine neue Generation von Protein-Chips. Grundlage ist das von Dr. Dr. Vasilets entwickelte Elektronische-Protein-Array-System (EPAS). Die Chips bestehen aus einem Kunststoffträger und darauf angebrachten Messzellen. Diese Messzellen enthalten biologische Proben, deren Reaktion einen schnellen, parallelen Echtzeit-Nachweis verschiedener Proteinaktivitäten ermöglicht. Mit diesem Chip-System können künftig Erkrankungen, die durch veränderte Proteinaktivitäten hervorgerufen werden (wie z.B. Krebs, Diabetes, Arthritis und Schlaganfälle), genauer, vielseitiger und schneller diagnostiziert werden. Die Früherkennung dauert dann nur noch Sekunden statt mehrerer Tage. Die Anwendung des EPAS wird die medizinische Diagnostik und Pharmaforschung beschleunigen und kostengünstiger gestalten.

Die Zukunft:

Die Markteinführung der innovativen Protein-Chip-Produkte ist für das Jahr 2006 vorgesehen. Es ist angestrebt, innerhalb von fünf Jahren zu einem der führenden Unternehmen im Bereich „Protein-Laboratorium-auf-Chip“ zu werden. Darüber hinaus soll im fünften Jahr eine Niederlassung in den USA gegründet werden,
um auf diesem Markt mit den EPAS-Produkten und proprietären Technologien für Pharmazeutische Industrie und Medizin zu expandieren.

Edith Zimmermann
iKTZ – innovative Klebtechnik Zimmermann, Jena

Zur Person:

Edith Zimmermann (Jg. 1955) absolvierte 1978 ihren Abschluss als Diplom-Ingenieurin für Werkstofftechnik an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt. Anschließend war sie als wissenschaftlich-technische Mitarbeiterin der Carl-Zeiss-Jena Fertigungstechnologie und der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. Es folgten Anstellungen in Jena als Abteilungsleiterin am Institut für Fügetechnik und im Bereich Agrar- und Umweltanalytik. Frau Zimmermann gründete 2002 mit dem Unternehmen iKTZ – innovative Klebtechnik Zimmermann eine Alternative zu traditionellen Schweiß- und Lötfachbetrieben.

Ihre IDEE:

iKTZ bietet als einziges Unternehmen unbegrenzte und neutrale Dienstleistungen für Kleben, Dichten und Vergießen kombiniert mit Beratung, Produktion sowie mit Forschung und Entwicklung im Bereich neuer Klebstoffe an. Die Entwicklung neuer Materialien (z.B. Leicht- und Verbundwerkstoffe, Kristalle) erfordert neue Fügetechniken. Diese neuartigen Techniken sind ebenfalls erforderlich bei der Kombination verschiedener Materialien in einer Baugruppe, bei denen weder geschweißt, gelötet, geschraubt noch genietet werden kann. Das Unternehmen verbindet Kleben mit klebgerechter Gestaltung, Klebflächenvorbehandlung, richtiger Klebstoffwahl und Prüfung der geklebten Baugruppen entsprechend des Kundenwunschs. Der Klebstoff wird direkt von iKTZ oder durch einen Klebstoffhersteller entwickelt. IKTZ führt anschließend den Klebeprozess selbst durch oder qualifiziert hierfür die Mitarbeiter des Auftraggebers.

Die Zukunft:

Von großer Bedeutung für das Unternehmen ist derzeit die Entwicklung und Herstellung von Hochtemperaturklebstoffen, die Temperaturen von über 300°C bis 1200 °C standhalten. Diese werden bspw. in der Halbleiter-Industrie eingesetzt. Forschungsarbeiten sind auch auf dem Gebiet der Biotechnologie und Medizin geplant, nachdem es iKTZ gelang, weltweit erstmalig Sehnen an Knochen zu kleben.

Birgit Mayer
WF Wabenfabrik GmbH, Chemnitz

Zur Person:

Birgit Mayer (Jg. 1962) studierte im Anschluss an ihre Ausbildung zur Programmiererin Informatik an der Ingenieurhochschule Dresden. Während ihrer Tätigkeit als Operator im Datenverarbeitungszentrum Karl-Marx-Stadt absolvierte sie ein Fernstudium an der Fachhochschule Görlitz. Mit der beruflichen Neuorientierung folgten Weiterbildungen im kaufmännischen Bereich, bis hin zu einer Tätigkeit als Einkaufs- und Vertriebsleiterin. 2002 gründete sie als alleinige Geschäftsführerin die WF Wabenfabrik GmbH.

Ihre IDEE:

Das Unternehmen entwickelt und produziert Papp-Waben auf Basis von Recyclingpapier. Durch die Verwendung unterschiedlicher Papiere, Wellengrößen und Kleber werden kundenspezifische Eigenschaften der Wabenplatte erreicht. Neben der Möbelindustrie, dem Karavan-, Messe- und Ladenbau liegt das Haupteinsatzgebiet in der Automobilbranche. Dort kommen die Papp-Waben serienmäßig in Hutablagen, Ersatzradabdeckungen, Ladeböden und Schiebedächern zum Einsatz. Die Wabenfabrik produziert sofort auf „Endmaß“, wodurch Material eingespart wird. Durch den Einsatz verschiedenster Waben wird im Vergleich zu den bisher eingebauten Teilen vor allem das Gewicht der Teile reduziert und teurere Materialien werden ersetzt.

Die Zukunft:

Derzeit testet das Unternehmen neue Einsatzbereiche. So produziert die Wabenfabrik seit kurzem schwer entflammbare Waben, ebenfalls auf Recyclingpapierbasis. Durch diese Entwicklung sind künftig weitere Einsatzmöglichkeiten z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Messebau gegeben. Des Weiteren werden erstmalig „nassfeste“ Waben gefertigt, die somit außenhauttauglich sind und daher auch für Kofferaufbauten angewendet werden können.

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