Diverses Richtig Finanzieren: Welche Möglichkeiten es gibt

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Kredit aufnehmen? Den Börsengang wagen? Oder doch lieber einen Teilhaber mit an Bord nehmen? Für mittelständische Unternehmen gibt es nicht nur viele Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Es geht vor allem auch darum, die richtige Lösung für das eigene Unternehmen zu finden. Wie Firmen an Geld kommen - impulse gibt einen Überblick über die verschiedenen Finanzierungsformen.

Geld auf Zeit – der Kredit – ist die wichtigste Fremdkapital-Quelle für den Mittelstand. Bis zum Ende der Laufzeit zahlt der Gläubiger es zurück, dafür sind Zinsen fällig. Es gibt die unterschiedlichsten Varianten: tilgungs- oder endfällige Darlehen mit variablen oder festen Zinssätzen. Banken bieten Investitionskredite an, finanzieren aber auch das Umlaufvermögen – meist über Kreditlinien.

Der Kredit im Detail

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Die Anbieter

Kredite gehören zum Basisangebot jeder Geschäftsbank. Es gibt drei Arten von Anbietern: Private (www.banken-verband.de), genossenschaftliche (www.bvr.de) und öffentlich-rechtliche Banken (www.voeb.de). Dazu kommen Spezialbanken und immer mehr ausländische Anbieter. Die kleinen und mittleren Unternehmen sind überwiegend Kunden bei den öffentlich-rechtlichen Sparkassen und bei Genossenschaften.

Die Kosten:

Deutschlands Mittelstand blieb lange von der Kreditkrise verschont. Doch jetzt deutet viel darauf hin, dass Kredite knapper und teurer werden. Die Bankzinsen sind im zweiten Quartal 2008 deutlich angezogen, Banken urteilen strenger bei der Bewertung von Unternehmens-Ratings.

Das Fazit:

Kredite bleiben das wich¬tigste Finanzierungsinstrument für den Mittelstand. Sie dürften in Folge der weltweiten Bankenkrise aber schwerer zu bekommen sein.

2. Leasing

Leasing ist eine spezielle Form der Vermietung. Anders als im klassischen Mietverhältnis überlässt der Leasing-Geber seinem Kunden nicht nur die Nutzung eines Guts. Auch Pflichten wie Wartung oder Reparaturen werden je nach Vertragsart übertragen. Leasing-Geschäfte laufen meist indirekt, zwischen dem Hersteller und dem Verwender steht eine Leasing-Gesellschaft. Leasing ist in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Geldquellen deutscher Unternehmen geworden.

Die Anbieter:

Im Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) sind rund 200 Unternehmen Mitglied. Der Verband deckt damit etwa 90 Prozent des Leasing-Marktvolumens in Deutschland ab (www.leasing-verband.de). Neben den international tätigen Gesellschaften gibt es mittelständische Anbieter, einige sind auf besondere Objektgruppen spezialisiert.

Die Kosten:

Leasing ist gerade wieder stark gewachsen. Aber für viele Leasinggeber wird die Refinanzierung nun teurer – und dann wirkt sich die Kreditkrise indirekt auch auf die Leasing-Raten aus.

Das Fazit:

Das aktuelle Mittelstandsbarometer der Unternehmensberatung Ernst & Young zeigt, dass einige Unternehmen verstärkt auf Leasing setzen wollen. Eine Befragung ergibt: 15 Prozent der Unternehmen setzen 2009 auf Finanzierungen wie Leasing.

3. Mezzanine

Mezzanine heißt Zwischengeschoss und bezeichnet eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Darunter fallen etwa stille Beteiligungen, Genussrechte, Anleihen und bestimmte partiarische Darlehen. Mezzanine-Kapital finanziert meist Wachstum. Oft wird ein Mindestumsatz ab 500.000 Euro gefordert. Die Transaktionskosten sind höher als beim Kredit, dafür wird Mezzanine-Kapital dem Eigenkapital zugerechnet.

Die Anbieter:

Vorwiegend die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer wie der Münchner BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH. Daneben gibt es Mezzanine-Fonds angelsächsischer Herkunft. Einen ersten Überblick über wichtige Anbieter gibt der Unter¬nehmensberater Guido Bruch (www.mezzanine-bericht.de).

Die Kosten:

Mezzanine-Finanzierungen sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Jetzt aber sieht die Unternehmensberatung Ernst & Young erhebliche Risiken für mittelständische Unternehmen, was die Tilgung und Anschlussfinanzierung angeht. Die Kosten dürften steigen, zudem bleibt Mezzanine-Kapital weiterhin eher für größere Unternehmen interessant, schätzt IW-Direktor Hüther.

Das Fazit:

Der Einsatz von Mezzanine-Kapital kann noch etwas wachsen. Kleinere Unternehmen haben aber kaum Zugriff darauf.

4. Börsengang

Unternehmen bieten ihre Aktien auf dem Kapitalmarkt an. So können sie Investitionen und Wachstum finanzieren. Zudem steigt das Eigenkapital und kann flexibel weiter erhöht werden, indem das Unternehmen weitere Anteile ausgibt. Am interessantesten für den Mittelstand sind der amtliche Handel und der sogenannte geregelte Markt, bei dem die Zugangsbedingungen weniger streng sind. Das Unternehmen muss außerdem zwischen verschiedenen Aktiengattungen wählen.

Die Anbieter:

Bei der Organisation eines Börsengangs helfen in der Regel Investmentbanken. Vor dem Börsengang muss das Unternehmen außerdem sorgfältig bewertet werden. Über die Möglichkeiten und Abläufe eines Börsengangs informiert das Deutsche Aktieninstitut (www.dai.de) als Verband der Unternehmen und Institutionen, die sich am deutschen Kapitalmarkt engagieren.

Die Kosten:

Die Finanzmarktkrise macht Anleger vorsichtiger. Das macht es für die Unternehmen schwieriger, bei einem Börsengang gute Preise zu erzielen.

Das Fazit:

Börsengänge sind im Mittelstand noch selten, kommen aber laut Zahlen von Ernst & Young für immer mehr Mittelständler in Frage. Zum Massenphänomen dürfte das dennoch nicht werden – die strengen Regeln zur Offenheit schrecken viele Unternehmen ab.

5. Beteiligungskapital – so wirkt sich die Bankenkrise aus

Als privat gilt Eigenkapital, wenn es nicht an der Börse aufgenommen wird. Stattdessen beteiligen sich private oder institutionelle Anleger. Beteiligungsgesellschaften geben Geld und fordern Mitspracherechte. Dafür verbessert sich die Bilanz und damit auch das Rating des Unternehmens, wodurch es leichter an Kredite kommt. Einige Private-Equity-Firmen (PE) erwarten für die Zeit ihrer Beteiligung meist extrem hohe Rendi¬ten. Langfristige Beteiligungen sind oft realistischer.

Die Anbieter:

Private-Equity-Investoren investieren in stabile Unternehmen. Risikokapitalgesellschaften haben sich auf junge Unternehmen mit höherem Risiko spezialisiert. Über 320 Beteiligungsgesellschaften sind Mitglied im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (www.bvkap.de)

Die Kosten:

Im ersten Halbjahr 2008 haben die Investitionen mit PE in Deutschland einen Rekordwert von 3575 Millionen Euro Eigenkapital erreicht. Die allgemeinen Turbulenzen gehen aber auch an den Beteiligungsgesellschaften nicht spurlos vorbei. Die Konditionen könnten sich verschärfen.

Das Fazit:

Privates Eigenkapital ist für kleine und mittlere Unternehmen keine wichtige Finanzquelle. Zwar zeigen einige Unternehmen verstärkt Interesse, für ein starkes Wachstum dürfte es aber nicht reichen.

6. Factoring

Factoring ist der Verkauf von Forderungen an Dritte. Der Factoring-Anbieter zahlt die offenen Rechnungen abzüglich einer Provision sofort ans Unternehmen aus. Je nach Vereinbarung schreibt der Factor Mahnungen und übernimmt das Risiko, sollte der Schuldner nicht zahlen. Unternehmen können ihre Bilanzstruktur durch Factoring verbessern, weil offene Posten in Liquidität verwandelt werden. Der Markt ist Anfang 2008 um fast ein Viertel gewachsen, vor allem das Exportgeschäft nahm zu.

Die Anbieter:

Im Deutschen Factoring-Verband (www.factoring.de) haben sich überwiegend große Gesellschaften zusammengeschlossen. Die 24 Mitglieder machen nach Verbandsschätzungen über 95 Prozent des Markts aus. Der Bundesverband Factoring (www.bundesverband-factoring.de) vertritt die kleineren Anbieter, die mit dem kleinen und mittleren Mittelstand Geschäfte machen. Sie kaufen Forderungen von Unternehmen mit einer jährlichen Umsatzgröße ab 250 000 Euro.

Die Kosten:

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten treffen nach Meinung von Experten alle Finanzierungsformen. Durch die Kreditkrise dürfte also auch das Factoring teurer werden.

Das Fazit:

Factoring ist bereits stark gewachsen. Das Instrument ist weiterhin geeignet zur schnellen Liquiditätsbeschaffung.

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