Diverses Rente erst ab 100?

Rente erst ab 100?

Die jüngsten Vorschläge zur
Reform der Rentenversicherung
sind an Einfältigkeit kaum noch
zu unterbieten: Rente erst ab 67, fordert
ausgerechnet Bert Rürup, ansonsten
einer der kundigsten unter
den Experten. Und ein gewisser Philipp
Mißfelder, Chef der CDU-Jugend,
nutzt die Gunst der Stunde und
das Angebot der »Bildzeitung« zu
einer Schlagzeile auf Seite eins, um
noch eins draufzusatteln: Rente ab 70
darf kein Tabu sein.

Wie lange es wohl noch dauert, bis
die Forderung »gesetzliche Rente erst
ab 100« erhoben wird?
Die Rentendiskussion ist reich an solchen
Absurditäten, schlimmer noch
sind die Verlogenheiten, die Behauptungen
der Politiker wider besseren
Wissens. Zu den schlimmsten gehört
das lustvoll ausgemalte, düstere Zerrbild
einer verarmenden Rentnergeneration,
weil die Rentenkasse von
Jahr zu Jahr weniger an die Ruheständler
auszahlen kann.

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Tatsache ist: Die meisten Bundesbürger
sind weitaus klüger als die Politiker,
die sie regieren wollen. Weil sie
aus guten Gründen ihre persönliche
ökonomische Zukunft nicht in die
Hände von Gelegenheits-Reformern
legen wollten, deren Horizont die Zeit
einer Wahlperiode knapp noch erfasst,
haben sie ihre private
Rentenreform längst auf
den Weg gebracht.

In nur wenigen Jahren
hat sich der Anteil
der Rentenversicherungen
an den Lebensversicherungen
fast verdoppelt,
mehr als jeder
vierte Euro der Altersbezüge
der Deutschen
kommt inzwischen aus
der privaten Vorsorge.

In Wahrheit ist die private Vorsorge
fürs Alter für die Deutschen seit Jahrzehnten
eines ihrer wichtigsten persönlichen
Ziele. Und das haben sie mit
großem Erfolg betrieben. Noch nie gab
es in der Geschichte eine Generation,
die finanziell so opulent gesichert auf
die Rente zusteuerte: Die 29 Millionen
Deutschen über 50 Jahre, von denen
die ersten sich schon über den Vorruhestand
freuen, besitzen 60 Prozent des
Vermögens überhaupt – rund 2,2 Billionen
Euro. Und werden, weil ihre Elterngeneration
jetzt die Ende 70 erreicht
hat, allein in den nächsten fünf
Jahren weitere drei Billionen Euro erben.
Da wird die Staatsrente zum willkommenen
Pensionszuschuss, für einige
eher zum Taschengeld.

Aber gibt es nicht eine Ungleichverteilung
dieses Vermögens und daher
wachsende Altersarmut, wie es uns die
selbst ernannten Sozialapostel glauben
machen wollen? Die Antwort lautet –
nein. Tatsache ist: Die Sozialhilfequote
unter älteren Menschen liegt mit 1,5
Prozent deutlich unter der Quote der
Gesamtbevölkerung (3,3 Prozent).

Was lehren uns diese Zahlen? Die
allermeisten Menschen können mit
der Verantwortung für ihre Altersvorsorge
weitaus besser umgehen als der
Staat. Höchste Zeit also, ihnen ihr
selbst verdientes Geld zu diesem
Zweck auch wieder zu überlassen.

Thomas Voigt, Chefredakteur

chefredaktion@impulse.de

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