Diverses SAP knickt nach Kundenprotest ein

Der Protest der Mittelständler gegen Preiserhöhungen bei SAP zeigt Wirkung: Der Walldorfer Softwarekonzern nimmt zumindest die Kündigungen der Wartungsverträge in Deutschland und Österreich zurück. Das Unternehmen sieht offenbar ein, dass es Vertrauen verspielt hat.

„Viele Kunden haben die Kündigungen als Bruch der vertrauensvollen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit aufgefasst“, sagte Deutschland-Geschäftsführer Volker Merk am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Die flächendeckende Kündigung der Wartungsverträge bestehender Kunden in Deutschland und Österreich werde zurückgenommen. Die Anwender in Deutschland und Österreich könnten künftig frei wählen, ob sie ab 2009 eine bestehende Standard-Wartung fortführen oder auf den teueren Enterprise-Support wechseln wollen. Damit sind hiesige Unternehmen wieder ausländischen Kunden gleichgestellt. SAP hatte alle Verträge mit der günstigeren Wartungsvariante zum Jahresende gekündigt.

SAP hatte Mitte des Jahres 50 bis 60 Prozent der Kunden in Deutschland und Österreich die Verträge für Standardwartung zum Jahresende gekündigt und mitgeteilt, die Wartungsgebühr von jährlich 17 Prozent des Lizenzpreises auf 22 Prozent bis 2012 zu erhöhen. Dies wurde mit besseren Leistungen begründet. Die Wartungsverträge, der sogenannte Support, trägt gut ein Drittel zum SAP-Umsatz bei. Den Bestandskunden wurde damit zwangsweise der teurere Vertrag verordnet.

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Knapp 100 Mittelständler hatten sich verbündet, um sich gegen die zwangsweise Anhebung der Wartungsgebühren zur wehren. Unter den Beschwerdeführern waren Bitburger, Gerolsteiner, Krones, Miele und Villeroy & Boch. Ziel der Aktion war, gegen die „unverantwortliche und in keinster Weise gerechtfertigte Unternehmenspolitik“ SAPs vorzugehen, hieß es in einer Einladung der Unternehmen zu einer Pressekonferenz. Der geplanten Protestveranstaltung am Mittwoch in Düsseldorf ist SAP nun mit seinem Einlenken zuvor gekommen.

Mit der ursprünglichen Vertragsänderung wollte SAP mit dem Konkurrenten Oracle gleichziehen, der seinen Kunden für die Software-Wartung ebenso viel abverlangt. Finanzvorstand Werner Brandt hatte sich von den Mehreinnahmen eine Verbesserung der Gewinnmarge versprochen.

Wechsel des Anbieters fast unmöglich

Neuen Kunden hatte SAP bereits seit Anfang 2008 den teureren Vertrag aufgezwungen. Die Gebühren für die Standard-Wartung sollen nach SAP-Angaben ab 2010 in einem deutlichen Schritt erhöht werden – was aber nicht alle Alt-Verträge ohne weiteres zulassen. SAP hatte die Preiserhöhung mit einem verbesserten Service begründet und den Kunden eine Betreuung rund um die Uhr zugesichert. Ein Viertel aller Kunden habe bereits Verträge über den teureren Service unterzeichnet, sagte SAP-Manager Merk.

Doch mit der Kehrtwende will SAP den Mittelstand bei der Stange halten. Denn der Großteil der 28.000 Kunden in Deutschland stammt aus diesem Segment, in dem der Konzern mit einer neuen Software noch stärker Fuß fassen will. 2007 hatte SAP mehr als ein Drittel des Umsatzes von insgesamt 10,2 Milliarden Euro mit der Wartung von Software seiner weltweit knapp 48.000 Kunden erwirtschaftet. Angesichts des zunehmend schwankenden Software-Lizenzgeschäfts ist SAP auf Wartungserlöse angewiesen.

Trotz des öffentlichen Protests waren den widerspenstigen Mittelstandskunden bei den Wartungskosten faktisch die Hände gebunden, da sie auf eine einwandfrei laufende Software zur Steuerung von Einkauf, Personal, Absatz und Strategie angewiesen sind. Bei der Wartung werden Fehler ausgemerzt und gesetzliche Änderungen eingearbeitet. Ein schneller Wechsel des Anbieters – etwa zu Oracle, Microsoft, Sage oder Infor – ist für Firmen mit Hunderten Beschäftigten und Niederlassungen im Ausland nahezu unmöglich.

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