Diverses Privatkunden sollen höheres Porto zahlen

Kunden der Deutschen Post müssen bald mehr für die Zustellung ihrer Briefe zahlen - zumindest die Privatkunden. Die Post-Konkurrenz kritisiert den gleichzeitigen Nachlass beim Briefproto für Großkunden.

Finanzvorstand Larry Rosen kündigte an, der Konzern wolle ab 2011 zumindest einen jährlichen Ausgleich der Inflation bei den Briefpreisen durchsetzen. Dann läuft das derzeit gültige Berechnungsverfahren aus, nach dem die Bundesnetzagentur das Porto für Briefe genehmigt. Die komplizierte Berechnungsformel hat dazu geführt, dass die Post nur selten die Preise anheben darf.

Sendungen von Privatkunden machen nur 16 Prozent des Briefvolumens aus, das die Post in Deutschland zustellt. Der Wunsch des Konzerns nach einer Anhebung der Preise für Einzelverbraucher ist allerdings brisant, weil die Tarife für viele Großkunden zum 1. Juli dieses Jahres sinken. Die Post reagiert so auf den Verlust ihrer Umsatzsteuerbefreiung im Geschäft mit Unternehmenskunden. Demnach räumt der Konzern Firmen mit großen Briefmengen Rabatte von zwölf Prozent ein. Da viele Unternehmen überdies berechtigt sind, die ab Juli anfallende Umsatzsteuer von der Steuerschuld abzuziehen, sinkt der Briefpreis für sie faktisch.

Anzeige

Ralf Wojtek, Anwalt zahlreicher Post-Konkurrenten, sieht in der angestrebten Portoerhöhung für Privatkunden eine Quersubventionierung des Geschäfts mit Großkunden. „Das ist das typische Verhalten eines Monopolisten, der die Preise in dem Segment erhöht, in dem er keine Konkurrenz hat“, sagte Wojtek. Die Post betreibe missbräuchliche Preisgestaltung zulasten der Wettbewerber. Offenbar stehen private Briefdienste wegen der Rabatte für Geschäftskunden des Bonner Konzerns unmittelbar davor, bei der Bundesnetzagentur Beschwerde einzulegen.

Post-Chef Frank Appel hat angekündigt, mit der Politik über eine Lockerung der Regulierung für seinen Konzern verhandeln zu wollen. Als Finanzvorstand Rosen im April vor Investoren schon einmal die Option einer Erhöhung der Briefportos skizzierte, stellte die Post dies aber noch als rein theoretische Überlegung dar.

Der Preis für einen Standardbrief, der zurzeit 55 Cent kostet, ist seit 13 Jahren nicht gestiegen – und 2003 sogar um 1 Cent gesunken. Unter Berücksichtigung der Inflation, so argumentiert die Post, ist das Porto in den vergangenen zehn Jahren sogar um 17 Prozent gesunken.

Am Dienstag präsentierte der Konzern einen um gut 80 Prozent gestiegenen Quartalsgewinn – in der Briefsparte ging das Betriebsergebnis allerdings um 4,2 Prozent zurück.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...