Diverses Schreit zum Himmel, bitte

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse© Rudolf Wichert

Es läuft etwas schief in den obersten Management-Etagen der Republik, findet Alexander Mayerhöfer, impulse-Ressortleiter Management. Denn: Nach VW und Siemens hat auch die Telekom offenbar ihre Affäre. Das Bonner Unternehmen soll die eigenen Manager bespitzelt haben - mit möglichen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland und den Mittelstand.

Das despektierliche Wortspiel vom Dobermann Obermann passte noch nie so gut: Vor allem Deutschlands Unternehmer dürften sich am heutigen Montag wünschen, dass der smarte Telekom-Chef René Obermann endlich die Zähne fletscht – und in seinem Laden aufräumt. Nicht an der Basis, sondern ganz oben. Es steht nicht der Ruf eines behäbigen ehemaligen Staatsbetriebs auf dem Spiel, der es scheinbar reglos hinnimmt, dass ihn Monat für Monat hunderttausende unzufriedene Kunden verlassen. Es geht langsam aber sicher um den Ruf unseres Landes. Verliert die Welt das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland und seine Elite, spürt das der Mittelstand sofort. Denn dann bleiben Aufträge aus.

Panikmache? Keineswegs. Oder glaubt wirklich noch jemand, unseren Geschäftspartnern in der EU, den USA oder in Asien sind Skandale wie bei VW, Siemens und jetzt noch der Telekom egal. Das färbt ab, auch wenn die Folgen erst langfristig weh tun. Was nützen all die Anstrengungen gut geführter Familienunternehmen, die sich seit Jahren für Corporate Governance stark machen? Was nützen all die Image-Offensiven im Ausland, all die Sonntagsreden, all die freundlichen Interviews? In der obersten Management-Etage der Republik gibt es zu wenig Aufrechte. Einige Vorstandsbüros sind in der jüngsten Vergangenheit anscheinend zu tugendfreien Zonen verkommen. Wundert es noch jemand, dass sich ein linker Heilsversprecher wie Lafontaine schon als (un)heimlicher Kanzler aufspielen kann.

Anzeige

Was die Unternehmer dagegen tun können, dass all das gesellschaftliche Vertrauen, das sie sich Tag für Tag im eigenen Betrieb verdienen, von einigen Konzernmanagern zerschlagen wird? Den Mund aufmachen, das ist das Einzige, was hilft. Noch lauter für gute Unternehmensführung eintreten, noch mehr Sonntagsreden halten, noch mehr Interviews geben. Schreit zum Himmel, bitte.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...