Diverses Roter Teppich für kleine Firmen

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur© Michael Dannenmann

Der mittägliche Kommentar auf impulse.de zu aktuellen Themen rund um den Mittelstand. Heute: Gerd Kühlhorn, stellvertretender Chefredakteur, zur Arbeitsplatzbilanz in Deutschland, die allein wegen der kleinen und mittleren Unternehmen positiv ausfällt.

Die verblüffendste Schlagzeile des bisherigen Jahres liefert heute die Titelseite der FAZ: „In der Wirtschaft werden mehr Stellen gestrichen als neu geschaffen“, heißt es auf Seite eins. Und zum gleichen Beitrag steht in der Überschrift das Zitat des Bundeswirtschaftsministers: „(Deutschland) auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung“. Auch wenn dies nicht zusammenpassen will – tatsächlich sind beide Aussagen richtig.

Die „FAZ“-Kollegen haben recherchiert, welche Firmen in diesem Jahr Jobs neu schaffen oder abbauen. Ergebnis: 23.000 Stellen entstehen, aber 400.000 werden abgebaut – bei den Großunternehmen. Dass die Arbeitsplatzbilanz der gesamten Wirtschaft wohl auch 2008 positiv aufgehen wird, ist indes allein den kleinen und mittleren Firmen zu verdanken. Sie haben in den vergangenen drei Jahren 1,6 Millionen neuer Jobs geschaffen – 1.400 täglich. Jobmotor Mittelstand – er funktioniert, und jeder Politiker in Berlin biedert sich ihm an. Doch dann, wenn die gleichen Politiker sich für die Interessen der Chefs kleiner und mittlerer Firmen stark machen sollen – sei es bei der Unternehmensteuerreform, bei der Erbschaftssteuer, beim Dauerthema Bürokratie – ist von ihnen nicht mehr viel zu hören. Allenfalls noch der Hinweis, die mittelständische Wirtschaft sei kein Ansprechpartner, weil sie wegen einer Vielzahl von Verbänden nicht mit einer Stimme spreche. Ja bitte schön – wer muss denn hier auf wen zukommen?

Anzeige

Sollen über drei Millionen Selbständige sich krümmen und betteln, um Gehör zu finden? Oder wäre es jetzt nicht endlich an der Zeit, dass die Bundesregierung dem Mittelstand den roten Teppich ausrollt. Und ihn fragt: Wo sind Eure Probleme – wir lösen sie. Dieser Einsatz würde sich für die Politik und die ganze Republik hoch verzinsen. Kleine und mittlere Firmen brauchen nicht einmal drei Tage, um mehr neue Stellen zu schaffen als der finnische Konzern Nokia jetzt wegrationalisiert.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...