Diverses Richard Thaler und Cass Sunstein – Nudge

Verhaltensökonomie: Dass die wenigsten Menschen rational entscheiden, lässt sich nutzen. Zu ihrem Besten.

Den besten Handytarif gibt es nicht.
Und die günstigste Hypothekenfinanzierung
ebenso wenig. Stattdessen
wimmelt es von kaum miteinander
vergleichbaren Tarifen. Und wer eine
Hypothek aufnimmt, weiß nur selten,
was sich im Kleingedruckten noch an unliebsamen
Überraschungen verstecken
mag. Die Folgen mangelnden Durchblicks
zeigen sich erst später, lange nachdem
der Vertrag unterzeichnet wurde. Und
gehen dann richtig ins Geld.

Selbst schuld? Das ist eine legitime
Sichtweise, schließlich sind Erwachsene
am Werk, die sich informieren könnten,
was für sie am sinnvollsten ist. Und erst
dann entscheiden.

Anzeige

An diesem Punkt setzen Richard Thaler
und Cass Sunstein ein, mit „Ja, aber“.
Ja, grundsätzlich richtig. Aber leider sind
die meisten Menschen überfordert, bei
selten auftauchenden Konstellationen
die richtige Entscheidung zu fällen. Die
beiden US-Forscher von der University of
Chicago machen das an einem simplen
Beispiel fest: Jeder wisse, ob er Erdbeeroder
Vanilleeis lieber mag – weil er beides
mehrfach probiert hat. Aber wie sieht
es mit der richtigen Altersvorsorge aus,
der passenden Krankenversicherung?
Solche Entscheidungen werden nicht alle
halbe Jahre überprüft. Im schlimmsten
Fall stellt sich nach Jahrzehnten heraus:
falsche Wahl.

Thaler und Sunstein plädieren deshalb
dafür, den Menschen einen „Nudge“ zu
versetzen – einen Stupser. Ihnen zu helfen,
die für sie richtige Wahl zu treffen.
Ohne sie zu bevormunden oder ihnen
etwas
vorzuschreiben, das machen Thaler
und Sunstein klar. Es geht darum,
Menschen eine Chance zu geben, für sich
das Beste auszuwählen.

Dabei können Nudges helfen. Weil der
Mensch eben kein „Econ“ ist – ein rational
denkender und handelnder Homo
oeconomicus –, sondern ein „Human“
mit Vorlieben und Vorurteilen, mit einer
Abneigung gegenüber Verlust und nicht
zuletzt mit einer gewissen Trägheit, was
Entscheidungen angeht. „Man darf niemals
die Macht der Trägheit unterschätzen“,
schreiben Thaler und Sunstein und
fügen an: „Diese Macht kann man gezielt
nutzen.“ Indem Vorgaben so gewählt
werden, dass sie die Menschen in eine
sinnvolle Richtung lenken. Weil einkalkuliert
wird, dass Menschen beispielsweise
nicht unbedingt heute auf Genuss
verzichten, weil sie übermorgen dafür
belohnt werden.

Das gilt im Privatleben, das gilt in der
Wirtschaft, und das gilt vor allem auf dem
politischen Feld, das von Thaler und Sunstein
entsprechend breit beackert wird.
Mit vielen Beispielen hilft „Nudge“ zu
verstehen,
warum Menschen mitunter so
erschreckend irrational sind – und wie
sich dieser Wesenszug nutzen lässt, ohne
ihnen zu schaden.

Daten zum Buch
Titel: Nudge – Wie man kluge Entscheidungen anstößt
Autoren: Richard Thaler und Cass Sunstein
Verlag: Econ, 432 Seiten
Preis: 22,90 Euro

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...