Diverses Rückzahlung in Sicht

Wer eine Hochschule besucht, sollte die Studienkosten absetzen. Mit besten Aussichten auf Erfolg.

Petra Schemionek kämpft um den vollen Steuerabzug ihrer Stu­dienkosten. Rund 6.400 Euro hatte die angehende Lehrerin für 2006 geltend gemacht.

Doch ihr Finanzamt lehnte ab, ebenso das Niedersächsische Finanzgericht. Begründung: Studienkosten seien von aktuell oder später erzielten Einkünften nur in engen Grenzen absetzbar.

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Jetzt aber verbucht die Studentin aus Lüchow-Dannenberg einen ersten Erfolg. Der Bundesfinanzhof (BFH), das oberste Steuergericht, hat die Revision gegen das Urteil aus Niedersachsen angenommen. Schemionek: „Ich bin ebenso gespannt wie zuversichtlich.“

Der Teilerfolg kommt allen Studenten zupass. Denn sie brauchen sich nicht länger mit dem Finanzamt zu streiten oder gar vor Gericht zu ziehen. Stattdessen können sie sich einfach an das BFH-Verfahren (Aktenzeichen VI R 14/07) anhängen. Heißt: Sie geben Jahr für Jahr eine Einkommensteuererklärung ab und tragen bei den „Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit“ sämtliche Ausgaben für das Studium als Werbungskosten ein. Dazu zählen zum Beispiel Fahrtkosten zur Uni, Studiengebühren, Fachliteratur, PC, Exkur­sionen, Repetitorium, Büromaterial und -möbel (auch ohne steuerlich anerkanntes“ Arbeitszimmer“zu Hause).

Selbstverständlich wird das Finanzamt den Steuerabzug ablehnen. „Kein Problem“, sagt Ralf Thesing. Der Steueranwalt aus Hannover begleitet Petra Schemionek vor Gericht. Sein Tipp für alle: „Gegen Steuerbescheide Einspruch einlegen, auf das BFH-Verfahren verweisen und das Finanzamt auffordern, über den Einspruch erst zu entscheiden, wenn das Urteil aus München vorliegt.“

Verluste bunkern

Lange Zeit ging gar nichts. Studium sei Allgemeinbildung, befanden die Steuerrichter immer wieder, die Ausgaben dafür seien deshalb Privat­sache. Das änderte sich ab 2002. In mehreren Entscheidungen akzeptierte der BFH die Kosten eines Erststudiums als „vorweggenommene Werbungskosten“ (impulse 4/2003).

Das beschert zwei Vorteile: Die Ausgaben sind in voller Höhe absetzbar. Sie müssen nur nachgewiesen und vom Studenten selbst getragen werden. Das Geld darf aber ohne Weiteres von den Eltern oder Großeltern stammen.

Bezieht ein Student nun weder Lohn noch Gehalt, produziert er bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit rote Zahlen. Die darf er mit anderen Einkünften (etwa Miet- oder Kapitalerträgen) desselben Jahres Steuer sparend verrechnen. Und wer das mangels Einnahmen nicht kann, sammelt über Jahre jede Menge Verluste an. Die gleicht er später aus, etwa mit dem ersten Jahresgehalt.

Weil so verlustreich ins Berufs­leben startende Akademiker die Staats­kasse teuer zu stehen kämen, zog Berlin schnell die Notbremse. Seit 2004 sind Studienkosten nur noch bis 4.000 Euro pro Jahr absetzbar – und zwar als „Sonderausgaben“.

Folge: Ein Abzug funktioniert nur bei jährlichen Einkünften über dem Grundfreibetrag von 7.664 Euro (Verheira­tete: 15 .329 Euro). Rote Zahlen lassen sich so nicht mehr ansammeln.
Gegen diese Gesetzesänderung wehrt sich Studentin Schemionek – mit Unterstützung vom Bund der Steuerzahler. Präsident Karl-Heinz Däke schätzt die Erfolgsaussichten außerordentlich hoch ein. Denn: „Wer Einkommen besteuert, muss die dafür notwendigen Ausgaben auch voll zum Abzug zulassen.“

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