Diverses Rein in die GmbH?

Die Unternehmensteuerreform macht Kapitalgesellschaften ab 2008 für Firmenchefs deutlich attraktiver. impulse zeigt, wann sich ein Rechtsformwechsel für Sie lohnt.

Das Rostocker Unternehmerehepaar
Sabine und Mike Giebel ist
spitzes Rechnen gewohnt. Seit zehn
Jahren sind die Inhaber der Firma
Möbel Harrmann in der Rechtsform
einer GmbH & Co KG unterwegs.

„Damals genau die richtige Entscheidung
– für Familie, Finanzen und
Steuern“, ist sich der Firmenchefsicher. Die
Reform der Unternehmen
steuern setzt jedoch völlig
neue Rahmenbedingungen. Deshalb
lässt Ehe paar Giebel von seiner
Steuerberaterin checken, ob die Firma
noch richtig aufgestellt ist. Vor
allem die günstigen Steuersätze für
Kapitalgesellschaften haben es den
beiden angetan. Zwischenbilanz von
Unternehmerin Giebel: „Eine ganze Menge spricht
dafür, in naher
Zukunft in eine
GmbH zu wechseln.“

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Tatsächlich eine verlockende
Alternative. Für mittelständische
Unternehmer jeder Größe und
Branche. Jedenfalls auf den ersten
Blick. Denn die schwarz-rote Bundesregierung
senkt ab 2008 massiv die
Steuersätze für Kapitalgesellschaften
(GmbH, Limited, AG). Von derzeit
knapp 40 Prozent auf unter 30 Prozent
– Gewerbesteuer inklusive. Einzelunternehmer
und Personengesellschafter zahlen hingegen künftig mehr. In der Spitze 45 statt 42 Prozent.

Der Vergleich der Steuersätze spricht
eindeutig für die GmbH. Doch so einfach ist die Sache nicht. Denn für Personenfirmen spendiert die Bundesregierung
ab 2008 eine spezielle Gewinnrücklage.
Prinzip: Gewinne, die
mittelständische Unternehmer in der
Firma stehen lassen, kosten auf Antrag
nur 28,25 Prozent Einkommensteuer
(impulse 4/2007).

Wer thesauriert, gewinnt

Niedrige Steuersätze für Kapitalgesellschaft
en, Gewinnrücklage für Personenfirmen – klingt gut, aber was ist
günstiger? Auf diese einfache Frage
gibt es keine schnelle Antwort. Zumal
die neue Gewerbesteuer und private
Entnahmen einzurechnen sind – private
Steuern inklusive. Faustregel: „Größere und
ertragsstarke Familienbetriebe sind
in der GmbH besser aufgehoben. Vor
allem, wenn sie den Gewinn überwiegend
in der Firma stehen lassen“, resümiert
Steuerberater Matthias Paintner
von der Kanzlei Ecovis in Straubing.
Die Steuerberatungsgesellschaft
hat für detaillierte Analysen ein Programm
entwickelt, das auch impulse-
Lesern für Vergleiche zur Verfügung
steht.

Die Grundzüge der Unternehmensteuerreform
hatten Bundesfinanzminister
Peer Steinbrück und Hessens
Ministerpräsident Roland Koch
schon Anfang 2005 als Blaupause
vorgelegt. Ziel: „Deutsche Unternehmer
müssen im internationalen Wettbewerb
gestärkt werden.“ Dafür
macht Berlin jetzt unter dem Strich
fünf Milliarden Euro locker. Aber
nicht durch simples Drehen an den
Steuersätzen. Stattdessen hat der
Koalitionspoker ein kompliziertes
Geflecht von Entlastungen (32 Milliarden
Euro) und neuen Zumutungen
(27 Milliarden Euro) produziert. Mit
dem Ergebnis, dass im bundesdeutschen
Steuersystem kaum ein Stein
auf dem anderen bleibt. „Die Steuersenkungen
werden mit bürokratischem
Mehraufwand erkauft“, urteilt
Anton F. Börner, Unternehmer und
Präsident des Deutschen Groß- und
Außenhandels (BGA).

Kernstück der Reform sind die
neuen Steuersätze für Kapitalgesellschaft
en. Sie zahlen für Gewinne
künftig 15 Prozent statt bislang 25
Prozent Körperschaft steuer. Hinzu
kommt wie bisher die Gewerbesteuer.
Allerdings mit einigen kostspieligen
Änderungen.

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Ausschüttungen teurer

Besonders gravierend ist, dass die Gewerbesteuer
ab 2008 nicht mehr als
Betriebsausgabe absetzbar ist. „Unter
dem Strich kosten GmbH-Gewinne
künftig zwischen 23 und 33 Prozent Steuer, je nach Hebesatz der Gemeinde
„, notiert Steuerberater Lars Zipfel
von Ernst & Young in Stuttgart.

Mittelständische GmbH-Chefs –
oder solche, die es werden wollen –
müssen allerdings noch ein Stück
weiterrechnen. Wenn sie einen Teil
des Gewinns für sich privat abzweigen,
langt das Finanzamt erneut zu. Ausschüttungen kosten ab 2009 pauschal
25 Prozent Abgeltungsteuer.
Welche Einkünfte die Anteilseigner
sonst noch haben – Geschäftsführergehalt,
Mieten oder Zinsen – spielt
dabei keine Rolle. Experte Zipfel:
„Das bedeutet für GmbH-Chefs, die
Gewinne komplett ausschütten, eine
Steuerlast von bis zu 50 Prozent.“

Zur Erinnerung: Bisher und bis
Ende 2008 gilt noch das Halbeinkünft
everfahren. Bedeutet: Steuerpflichtig ist die Hälfte der Gewinnausschüttung,
dafür aber mit dem vollen
persönlichen Steuersatz. Der Wechsel
zur Abgeltungsteuer eröffnet GmbH – Gesellschaftern eine Extra-Sparchance
– egal, ob die GmbH 2008
gegründet wird oder schon lange
existiert. Sonderausschüttung heißt
der lukrative Dreh. Gesellschafter von
Alt-GmbHs bedienen sich dazu aus
der Gewinnrücklage und zahlen letztmalig
höchstens 22,5 Prozent Steuern.
Ein Jahr später wären schon 25
Prozent fällig. Anteilseigner von neuen
GmbHs gönnen sich dagegen einen
Vorschuss auf den Firmengewinn
2008 und profitieren gleich doppelt:
Der gesamte Firmengewinn kostet
nur 30 Prozent statt 40 Prozent Steuern.
Und die Vorab-Ausschüttung
wiederum nur 22,5 Prozent. Berater
Paintner: „Diese Gelegenheit sollte
kein GmbH-Chef verpassen.“

Gehälter feinjustieren

Wer mit der GmbH als Rechtsform
für seine Firma liebäugelt, sollte wissen,
dass er dann für Privatentnahmen
nicht mehr beliebig in die Kasse
greifen kann. Dafür darf er sich aber
ein ordentliches Gehalt gönnen. Firmenwagen
und betriebliche Altersversorgung
inklusive. Ob diese Annehmlichkeiten die Waage Richtung Rechtsformwechsel ausschlagen lassen,
hängt vom Einzelfall ab. Die Gehälter
sind zwar als Betriebsausgabe
abzugsfähig. Das spart Körperschaft –
und Gewerbesteuer. Andererseits
kosten die Gehälter bei den Chefs privat
Einkommensteuer. Experte Zipfel:
„Das will gemeinsam mit dem Steuerberater
genau austariert sein.“

In der Vergangenheit haben mittelständische
Firmenchefs den Wechsel
in die GmbH oft gescheut. Weil die
Weitergabe von Kapitalgesellschaften
in der Familie erheblich mehr Schenkung-
oder Erbschaft steuer kostet als
bei Personenfirmen. Denn in GmbHs
zählen als Bemessungsgrundlage statt
der niedrigen Steuerbilanzwerte sogenannte
Ertragswerte („Stuttgarter
Verfahren“). Folge: Bei Kapitalgesellschaften mit guten Gewinnen können
Schenkung- oder Erbschaftsteuer
leicht das Drei- bis Fünffache von Personengesellschaften betragen.

Dieser Nachteil ist wohl bald vom
Tisch. Spätestens ab 2009 gelten für
Firmen aller Couleur gleiche Steuerwerte.
Das hat das Bundesverfassungsgericht
dem Gesetzgeber aufgetragen
(impulse 4/2007). Damit
können sich Unternehmer bei strategischen
Entscheidungen auf das konzentrieren,
was wirklich zählt: Gewinne
und Gewinnsteuern.

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