Diverses Robert Jacobi – Die Goodwill-Gesellschaft

Spender und Mäzene: Die deutsche Wohltäterindustrie bedarf der Professionalisierung, schreibt Robert Jacobi und zeigt, wie es geht.

Von wegen jeden Tag eine gute Tat: Nicht nur eine, gleich drei Stiftungen werden hierzulande täglich gegründet. 16?406 sind es derzeit – ein Rekordwert. Und das Stiftungsfieber steigt weiter. Trotz oder gerade wegen der Krise scheint zu gelten: Geben ist in. Manchmal sogar in ganz großem Stil: Wer die Tabelle der Ersten Fußballbundesliga studiert, findet dort seit 2008 auch den TSG 1899 Hoffenheim – einen Klub, der ohne die Zuwendungen von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp wahrscheinlich immer noch in der Kreisliga kicken würde.

Von solchen wenigen Beispielen abgesehen spielen Deutschlands Wohltäter allerdings immer noch in der Amateurklasse, urteilt Autor Jacobi – gerade im Vergleich mit der Spendersupermacht USA, die Giganten wie Bill Gates vorzuweisen hat. Um aufzuholen, bedürfe die hiesige Charity-Industrie dringend der „Professionalisierung“, nur so könne Verantwortungsgefühl auch in wirkungsvolles Handeln umgesetzt werden.

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Schritt für Schritt ins Gönnertum

Jacobi leitet den Leser Schritt für Schritt ins professionelle Gönnertum: Wo kann investiert werden? Wie lässt sich der Erfolg messen? Welche Strategien führen zum Ziel? Diese Ratgeberelemente werden ergänzt durch Erfolgsberichte von großen Spendern wie zum Beispiel Arend Oetker oder Michael Otto.

Doch Jacobi schlägt auch scharfe Töne an, etwa wenn es um darum geht, wie undurchschaubar viele Organisationen immer noch agieren. „Es gibt schlichtweg keine Transparenz“, lautet seine Diagnose. Wofür Geld ausgegeben und was damit erreicht wurde, sei für die Öffentlichkeit oft nicht nachvollziehbar. Als Beispiel nennt er die Verhältnisse bei der Kinderkrebsstiftung von Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz: Die Organisation gab zeitweise die Hälfte aller Spendeneinnahmen dafür aus, weitere Spendenwerbebriefe zu verschicken.

Vorbildliche Wohltätigkeitsplattformen

Als vorbildlich lobt Jacobi Wohltätigkeitsplattformen im Netz wie Betterplace.org: Wer an eine der hier vertretenen Organisationen per Mausklick spendet, erhält nach wenigen Tagen eine persönliche E-Mail, die über den konkreten Fortgang des Hilfsprojekts berichtet. Das Urteil des Journalisten: „Mehr Transparenz geht nicht.“

Jacobi denkt weitgehend betriebswirtschaftlich: Wie lässt sich mit vorhandenen Mitteln ein maximaler Effekt erzielen? Er zeigt auf, dass es wenig bringt, die Leistung einer Wohltätigkeitsorganisation ausschließlich nach ihren Verwaltungskosten zu beurteilen, und welche Vorteile sich ergäben, wenn sich mehr Stiftungen zusammenschlössen. Diese Analysen sind nüchtern und verzichten auf den sonst so verbreiteten Zeigefinger – abgesehen von einer leichten Kapitalismuskritik, ohne die wohl kein Wirtschaftsbuch im Zeitalter „nach Lehman“ auskommt. Fazit: „Die Goodwill-Gesellschaft“ hilft, dass aus gut gewollt auch gut gemacht wird.

Die Goodwill-Gesellschaft – Die unsichtbare Welt der Stifter, Spender und Mäzene

Autor: Robert Jacobi

Verlag: Murrmann

Preis: 24,90 Euro

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