Diverses Private Krankenversicherung: Abschied von einem kranken System

Dirk Horstkötter leitet bei impulse den Bereich Politik

Dirk Horstkötter leitet bei impulse den Bereich Politik© Rudolf Wichert

Große private Krankenversicherer haben scheinbar auf Eigenrezept ordentlich Halluzinogene geschluckt. Sie wollen eine Einheitsversicherung mit Grundschutz für alle Bürger. Das Plädoyer für die Abschaffung ihrer selbst kann nur im Wahnzustand gehalten worden sein – oder nicht? Mit dieser Frage beschäftigt sich impusle-Redakteur Dirk Horstkötter in seinem Kommentar.

Trip passt schon wegen des Überraschungsmoments, aber die Gedankengänge sind blitzsauber und ordnungspolitisch gescheit. Es beginnt eine längst überfällige Debatte um die Finanzierung des Gesundheitswesens – und es ist gut so, dass diesmal nicht die per se verdächtigen Linken den Ton angeben.

Wir leisten uns mit der Trennung in private Versicherer und gesetzliche Kassen eine ökonomisch unsinnige und ungerechte Aufstellung. Warum dürfen nur Arbeitnehmer ab 4000 Euro Monatsgehalt Brutto zu den Privaten? Warum finanzieren nur Gutverdiener, die den Kassen mit lohnabhängigen Monatsbeträgen von gut 500 Euro treu bleiben, die günstigen Raten der Wenigverdiener im gesetzlichen System? Es mag schon stimmen, dass die private Krankenversicherung für ein Zehntel der Bevölkerung gut funktioniert – für den Preis, dass die restlichen neun Zehntel bei der Gesetzlichen in die Röhre schauen.

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Der Vorstoß aus der privaten Versicherungsbranche wird Folgen haben. Über kurz oder lang wird der einheitliche Markt mit gleichen Bedingungen für alle Anbieter und den gleichen Wahlmöglichkeiten bei den Kunden kommen. Mit Sozialismus hat das erstmal nichts zu tun, denn bei der Kfz-Versicherung ist es ja genau so. Politisch heiß umkämpft wird sein, wie sich die Beiträge berechnen: pauschal oder weiter einkommensabhängig. Ökonomisch spricht eigentlich alles für den Einheitsbeitrag und damit das System „Bürgerpauschale“. Dafür muss die Union aus ihrem lang andauernden gesundheitspolitischem Koma erwachen und endlich wieder aktiv mitmischen. Für diesen ersten Weckruf sollte sie dankbar sein.

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