Diverses Schlankheitskur am Arbeitsplatz

Thin Clients - oder warum Mitarbeiter schon bald mit kleineren Computern auskommen werden.

Es ist schon ein gekonnter Kniff: Server laufen nicht mehr als teure, wartungs- und stromhungrige Computer, sondern als Programm, das dem Netz die Serverdienste ebenso zur Verfügung stellt wie ein eigens dafür betriebener Rechner. Was das bringt? Man braucht weniger Hardeware-Server, der virtuelle Server via Programm verursacht weniger Betriebskosten als ein Hardware-Server und ist leichter zu warten. Serverprobleme oder gar Absturz? Vergessen der Ärger mit zeitraubendem Runterfahren und Neustart – das abgestürzte Programm, das im Netztheater den Server gibt, wird einfach neu gestartet, fertig.

Was bei den Servern klappt, funktioniert auch bei den Arbeitsplatzrechnern: Statt jedem Mitarbeiter einen fetten Rechner hinzustellen mit allem Dran und Drauf, bekommt er einen Thin Client, also einen schlanken Arbeitsplatzrechner, der alles übers Netz abruft, was der Mitarbeiter benötigt. Zu allererst natürlich den eigenen Desktop nebst Programmen und Daten. Desktop-as-a-Service (Daas) sagen die Fachleute dazu. Dabei läuft die komplette Desktop-Software auf einem zentralen Server und stellt das jeweilige Mitarbeiter-Desktop dem Client-Rechner als eigenes Fenster zur Verfügung. Auch Notebooks und Windows-Netbooks lassen sich so versorgen. Nach Jahren des Programmwildwuchses auf den Arbeitsplatzrechnern steckt in dieser Form der Software-Zentralisierung hohes Sparpotenzial. Bevor das allerdings in großem Stil abgerufen werden kann, müssen Unternehmen erst einmal alle ihre Arbeitsplatzrechner in den Managementgriff bekommen.

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Mindestens um ein Drittel billiger

Schon 2012 sollen dem Marktanalysten Gartner zufolge 20 Millionen Thin Clients weltweit im Einsatz sein. An virtualisierten Desktops, die gemäß dem DaaS-Prinzip arbeiten, wäre dabei der meiste Bedarf, mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 45 Prozent. Die aktuelle wirtschaftliche Situation gibt einem schlanken, kostensparenden Client-Einsatz zusätzlichen Reiz.

DaaS bringt nach Angaben des Fraunhofer Instituts je nach Gerätezahl Einsparungen von 30 Prozent und mehr. Die Bündelung sämtlicher Desktop-Software auf den Servern macht dabei einen Teil der Einsparungen aus. Überdies nutzen virtualisierte Clients die zentralen Server-Ressourcen besonders effizient, was wiederum sparen hilft. „Weitere Einsparungen entstehen dadurch, dass mit DaaS der Softwarewildwuchs auf den Clients nachhaltig gestutzt wird“, erklärt Mathias Hein, freier IT-Berater in Neuburg an der Donau. „Die Unternehmen sind nicht mehr wie bei Fat Clients mit hohen Administrationsaufwendungen – Programminventarisierung, -bereitstellung, -pflege- und -absicherung – konfrontiert.“ Schließlich ersparen virtualisierte Desktops es den Unternehmen, immer wieder teure PCs nachkaufen zu müssen. „Selbst PCs, die ihr Abschreibungsende schon lange hinter sich haben, können als Fenster zu den zentralen Desktop-Programmen problemlos weiter Dienst tun“, sagt Hein.

Kritische Übergangsphase

Wer dabei im Sparrausch sein Augenmerk ausschließlich auf virtuelle Desktops richtet, leistet jedoch nur halbe Arbeit. Auf dem Weg zum durchvirtualisierten System müssen im Unternehmen sämtliche Desktops – die Fat Clients, Terminal Server-gebundene Thin Clients und virtuellen Clients – gemanagt werden. „Diese unterschiedlichen Endgeräte-Kulturen müssen die Unternehmen über entsprechende Managementwerkzeuge in den Griff bekommen“, erläutert Uwe Scariot, bei Materna. Dass dies kein Pappenstiel ist, macht er gleich mit deutlich: „Der Management-Werkzeugkasten der Wahl muss parallel die klassische Software-Bereitstellung, die Software-Bestückung von Terminal Servern sowie die Zuweisung veröffentlichter Programme an die virtuellen Desktops beherrschen.“ Dabei geht es nicht nur um die originären Programme, die die Mitarbeiter zum Arbeiten brauchen. „Windows-Profile mit den Netzlaufwerken und Druckern müssen über alle Endgeräte hinweg gemanagt werden, ebenso wie die in den Arbeitsplatzrechnern verbauten USB-Schnittstellen, CD- und DVD-Brenner“, sagt Scariot.

Wichtig ist, das komplette Desktop-Management aus IT-Service-Sicht aufzuziehen, um so bei der Inventarisierung sämtlicher Hard- und Software nie den Überblick zu verlieren. Eine so genannte Configuration Management Data Base (CMDB) im Herzen des Endgeräte-Managementsystems sollte dafür alle Objekte, ihre Konfigurationen und Zuordnungen untereinander festhalten. „Nur unter dieser Voraussetzung kann ein transparentes und fehlerfreies Management über alle Endgeräte gewährleistet werden“, sagt Scariot. Auch das Lizenzmanagement über alle Endgeräte kann über die CMDB übersichtlich und wirtschaftlich abgewickelt werden, nämlich dann, wenn darin die Informationen zur Software-Nutzung mitgeführt werden.

Teuere Managementprogramme

Allerdings haben Desktop-Managementsysteme dieses Kalibers ihren Preis. IT-Berater Hein rät deshalb den Unternehmen, die mit DaaS liebäugeln, die darüber erreichbaren Einsparungen den Investitionen, Projektkosten ins Desktop-Management und Kosten für neue Software-Lizenzen gegenüberzustellen. Als Vergleichszeitraum für diese Kalkulation empfiehlt er drei Jahre. Nach Hein steht außer Frage, wohin für die Unternehmen der Trend geht: „hin zu wirtschaftlicheren, virtualisierten Desktops – auch wenn die zu tätigenden Investitionen und Aufwendungen die erhofften Einsparungen vorerst fast aufzehren können.“ Später, bei einer ausgeprägten DaaS-Landschaft und weniger komplexen Managementwerkzeugen, verspricht Hein, würden die Einsparungen dann um so höher ausfallen.

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