Diverses Reden ist Gold

Wer seine Finanzierungspartner regelmäßig und umfassend über die Geschäfte seiner Firma informiert, kommt leichter und günstiger an frisches Kapital. impulse.de stellt die nominierten Unternehmen des Fikomm-Award 2009 vor.

Zum dritten Mal verleihen der Kreditversicherer Euler Hermes, die Commerzbank, das Bundeswirtschaftsministerium, der Bundesverband der Deutschen Industrie, die Financial Times Deutschland und impulse den Preis für die beste Finanzkommunikation im Mittelstand.

Bis zur Verleihung des Fikomm-Award 2009 am 13. Mai in der Kölner Vulkanhalle stellt impulse.de die neun nominierten Unternehmen vor.

Anzeige

Kategorie I – Unternehmen bis fünf Millionen Euro Jahresumsatz:

Der Couragierte: Ehrhorn Vermessung, Achim

Transparenz ist Uwe Ehrhorn, Inhaber von Ehrhorn Vermessung im niedersächsischen Achim, enorm wichtig. Wöchentlich informiert er seine 13 Angestellten über die Geschäftsentwicklung im Intranet und ganz traditionell am schwarzen Brett. Und seinen Hausbanken liefert der Unternehmer viermal im Jahr die wichtigsten Kennzahlen, etwa Umsatzentwicklung, Auftragseingänge und Verbindlichkeiten.

Der Hang zur Information hat einen Grund: Durch die große Bauflaute in den Jahren 2003 und 2004 geriet Ehrhorns Firma in eine schwere Krise. Der Umsatz brach ein, die Liquidität wurde bedrohlich knapp. Der Vermessungsingenieur ging volles Risiko, löste zwei Lebensversicherungen auf, baute mit dem Geld Kredite ab und setzte auf verbessertes Controlling sowie Qualitätsmanagement. Für sein Engagement wurde Ehrhorn im Jahr 2007 zum niedersächsischen Landessieger des impulse-Wettbewerbs „Mutmacher der Nation“ gekürt.

Ob und wie die Maßnahmen greifen, sollten Ehrhorns wichtigste Partner, seine Mitarbeiter und die Banken, ganz genau wissen. Finanzkommunikation ist daher wichtiger Bestandteil der Firmenpolitik. Bei den Kreditinstituten kam die Informationsoffensive gut an. Die Transparenz schlägt sich in guten Rating-Noten und erleichtertem Zugang zu Fremdmitteln nieder.

Die Angreifer: Inexio, Saarlouis

Der Vergleich mit der alttestamentarischen Geschichte von David, der mit einer Schleuder bewaffnet gegen den Riesen Goliath antritt, drängt sich auf. Schließlich heißt der Gründer und Geschäftsführer von Inexio (33 Mitarbeiter, fünf Millionen Euro Umsatz) David Zimmer. Und sein größter Konkurrent ist der Weltkonzern Deutsche Telekom (228.000 Mitarbeiter; 63 Milliarden Euro Umsatz). Allerdings ist das Ende noch offen. Oder, um im Bild zu bleiben: Es ist noch nicht absehbar, ob Davids Stein sein Ziel trifft.

Inexio aus Saarlouis hat seit der Gründung im Frühjahr 2008 ein eigenes Glasfasernetz mit Hochgeschwindigkeitsleitungen zwischen Frankfurt, Luxemburg, Kaiserslautern und Karlsruhe aufgebaut. Hinzu kommen einige City-Netze. Zuverlässiger als die Infrastruktur der Deutschen Telekom sollen die Netze sein, damit Firmenkunden ihre netzwerkbasierten Geschäftsprozesse effizienter machen können.

Für die die Attacke auf den Marktführer waren Investitionen in Millionen-Höhe erforderlich. Das notwendige Kapital bekam Zimmer von seinen Banken. Und weil der Inexio-Chef die Geldhäuser regelmäßig und umfassend über die Geschäftsentwicklung informiert, hatten die Institute trotz Verlusten in der Startphase keine Bedenken sich an einer zweiten Finanzierungsrunde zu beteiligen.

Die Helfer: Salem International, Stadtsteinach

Die christliche Hilfsorganisation (130 Mitarbeiter; 4,9 Millionen Euro Umsatz) weiß, wie wichtig Vertrauen ist. Denn die Spender wollen sicher sein können, dass ihre Gelder in Kinderdörfer, Krankenstationen oder Öko-Landbau fließen. Da Spenden jedoch überwiegend vor Weihnachten in die Kasse kommen, benötigt Salem über das Jahr Zwischenfinanzierungen von Banken. Eine Voraussetzung für Kredite zu günstigen Konditionen ist abermals: Vertrauen.

Die Geschäftsführung um Samuel Müller setzt daher auf Offenheit und Transparenz gegenüber allen Geldgebern. Die Spender informiert Salem vier- bis sechsmal im Jahr mit einem Rundbrief. Die Banken bekommen zweimal im Jahr ein umfassendes Infopaket mit den wichtigsten Angaben über Projekte und Geldströme. Der Einsatz lohnt sich: Banken kommen von sich aus auf Salem zu – und verlangen mitunter weit unterdurchschnittliche Zinsen.

Unternehmen bis 100 Millionen Euro Umsatz

Die Innovatoren: Aliseo, Wolfach

Es begann 1985 mit einem Fön. Genauer gesagt mit einem Schlauchhaartrockner, wie man ihn heute noch in vielen Hotels findet. Dieses fest an der Wand installierte, wenig schicke und auch nicht eben praktische Gerät, das an einen Staubsauger erinnert, war der erste Fön ohne Haftungsrisiko für Hoteliers. Denn der Nutzer kommt nicht in Berührung mit elektrischen Teilen; die Gefahr eines Stromschlags ist minimal. Binnen kürzester Zeit belieferte Aliseo Hotels rund um den Globus mit diesen Haartrocknern. Heute verkauft die Firma (elf Millionen Euro Umsatz; 32 Mitarbeiter) auch Kosmetikspiegel und allerlei Badezimmeraccessoires an alle großen Hotelketten von Kempinski über Hyat bis Hilton.

Firmengründer und Geschäftsführer Michael Hellfritz sieht seine Kapitalgeber seit jeher als Partner, die er laufend über die Firmenentwicklung informiert. Die Banken haben Zugang zum Intranet von Aliseo, wo sie alle wichtigen Finanzdaten einsehen können. Hinzu kommt ein monatlicher Newsletter des Managements und zweimal im Jahr eine detaillierte Umsatzanalyse. Der Aufwand lohnt sich: Aliseo konnte seine Kreditzinsen um zwei Prozentpunkte senken.

Die Akquisiteure: Heldele, Salach

Welche Wirkung Offenheit und Transparenz gegenüber Banken für Unternehmen haben kann, weiß Adolf Heldele, der Gründer und Geschäftsführer Elektro-Kommunikations-Anbieters Heldele besonders gut. Nicht nur, dass die Geldhäuser der 1964 gegründeten Firma (76 Millionen Euro Umsatz; 498 Mitarbeiter) günstige Kreditkonditionen einräumen, sie erteilen Heldele auch Aufträge. So installierte das Unternehmen etwa die komplette Beleuchtung und die Sprechanlage einer Volksbank.

Als wichtigste Adressaten der Finanzkommunikation sieht Heldele jedoch die eigenen Mitarbeiter. Zweimal im Jahr lädt die Geschäftsführung zu Veranstaltungen ein, bei denen sie detailliert über die aktuelle Situation informiert.

Die Buchhalter: msp Druck & Medien, Mudersbach

Die aktuelle Krise trifft die Print-Medien-Branche besonders hart. Rückläufige Werbe- und Marketing-Etats wirken sich unmittelbar auf die Druckindustrie aus – Weniger Anzeigen, weniger Geschäft. Bruno Stricker, Geschäftsführer der msp Druck und Medien, gelang trotz des schwierigen Marktumfelds, seine Finanzierungspartner an das Unternehmen zu binden. Und das, obwohl msp (13 Millionen Euro Umsatz; 100 Mitarbeiter) nach einer schweren Krise vor fünf Jahren die Restrukturierung noch nicht abgeschlossen hat.

Die konsequenter Erweiterung der Angebotspalette auf digitale Medien und Drucklösungen allein hätte die Kapitalgeber womöglich nicht überzeugt. Doch mit umfangreiche Information von stillen Gesellschaftern, Leasingpartnern und Kreditinstituten konnte Stricker Vertrauen schaffen. Mit einem Finanzbuch, das sämtliche Verträge, Aufträge, Liquiditätsströme sowie eine Drei-Jahres-Planung enthält, schafft msp eine Transparenz, die für Firmen dieser Größe ungewöhnlich ist. Die Offenheit zeigt Wirkung: Das Unternehmen aus dem Siegerland erhielt zuletzt ein Darlehen ohne Sicherheiten und konnte mit der Volksbank einen neuen Kreditgeber gewinnen.

Der Besessene: Beluga Shipping

Als „besessen“ von seiner Arbeit soll ein Banker Nils Stollberg, den Gründer der Reederei Beluga Shipping vor Jahren einmal bezeichnet haben. Stollberg nahm’s als Kompliment und taufte einen seiner Schwergutfrachter „Beluga Obsession“. Und natürlich kamen Stollbergs Akribie und Arbeitswut auch bei den Kreditinstituten gut an. Zumal er seine Finanziers stets frühzeitig über den Gang seiner Geschäfte informieren will – auch wenn es Probleme gibt.
Und zwar persönlich. Finanzkommunikation ist bei Beluga Chefsache. Stollberg pflegt den laufenden persönlichen Kontakt zu seinen Finanzierungspartnern. Zudem hat er zweimal jährlich feste Termine für eine Unternehmenspräsentation bei den Banken.

Das hilft der seit ihrer Gründung 1995 rasant gewachsenene Reederei (418 Millionen Euro Umsatz; 1800 Mitarbeiter) – zumindest bislang – weitgehend unbeschadet durch die Flaute im Welthandel zu kommen. Die Bremer haben durch die Transparenz ihr Rating verbessert und daher keine Probleme bei der Kapitalbeschaffung. Die Kreditinstitute vertrauen auf Stollberg und seine langfristig ausgerichtete Strategie.

Die Rückkehrer: Messer Group

Auf Finanzinvestoren lässt Stefan Messer, Chef des Industriegase-Produzenten Messer Group, nichts kommen. Denn es waren heute abfällig als „Heuschrecken“ titulierte Private-Equity-Häuser, die ihm und seiner Familie halfen, zu Beginn des Jahrtausends das Tradionsunternehmen zu konsolidieren und zurück in den Besitz des Messer-Clans zu bringen.
Goldman Sachs und Allianz Capital Partners kauften 2001 in enger Absprache mit den Messers vom Pharma-Riesen Aventis die Mehrheitsanteile der ehemaligen Firma Messer-Griesheim. Zuvor war das Unternehmen durch eine auf Pump finanzierte, planlos wirkende Expansionsstrategie an den Rand der finanziellen Handlungsunfähigkeit gedrängt worden.

Die neuen Eigentümer restrukturierten die Gruppe, und: sie sorgten für mehr Transparenz bei den Unternehmensfinanzen. Als Allianz und Goldman 2004 wieder ausstiegen und der Messer-Clan plangemäß große Teile des Auslandsgeschäfts übernahm (die Aktivitäten in Deutschland, Großbritannien und den USA gingen an den französischen Konkurrenten Air Liquide) war die Firma stabilisiert und aufgeräumt.

Vor allem das von den „Heuschrecken“ eingeführte detaillierte Finanzreporting bis hinunter auf die einzelnen Märkte, auf denen Messer aktiv ist, erwies sich als wertvoll. Die Schaffung von transparenten Kapitalströmen durch eine verbesserte Finanzkommunikation innerhalb der Gruppe hat für Firmenlenker Messer heute zwei zentrale Vorzüge: Zum einen erkennt er deutlich und frühzeitig, wo es im Unternehmen läuft und wo nicht. Und zum anderen gewinnt er durch die Offenheit das Vertrauen von Kapitalgebern, auf die er für die weitere Expansion des Konzerns (ca. 800 Millionen Euro Umsatz; 4800 Mitarbeiter) angewiesen ist. So gelang es Messer erst im Frühjahr, trotz globaler Finanzkrise, 100 Millionen Euro an Krediten zu bekommen – und zwar ohne Sicherheiten bieten zu müssen.

Die Expansiven: Sana Kliniken

Michael Philippi hat sich viel vorgenommen. Der Chef der Sana Kliniken will den Umsatz von Deutschlands viertgrößtem privaten Krankenhausbetreiber verdoppeln – von einer guten Milliarde Euro im Jahr 2008 auf zwei Milliarden im Jahr 2012. Das wird nicht ohne Akquisitionen gehen, die finanziert sein wollen. Phillipi ist deshalb darauf angewiesen, dass Banken ihm und Sana (18500 Mitarbeiter) vertrauen.

Obwohl nicht börsennotiert, setzt der Klinikkonzern, der 33 privaten Krankenversicherungen gehört, daher voll auf Transparenz. Die Finanzierungspartner bekommen quartalsweise detaillierte Reports über die Geschäftsentwicklung sowie Prognosen und Planzahlen für die kommenden Jahre, aber auch Soll-Ist-Abgleiche. Einmal im Jahr veranstaltet das Unternehmen einen „Bankentag“ für die Kapitalgeber.

Der Einsatz verfehlte seine Wirkung bislang nicht. Trotz schwierigen Marktumfelds werden die Finanzierungspartner ihr Engagement wohl langfristig aufrecht erhalten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...