Diverses Rasterfahndung

Mit gefährlichen Zahlenspielchen ma­chen die Finanzämter Jagd auf Un­­ter­nehmer. Wer die Methoden kennt, kontert die Beamten aus.

Seine jüngste Betriebsprüfung wird ein GmbH-Chef aus Westfalen so schnell nicht vergessen. Nach allen Regeln der Kunst hatte der Finanzbeamte sein Fahrtenbuch auseinandergenommen. Die Kilometerangaben seien frei erfunden, lautete der Vorwurf. Erhärtet durch statistische Testprogramme. Jetzt muss der Unternehmer 4000 Euro Steuer nachzahlen. Rechtskräftig bestätigt durch das Finanzgericht Münster (Aktenzeichen 1 K 6384/03 E).

Verrückter Einzelfall? Weit gefehlt. „Für viele Prüfer gehört es inzwischen zum Standardrepertoire, Fahrtenbücher, Kassenbücher oder Aufzeichnungen aus der Lagerbuchhaltung mit statistischen Tests zu erschüttern“, berichtet Martin Lamm, Steuerberater in der Münchner Kanzlei Peters, Schönberger & Partner. ­Bewaffnet mit Laptop und raffinierter Software (Idea) durchleuchten die Finanzkontrolleure alle handschriftlichen Aufzeichnungen von Firmenchefs sowie die internen Belege. Die brisanten Werkzeuge dafür heißen Chi-Quadrat-Test und Benfords Gesetz. Wehe dem, der dabei auffällt. Dann haben die Prüfer ein Packende und steigen ganz tief in Bücher und Belege ein. Experte Lamm: „Auffälligkeiten werden mit den statistischen Methoden viel schneller ans Tageslicht gebracht.“ impulse zeigt, wie die Steuerprüfer testen und wie Firmenchefs sich darauf vorbereiten können.

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Der Verdacht oder Vorwurf ist massiv – und er lautet „Manipula­tion“. Achtung: Auch wenn nach außen hin alles in Ordnung scheint, setzen die Prüfer das neue Kontrollinstrumentarium ein.

Schuldig bei Verdacht

Beispiel Chi-Quadrat-Test. Er geht davon aus, dass bei einer größeren Zahlenmenge alle Ziffern jeweils gleich häufig als letzte Ziffer vor dem Komma auftreten. Etwa bei Kilometerangaben, Ausgaben und Einnahmen, Wareneingang und -ausgang. Egal ob eins, fünf oder sieben – jede Ziffer kommt zu zehn Prozent vor. Tauchen dagegen einzelne Zahlen wesentlich öfter auf, schrillen die Alarmglocken der Prüfer. Der Beamte unterstellt, dass Kassen- oder Fahrten­bücher nachträglich angefertigt worden sind. Komplett oder zu großen Teilen. Vermeintlicher Beweis: Der Unternehmer habe unbewusst seine Lieblingsziffern verwendet. Experte Lamm: „Die hat tatsächlich jeder Mensch. Nur ob sie in jedem Fall als Beweis für Auffälligkeiten taugen, ist umstritten.“

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 12/2006, Seite 108, nachlesen.

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