Diverses Reiseführer für Genießer

Die Zutaten sind nicht mehr das, was sie mal waren - und den deutschen Köchen fehlt der Biss. So ließe sich in aller Kürze das Fazit des neuen Gault-Millau-Guides zusammenfassen. Dennoch finden sich wieder einige Stars unter den kulinarischen Könnern - und einige Überraschungen. Die Crew rund um Chefredakteur Manfred Kohnke hat erneut mehr als tausend Restaurants getestet - und in bewährt direkter Manier kommentiert.

Als „Koch des Jahres“ kürte der Gault Millau den 32-Jährigen Tim Raue vom Restaurant „44“ in Berlin. Er bekam vom Gault Millau, der nach dem französischen Schulnotensystem urteilt, 18 von 20 möglichen Punkten, die „höchste Kreativität und Qualität“ bedeuten. Die Begründung: „Er tischt in der Hauptstadt die Weltstadt auf: Faszinierend verbindet er das modisch Erwünschte mit dem handwerklich Möglichen in höchster Geschmacksintensität.“ Raue begeisterte die Tester unter anderem mit glasierten Schweinerippchen auf scharfem Püree von der Sobrassada-Wurst und einem frischen, geradezu knusprigem Salat aus Sojasprossen, Apfel und Ingwer mit Melissenöl.

Eine höhere Bewertung als Raue haben hierzulande nur sieben Köche: Je 19,5 Punkte erhielten wieder Harald Wohlfahrt („Schwarzwaldstube“, Baiersbronn-Tonbach), Helmut Thieltges („Waldhotel Sonnora“, Dreis bei Wittlich), Dieter Müller („Restaurant Dieter Müller“, Schloss Lerbach, Bergisch Gladbach). Joachim Wissler („Vendôme“, Bergisch Gladbach) erhöhte seine Bewertung auf 19,5 Punkte.

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Diesem Quartett folgen mit je 19 Punkten, wie im Vorjahr, Hans-Stefan Steinheuer („Steinheuers Restaurant zur alten Post“, Bad Neuenahr), Heinz Winkler („Residenz Heinz Winkler“, Aschau) und Thomas Bühner („La Vie“, Osnabrück).

„Aufsteiger des Jahres“ ist der Italiener Cosimo Ruggiero vom „Hippocampus“ in München. Er vereine „schnörkellos das Urtümliche des ländlichen und die Leichtigkeit des modernen Italiens zu einer zeitgemäßen Küche ohne jede Modetorheit“, lautet das Urteil der Tester.

Insgesamt bewertet der alljährlich wegen seiner strengen Urteile und deren zuweilen sarkastischer Begründung von den Köchen gefürchtete, von den Feinschmeckern mit Spannung erwartete Gault Millau in seiner neuen Ausgabe 1120 Restaurants. Die 30 Tester, die stets anonym auftreten und dieses Jahr 291.200 Euro Spesen machten, verliehen 910 Luxuslokalen und Landgasthöfen, Bistros und Hotelrestaurants die begehrten Kochmützen. Dazu mussten die Köche mindestens 13 von 20 Punkten erreichen, was einem Michelin-Stern nahe kommt. Auch 106 Küchenchefs in den neuen Bundesländern erkochten diese Auszeichnung.

Gault Millau Deutschland 2007

Henri Gault, Christian Millau

Christian-Verlag

ISBN: 3884727168

30 Euro

www.gaultmillau.de

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