Diverses „Schnee und Eis bis zur letzten Konsequenz“

Seit längerem schon wollte Andreas Wierse an einem Fahrertraining teilnehmen - jetzt hat es endlich geklappt. Mit BMW war der Unternehmer Anfang Januar in Schweden - um sein Fahrkönnen auf Eis und Schnee zu verbessern. Was er dort erlebt hat, berichtet er exklusiv für impulse.

Begonnen hatte alles mit einem Anruf von impulse, kurz vor Weihnachten: Gerd Kühlhorn, der Chefredakteur, eröffnete mir, ich habe den Hauptpreis gewonnen! Nicht nur ein Fahrertraining, sondern gleich mehrere und ich solle mich unverzüglich mit BMW zwecks Terminabstimmung in Verbindung setzen.

Dann ging es Schlag auf Schlag – und am 20. Januar saß ich schon im Flugzeug nach Oslo, um am ersten Highlight teilzunehmen: dem BMW-Fahrertraining in Anttila, auf einem zugefrorenen See, mit BMW M3 und X3. Ich hatte schon öfter mit so einem Training geliebäugelt, aber aus Zeitgründen bislang nicht zugeschlagen; eine ganze Woche zur eigenen Erbauung weg von Firma und Familie schien schwer vorstellbar. Aber nachdem ich es nun auf dem Silbertablett serviert bekommen hatte und diese Woche keine wirklich wichtigen Termine enthielt …

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Am ersten Morgen konnten wir es kaum erwarten, endlich in die Autos zu steigen. Aufgereiht standen vor dem Haupthaus fünf BMW M3, schon warmgelaufen, damit es gleich losgehen konnte. Nachdem wir uns paarweise auf die Autos aufgeteilt hatten, ging es Richtung See. Ich gestehe: mir war schon recht mulmig mit einem 420 PS und heckangetriebenen Auto auf einer festgefahrenen Schneedecke und Eis zu fahren; ich fahre sehr gerne im Winter, aber hier habe ich Gas, Bremse und Lenkung erst einmal sehr vorsichtig bedient (nicht auszudenken, wenn ich gleich am Anfang mit dem M3 irgendwo in den Graben gerutscht wäre!). Die Auffahrt auf den See gestaltete sich relativ unspektakulär: wir bogen von der Hauptstraße in einen kleinen Waldweg ab, der aber schon nach zwanzig Metern auf den See führte. Wie ich am vor mir fahrenden Instruktor sehen konnte, hielt das Eis.

Auf die richtige Position kommt es an

Mit DSC und der vorsichtigen Fahrweise ging es dann ein paar hundert Meter über das Eis. Bevor wir dann aber wirklich mit den Übungen auf dem Eis beginnen durften, erklärte uns Helmut erst einmal genau die richtige Sitzposition und Lenkradhaltung.

Ausgangspunkt hierbei ist die größtmögliche Kontrolle über das Lenkrad: Rallyefahrer sitzen sehr nah am Lenkrad, damit sie den besten Hebel haben. Mit ausgestreckten Armen kann man viel weniger schnell reagieren, als wenn diese deutlich angewinkelt sind (90 Grad und mehr). Dazu wird die Lehne noch relativ steil gestellt, damit man einen guten Rückenkontakt zum Sitz hat.

Der zweite Aspekt der Kontrolle ist die richtige Lenkradhaltung: Dass man das Lenkrad mit den Händen etwa bei drei und neun Uhr (wenn man das Lenkrad als Zifferblatt betrachtet) anfasst, wissen inzwischen viele. Was aber gerade bei den Übungen im Schnee wichtig ist, ist die genaue Kenntnis der Stellung der Räder. Der Trick besteht darin, die Hände immer auf drei beziehungsweise neun Uhr zu halten (als wären sie an dieser Stelle festgeklebt), solange bis es bei 180 Grad Drehung unbequem wird. Dann greift die unbequeme Hand einfach von unten über die andere Hand und von oben wieder an genau dieselbe Stelle – wenn man das Lenkrad wieder gerade vor sich hat, weiß man, dass man um 360 Grad gedreht hat. Das ganze braucht einiges an Übung, ich ertappte mich immer wieder bei der gewohnten „lockeren“ Lenkradhaltung; aber für eine gute Kontrolle ist diese Haltung sehr wichtig.

Rechts, links, rechts, links

Endlich ging es dann ans Fahren. Für die erste Übung war ein kleiner Slalomkurs aufgestellt: die Hütchen hatten vielleicht zehn bis 15 Meter Abstand und wir sollten einfach mal mit 30 km/h dazwischen durchfahren.

Besonderes Augenmerk lag hier auf der Blickführung: wer nur auf das nächste Hütchen schaut, läuft große Gefahr auch genau dorthin zufahren, sprich das Hütchen umzufahren. Diese Blickführung ist extrem wichtig, wenn es um Notsituationen geht: kommt man um die Kurve und die Straße vor einem ist plötzlich blockiert, darf man unter keinen Umständen auf das Hindernis schauen, sonst fährt man direkt drauf; vielmehr muss man sich angewöhnen, die Lücke zu suchen, also neben das Hindernis zu schauen.

Nachdem wir den Slalom erst einmal mit DSC, der Stabilitätskontrolle des M3, gefahren waren, haben wir das DSC ausgeschaltet. Jetzt mussten wir noch vorsichtiger mit den 420 Pferdchen umgehen, keine Elektronik kann uns vor durchdrehenden Rädern retten(da helfen auch die im Winter in Schweden üblichen Spikes nicht). Schon das Beschleunigen wurde zu einer kleinen Gratwanderung: bei zu viel Gas drehten die Räder einfach durch. Wenn ich stark übertrieb, fing das Auto an, hinten auszubrechen. Hier zeigte sich jetzt, wie wichtig die richtige Sitz- und Lenkradhaltung sind: wenn ich schnell reagieren kann, kann ich das Auto auch besser wieder einfangen.

Wir haben das optimale Bremsen sowie das gefühlvolle Beschleunigen mit und ohne die Stabi-litätskontrolle DSC geübt. Ich habe erfahren, wie schnell man im Ernstfall reagieren muss, um ein Auto in einer kritischen Situation wieder einzufangen (und, obwohl man wirklich sehr schnell sein muss, habe ich auch gelernt, dass es geht und dass auch ich das kann!). Langsame und schnelle Slaloms gehörten genauso zum Programm wie der schnelle Spurwechsel bei einem Tempo von mehr als 100 Stundenkilometer mit und ohne DSC (auf Eis!! Gut, die Autos haben Reifen mit Spikes, aber das macht es nicht viel einfacher). Insbesondere der doppelte Spurwechsel legte noch die letzten Schwächen der Teilnehmer bloß und erlaubte Helmut sie mit uns gemeinsam auszuräumen.

Und natürlich kam auch der Spaß nicht zu kurz: wir machten eine Ausfahrt mit dem X3 über ehemalige Rallye-Strecken, fuhren mit einem Rallye-Profi durch den Wald (der Weg war kaum breiter als das Auto und voller Eis und Schnee und doch ging es quer um fast jede Kurve!) und durften auch das Driften im Kreis üben: das heißt mit praktisch quer stehendem Auto im Kreis fahren. Auf einem abwechslungsreichen Handling-Parcour konnten wir am Schluss alles, was wir in den Tagen gelernt haben, so anwenden, dass wir spürten, wie viel von dem Gelernten uns auch auf der öffentlichen Straße helfen kann.

Fazit: Erfahrung und Spaß

Was bleibt nun von diesen vier Tagen auf dem Eis? Zunächst einmal das Gefühl eine ganze Menge gelernt zu haben: wo sonst kann man wirklich gefahrlos das Verhalten eines Autos bei Eis und Schnee bis zur letzten Konsequenz erkunden?

Mit nehme ich die Erkenntnis, dass ich mit entsprechender Übung viele Fahrsituationen beherrschen kann, die mir vorher sicher auch ein wenig Angst gemacht hätten. Wichtig ist allerdings auch, dass ich mir einen gesunden Respekt erhalte: dass ich es geübt habe, heißt noch lange nicht, dass ich es immer und unter allen Umständen perfekt beherrsche. Vielmehr ist mir klar geworden, dass das gewonnene Gefühl nur dann von Dauer sein kann, wenn ich regelmäßig übe; auch wenn der Kalender mir nicht jedes Jahr Zeit für ein Wintertraining in Schweden lässt!

Ach ja, und die Erinnerung an ein paar schöne Tage in Schweden und an viel Spaß; sowohl beim Autofahren als auch in der finnischen Rauchsauna, beim Icekartfahren und mit den Schneemobilen.

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