Diverses Reden Sie mit ihr!

Wer Finanzierungspartner regelmäßig über die Geschäfte seiner Firma informiert, kommt leichter an frisches Kapital. Gerade in der Krise zahlt sich Offenheit gegenüber der Hausbank aus. Drei Unternehmen bekommen den "Preis für die beste Finanzkommunikation".

Friedel Höhn hörte seinen Besuchern
aufmerksam zu. Und was er an diesem
Nachmittag im Sommer 2007
erfuhr, gefiel dem Vorstandschef der
Kreissparkasse Saarlouis. Es ging um
Breitband-Internetverbindungen, weiße
Flecken auf der DSL-Versorgungslandkarte,
die Verlegung von Glasfaserkabeln
und darum, dass in dieser Marktnische
Geld zu verdienen ist.

Als dann seine
Gäste, David Zimmer und Thorsten Klein,
mit der Präsentation fertig waren, rechnete
Höhn damit, dass sie Geld von ihm
wollten. Nur, einen Kreditantrag reichten
die Unternehmer nicht ein. „Wir wollten
nur unser Geschäftsmodell vorstellen“,
sagt Zimmer. „Ein eher seltenes Vorgehen“,
wie der 61-jährige Sparkassen-
Mann Höhn nach gut 45 Jahren Berufserfahrung
mit Gewissheit sagen kann.

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Ungewöhnlich, aber erfolgreich. Denn
als Zimmer und Klein einige Wochen
später mit ihrer Inexio die Investitionsplanungen
der erst 2006 entstandenen
Firma abgeschlossen hatten, war die
Beschaffung von Kapital kein Problem,
die Kreditanträge waren fast nur noch
Formsache. Inexio konnte durchstarten
und macht als Winzling (rund 2,5 Millionen
Euro Umsatz, 33 Mitarbeiter)
seither den Multimilliarden-Konzernen
Deutsche Telekom und Vodafone vor allem
im Saarland, in Rheinland-Pfalz und
Teilen Hessens mit einem stetig wachsenden
eigenen Glasfasernetz Konkurrenz.

Die frühzeitige Information und Einbindung
der Finanzierungspartner gehört
bei Inexio zum Konzept, nicht nur
wenn frisches Geld gebraucht wird, sondern
laufend. Neben Protokollen der Aufsichtsratssitzungen
bekommen Hausbanken,
Investoren und wichtige Geschäftspartner
regelmäßig Updates über den
Gang der Geschäfte. Drei bis vier Stunden
täglich ist Zimmer im Durchschnitt
damit beschäftigt, Umsatzentwicklung,
Neugeschäft, Strategie und Projekte zu
erläutern, schriftlich, telefonisch oder
auch im persönlichen Gespräch.

Für so viel Offenheit und Transparenz
hat Inexio nun den Preis „Beste Finanzkommunikation
im Mittelstand“ gewonnen.
Am 13. Mai verlieh der Kreditversicherer
Euler Hermes gemeinsam
mit dem Bundesverband der Deutschen
Industrie (BDI), der Commerzbank, dem
Bundeswirtschaftsministerium sowie der
Financial Times Deutschland und impulse
zum dritten Mal den Fikomm-
Award. Neben Inexio erhielten die Auszeichnung
auch der Industriegaseproduzent
Messer Group sowie MSP Druck
und Medien.

Alle drei Unternehmen zeigen, welche
Bedeutung die aktive, laufende Information
der Kapitalgeber hat. So hob Euler-
Hermes-Vorstand Gert Schloßmacher in
seiner Laudatio für Inexio hervor, dass
sich die Saarländer mit Finanzkommunikation
„Langfristinvestitionen ermöglicht“
haben. Trotz Finanzmarktkrise
konnte das Unternehmen jüngst eine
zweite Finanzierungsrunde erfolgreich
abschließen, „wobei Inexio deutlich verbesserte
Konditionen und eine nennenswerte
Ausweitung der Kreditlinie aushandelte“,
betonte Schloßmacher.

Kein Zufall. Eine Studie von Stephan
Paul, Professor am Institut für Kredit und
Finanzwirtschaft an der Ruhr-Universität
Bochum, bestätigt, wie wichtig
eine intensive Finanzkommunikation
heute ist. Über 700 Mittelständler und
300 Kapitalgeber, also Banken, Leasingfirmen
oder Investoren, hat der Ökonom
– er begleitete auch den Fikomm-
Award wissenschaftlich – über Methoden
und Wirkung von Finanzkommunikation
befragt. Zentrales Ergebnis: Mit Offenheit
und Transparenz verbessern Unternehmen
die Beziehungen zu ihren
Kapitalgebern
und erhalten eine breitere
Auswahl an Finanzierungsofferten – mitunter
auch zu niedrigeren Kosten.

Vorteile, die viele Firmeninhaber noch
nicht erkannt haben. Laut Studie sehen
nur 40 Prozent der befragten Unternehmer
überwiegend Vorteile in der Finanzkommunikation;
60 Prozent indes zeigen
sich skeptisch. Eine Fehleinschätzung.
Denn es geht nicht nur um einen Buchhaltungsstrip
vor der Hausbank, den
viele scheuen. Von der Offenheit lässt
sich auch innerbetrieblich profitieren.

Für Hans-Gerd Wienands, Finanzvorstand
der Messer Group, ist Finanzkommunikation
vor allem auch ein internes
Steuerungsinstrument, ein wertvolles
Managementtool, wie es auf Neudeutsch
heißt. Der Industriegasekonzern (knapp
800 Millionen Euro Umsatz, 4700 Mitarbeiter)
produziert an über 60 Standorten,
vornehmlich in Europa und China.
„Alle Märkte“, sagt Wienands, „haben
ihre lokalen Eigenheiten.“ Daher sei es
wichtig, dass er in den monatlichen
Managementreports, die auch an die Kapitalgeber
gehen, jeweils etwa 50 Seiten
Analysen aus den Regionen bekommt.
Wienands: „So erkennen wir Probleme
und Chancen frühzeitig und können
schnell reagieren.“

Das umfangreiche Reporting haben
Finanzinvestoren eingeführt. Goldman
Sachs und Allianz Capital Partners über nahmen 2001 die ehemalige Messer
Griesheim in enger Absprache mit der
Gründerfamilie. Der vormalige Mehrheitseigner,
der Pharmariese Aventis,
hatte Messer durch eine planlos anmutende
Expansionsstrategie auf Pump an
den Rand einer Krise geführt.

Die Private-Equity-Häuser beseitigten
das Chaos. Wichtiger Bestandteil der
Restrukturierung: die Verbesserung der
Finanzkommunikation. Im Jahr 2004
verkauften die „Heuschrecken“ eine gut
aufgestellte Gruppe. Das Geschäft in
Deutschland, Großbritannien und den
USA ging an den französischen Konkurrenten
Air Liquide. Den Rest kaufte
die Familie Messer zurück.

Um das Wachstumstempo der vergangenen
Jahre (Umsatzsteigerung seit
2005: 38 Prozent) fortsetzen und nicht
zuletzt auch den alten Heimatmarkt
Deutschland neu erobern zu können,
braucht Firmenlenker Stefan Messer Kapital.
Mit der neuen Transparenz hat er
bereits so manchen Finanzier gewonnen.
Erst im Frühjahr bekam der Konzern Zusagen
für Kredite mit einem Volumen von
100 Millionen Euro – ohne dafür Sicherheiten
bieten zu müssen. Ein großer
Erfolg inmitten der Krise.

„Wir wollen nicht überrascht werden“

Was aber erwarten Banker von ihren
Firmenkunden? „Vor allem wollen wir
nicht überrascht werden“, sagt Martin Fischedick,
Bereichsvorstand für das Firmenkundengeschäft
der Commerzbank. Regelmäßige
und umfassende Informationen
sind für die Kreditgeber von entscheidender
Bedeutung. Und zwar über bloßes
Zahlenwerk hinaus. Fischedick: „Wir
wollen das Unternehmen verstehen.“

Unternehmer, die diesen Wunsch
beherzigen und alle Karten offenlegen,
verbessern auch ihre Verhandlungsposition
gegenüber den Geldhäusern. Sie
werden als gleichwertige Partner wahrgenommen,
nicht als Bittsteller.

Zusätzliche Hausbank gewonnen

Diese Erfahrung machte Bruno Stricker,
Gründer und Geschäftsführer von
MSP Druck und Medien aus Muders-
bach im Siegerland. Obwohl er das Unternehmen
nach einer schweren Krise
2003 gerade erst stabilisiert hatte, gelang
es ihm im vergangenen Jahr, eine zusätzliche
Hausbank als Partner zu gewinnen.
Und die konnte er sich sogar
aussuchen.

Das Vertrauen der Kreditinstitute gewann
Stricker mit seinem „Finanzbuch“.
Das mehrere Hundert Seiten starke Konvolut
mit betriebswirtschaftlichen Auswertungen,
Risikokennziffern, Umsatzund
Gewinnprognosen, Marktanalysen
sowie sämtlichen Verträgen des Unternehmens
gab den Bankern einen tiefen
Einblick in die Firma. Offene Fragen?
Kaum. Die Faktensammlung erlaubt eine
äußerst exakte Einschätzung über Perspektiven
und Risiken des Unternehmens.

Jedes Jahr im Januar setzt sich Firmenchef
Stricker persönlich an den
Schreibtisch und stellt das Finanzbuch in
vierwöchiger Fleißarbeit zusammen. Der
Lohn: „Wir konnten unser Rating verbessern
und bekommen günstigere Kredite.“
Außerdem gehe in der Zusammenarbeit
mit den Kapitalgebern nun vieles schneller.
Gute Erfahrungen, die viele Unternehmen
teilen, die eine aktive Finanzkommunikation
betreiben, wie die Studie
ergeben hat.

Letztlich aber, das weiß Stricker aus
Erfahrung, „spielen auch Eindrücke und
Gefühle eine wichtige Rolle im Verhältnis
zu den Finanzpartnern“. Eine Lektion,
die auch die Inexio-Gründer Zimmer
und Klein bereits gelernt haben.

Regelmäßig empfangen sie Banker
in ihrem Hauptquartier in Saarlouis –
einem Ort mit Symbolcharakter. Der
über dem Eingang in die etwa drei Meter
hohe Stahltür eingestanzte Schriftzug
„Landeszentralbank“ verrät sofort, wer
das Gebäude einst nutzte. Lichtdurchflutete
Büros signalisieren Offenheit.
Und die dicken Betonmauern flößen
Respekt ein, suggerieren Solidität und
Sicherheit. Eine Mischung, die ihre
Wirkung bislang nicht verfehlt hat.
Auch das ist zielführende Finanzkommunikation.

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