Diverses Schiere Arroganz statt guter Gouvernanz

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Das eklatante Versagen der Unternehmensführung und -kontrolle bei Siemens hat auch ihr Gutes. Sie räumt endlich mit der Mär auf, deutsche Großunternehmen würden um so viel professioneller gelenkt als Firmen in Familienhand.

Das Gegenteil ist der Fall: Der überwiegende Teil der großen deutschen Familienunternehmen hat sich längst und ohne viel Aufhebens eine zuverlässige Corporate-Governance-Struktur für ihre Firmen zugelegt, allen voran etwa Haniel, Henkel, Heraeus oder Miele. So zu der Frage, ob und unter welchen Bedingungen Clan-Mitglieder in dem Un­ternehmen tätig sein dürfen. Oder wie trotz häufig widerstreitender Interessen der einzelnen Stämme die Handlungs­fähigkeit der Firma zu jeder Zeit ge­sichert ist. Und die Akteure nehmen dies sehr ernst, wie beispielsweise Franz M. Haniel im impulse-Interview („Der Einzelne hat sich unterzuordnen“) berichtet.

In der Welt der Konzerne hin­gegen setzt man eine hochkarätig besetzte Corporate Governance Kommission ein. Deren Mitglieder lassen keine Gelegenheit aus, ihre Fortschritte möglichst öffentlichkeitswirksam zu preisen. Nur: Selbst die Protagonisten der Kommission halten sich nicht an die von ihnen aufgestellten Regeln der guten Unternehmensführung.

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Allen voran der Vorsitzende und jetzige Siemens-Saubermann Gerhard Cromme. So fordert seine Kommission mit Nachdruck, dass scheidende Vorstandsvorsitzende nicht nahtlos in den Aufsichtsrat desselben Unternehmens wechseln sollten. Was macht er selbst? Der Ex-ThyssenKrupp-Boss krallt sich den Aufsichtsratsvorsitz bei genau diesem Unternehmen. Seine Kommission prangert lautstark Vorzugsstimmrechte und Besitzstände in Aufsichtsräten an. Was macht Cromme? Er drückt bei Thyssen-Krupp durch, dass die Krupp-Stiftung unabhängig von ihrem tatsächlichen Aktienanteil drei Mandate im Aufsichtsrat hat.

Zudem ließ Cromme bisher kaum eine Gelegenheit aus, von anderen Konzernchefs absolute Transparenz, Klarheit und Wahrheit in der Unternehmensführung zu fordern. Und wie hält er es selbst damit? Beim Sturz von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld bezog sich Cromme expressis verbis auf Forderungen seitens der US-Kapitalmarktbehörden. Forderungen, die es – zumindest in dieser Form – wohl nie gegeben hat.

Misst man die Corporate Governance Kommission und deren Mitglieder an ihren Taten, so ist das, was seit deren Gründung im September 2001 erreicht wurde, mehr als lamentabel. Ob der Siemens-Skandal die Wende zum Besseren oder zum noch Schlechteren bedeutet? Die nächsten Monate werden es zeigen.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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