Diverses Recht und Gesetz aus dem Netz

Wem der Stundensatz seines Anwalts auf Dauer zu hoch ist, findet auch als Unternehmer im Internet erste Hilfe. Auf Rechtsportalen beantworten Anwälte zu vergleichsweise günstigen Preisen juristische Fragen. Allerdings eignet sich nicht jedes Rechtsproblem für eine Internet-Anfrage. Und wie überall, muss der Rechtssuchende auch hier darauf achten, an wen er gerät.

Eine eigene Rechtsabteilung können Kleinunternehmer sich nur selten leisten, und bei jeder Bagatelle den Anwalt zu fragen, ist auf Dauer oft zu teuer. Doch es gibt verschiedene Rechtsberatungsportale im Internet, die auch Firmen bei Rechtsproblemen helfen, etwa bei Abmahnungen, Preisvorschriften oder im Arbeitsrecht. Für Anwälte eine gute Gelegenheit, sich als Fachmann zu profilieren, für den Unternehmer die Chance, rasch und günstig verlässliche Rechtsauskunft zu erhalten.

Als nach eigenen Angaben erster Anbieter von Bürosoftware hat Haufe-Lexware in seine kaufmännischen Programme eine Schnittstelle zu Rechtsberatung im Netz eingebaut – nämlich auf das Rechtsberatungsportal www.123recht.net. Die Seite ist an Laien gerichtet, wurde 1999 in Hannover gegründet und hat über 210 000 registrierte Mitglieder. Wer sich aus dem Programm dahin klickt. Landet bei www.frag-einen-Anwalt.de, einem Ableger von 123recht.net. Die Fragen werden für alle übrigen User sichtbar beantwortet. Wer seinen Fall nicht an die große Glocke hängen will, kann aber auch eine vertrauliche Online- und Telefonberatung erbitten. Für persönliche Gespräche stehen Anwälte über eine Direktanfrage zur Verfügung.

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„Insbesondere bei klein- und mittelständischen Unternehmen sowie bei Selbstständigen ist der Bedarf nach schneller und unkomplizierter Rechtsberatung groß“, sagt Arne Schinkel, Gründer und einer der vier Geschäftsführer. Es gebe bei kleineren Firmen aber eine Hemmschwelle, wegen Bagatellfragen extra einen Rechtsanwalt aufzusuchen. „Unser großer Vorteil gegenüber anderen Angeboten ist vor allem unsere Kostentransparenz.“ Auch bei Haufe-Lexware ist man zufrieden, der Bedarf sei einfach da, sagt Geschäftsführerin Isabel Blank: „In unseren Kundenumfragen gehört das Thema Rechtsberatung zu den Top-Drei Wünschen.“ Durch die neue Kooperation könne man den Programmnutzern nun zu günstigen Konditionen einen Zugang zum Portal anbieten.

Wer auf eigene Faust Rechtsaukunft im Internet sucht, sollte allerdings auf der Hut sein. Die Zeitschrift „Finanztest“ von der unabhängigen Stiftung Warentest hat Anfang 2008 Online-Rechtsberatungen getestet und festgestellt: „Nur vier Anwälte lagen richtig.“ Frag-einen-Anwalt.de war darunter, hier gab es innerhalb von Stundenfrist einen „verständlichen und korrekten Rat für 26 Euro“.

Auch der Rat des Anwalts von www.e-Juristen.de stimmte, hier kostete der korrekte Rat etwas mehr als 70 Euro. Der im Frühjahr 1998 gegründete Dienst versteht sich als „Pionier“, wenn es um Rechtsauskunft per Telefon und E-Mail geht. Allerdings kommt die Web-Seite recht altmodisch daher und erinnert sehr an die Frühzeiten von HTML-Programmierung. „Finanztest“ urteilt: „Die Seiten von e-juristen.de sind verwirrend, und nach Absenden der Frage bleibt mangels Bestätigung die Unsicherheit, ob das System sie angenommen hat.“ Gleichwohl sei kurz darauf ein Kostenvoranschlag gekommen – und am Tag darauf eine korrekte Antwort.

Marc Strasser, Gründer des Portals, räumt ein, dass die Seiten in nächster Zeit generalüberholt werden müssen. Was die Macher bislang zögern lässt, ist die Sorge, nach einer Modernisierung keinen Spitzenplatz mehr zu haben, etwa in der Google-Suche, und darum Umsatz zu verlieren. „Nach mehr als zwölf Jahren haben wir natürlich einen großen Kundenstamm, zu dem auch viele Kleinunternehmer gehören, die sich, soweit dies möglich ist, vor Gericht selbst vertreten, aber von unseren Anwälten die Schriftsätze der Klagen aufsetzen lassen.“ Der Dienst arbeite seit Jahren mit einer kleinen, überschaubaren Zahl von Anwälten zusammen. „Eingehende Anfragen werden an den Anwalt geleitet, der den Kunden schon einmal beraten hat.“ Natürlich seien die Anwälte bemüht, ihre Stammkunden zu behalten.

80 Prozent private und 20 Prozent Businesskunden hat die Plattform www.anwalt.de. Auch hier gab es für „Finanztest“ binnen einer Stunde und für seienrzeit 49 Euro eine korrekte Auskunft. „Wir bieten die Möglichkeit, rechtliche Fragen schnell und effizient beantwortet zu bekommen, anonymisiert und sehr individuell“, wirbt Marketingleiter Andreas Röhr. „Man spart sich den Gang zum Anwalt.“ Für 1,99 die Minute gibt es auch telefonische Rechtsberatung. Dank der eingängigen Webadresse wandelt sich das Unternehmen zu einem Anwaltsverzeichnis- und Suchdienst. Mit Rechtstipps über interessante Fälle können Anwälte auf sich aufmerksam machen.

Bernd Rätke, Vorsitzender Richter am Finanzgericht Berlin-Brandenburg, das vor allem für Steuerrechtsstreitigkeiten zuständig ist, rät allen Online-Rechtsratsuchenden dazu, Standardfragen von komplexen Themen zu unterscheiden. „Im Steuerrecht geht so etwas nämlich nicht.“ Wichtige Details finde ein Anwalt nämlich oft erst im persönlichen Beratungsgespräch heraus. „Nur so kann man auch die Kompetenz eines Anwalts seriös beurteilen. Und die Frage der Verantwortung und der Haftung ist eine ganz andere, wenn man sich kennt, als wenn alles anonymisiert im Internet abläuft.“ Allerdings sagt auch Rätke: „Geht es um rechtliche Standardfragen, etwa im Arbeits-oder Mietrecht, kann man diese sicherlich auch gut und preiswert im Internet klären.“

Genau hier ist der Rechtssuchende auch am Scheideweg, was den Preis für die Auskunft angeht. Grundsatzfragen können Anwälte verständlicherweise für vergleichsweise kleines Geld beantworten, quasi aus ihrem Juristen-Grundwissen. Das maßvolle Honorar ist dann eben ein flott verdientes Zubrot oder eine Werbeaktion zur Mandantenakquise. Das ändert sich, wenn der Fall schwieriger wird und selbst ein erfahrener Anwalt mal einige Zeit über Gesetzestexten, Kommentaren und Urteilen brüten muss. Hierfür dürfte dann eher ein Anwaltsstundensatz fällig werden, für den man als grobe Näherung 180 Euro ansetzen kann, je nach Kanzlei auch deutlich mehr.

Bei Frag-einen-Anwalt.de sind Ratsuchende gehalten, selbst ein Honorar vorzuschlagen, und zwar ein umso höheres, je wichtiger und dringlicher die Frage ist. Was im ersten Moment konzeptionell reizvoll, weil mit Marktlogik daherkommt, ist genau besehen heikel. Der Ratsuchende kann den anwaltlichen Aufwand für die gewünschte Antwort nämlich in der Regel nicht gut abschätzen, wird also nach Bauchgefühl bieten oder danach, was andere so ausloben. Ist der Einsatz zu gering, kommt schlimmstenfalls keine Antwort, oder zunächst einmal die Aufforderung nachzubessern. Überschätzt ein Ratsuchender den Aufwand hingegen, erfährt er nie, dass er den Rat auch günstiger hätte bekommen können.

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