Diverses Rote Fahne über dem Weißen Haus

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse© Rudolf Wichert

Großangelegte Rettungsaktion: Um die von der Kreditkrise betroffenen Banken finanziell zu entlasten, kauft die US-Regierung ihnen alle riskanten Papiere ab. Für impulse-Redakteur Alexander Mayerhöfer ist das ein falsches Signal - und der Rettungsplan die größte Resozialisierung unternehmerischer Dummheit.

Es ist wohl doch kein Zufall, dass es nicht nur in Washington ein Weißes Haus gibt. Das berühmte Pendant steht an der Moskwa, im Herzen Russlands. Jahrelang Sitz des Obersten Sowjets der Russischen Sowjetrepublik, rund 8000 Kilometer von Washington entfernt – und doch so nah. Denn das, was die eigentlich dem Kapitalismus zugeneigte US-Regierung jetzt zur Lösung der Bankenkrise planen soll, hätte auch die Kommunisten in Moskau früher mit Stolz erfüllt.

Der Staat, so die angeblichen Überlegungen der noch amtierenden Bush-Regierung, soll in einer eigenen Gesellschaft die riskanten Papiere der betroffenen Banken und Versicherungen übernehmen – sprich: Der Staat bekommt die „faulen Kredite“ und versorgt die Institute mit frischem (Steuer-)Geld, damit die wieder befreit von den Altlasten agieren können. Gilt Kapitalismus nur, wenn die Sonne scheint? Wenn das Bush-Programm umgesetzt wird, dürfte die Aktion wohl in die Geschichte eingehen als die größte Resozialisierung unternehmerischer Dummheit. Es waren keine verheerenden Wirbelstürme, keine Überschwemmungen, Anschläge oder Krisen, die das Bankensystem der USA an den Rand des Ruins getrieben haben. Die Geldhäuser haben Menschen Kredite gegeben, die sich das gar nicht leisten konnten, viele von ihnen hatten noch nicht einmal reguläre Jobs. Dass die Börse den Plan jetzt begeistert aufnimmt, ist kein Beleg für dessen Richtigkeit. Die meisten Händler haben zuvor diejenigen hochgejubelt, die den Zusammenbruch maßgeblich zu verantworten haben.

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Die USA, deren unternehmerischer Erfolg noch immer die Weltwirtschaft bestimmt, haben die Lektionen der jüngsten Vergangenheit schon wieder vergessen. Nach den Unternehmenspleiten von Enron bis Worldcom sollte die Verantwortung der Firmen besser geregelt werden. Nichts davon ist übrig geblieben. Jetzt heißt es in Washington: Der Staat werde die faulen Kredite ja nur solange in den eigenen Büchern halten, bis die Kreditnehmer wieder bei Kasse sind. Angesichts solch trüber Zukunftsaussichten wäre es nicht erstaunlich, wenn Obama und McCain freiwillig ihren Wahlkampf einstellen und auf das Präsidentenamt verzichten.

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