Diverses Sehen, Hören, Spielen

Noch geht eine klare Linie durch das Laptop-Angebot: entweder Arbeit oder Vergnügen. Was für Spiele und Multimedia-Spaß taugt, hält im Vielfliegerbetrieb nicht lange. Ein Business-Laptop hingegen lässt keine rechte Daddelfreude aufkommen. Doch neue Technik weicht die Grenzen auf.

Unterwegs arbeiten geht mit den heutigen Notebooks besser denn je. Aber auch nach Feierabend sind Notebooks gefragte Begleiter. Als mobile Entertainmentmaschinen bieten sie die ganze Palette aktueller Multimediaanwendungen. So kann man selbstverständlich auf heutigen Notebooks Musik abspielen – mit besserer Soundqualität und größerem Speicher als ihn Handys bieten, die ja standardmäßig längst ebenfalls mit MP3-Playern auf den Markt kommen. Dass der Klang der internen Notebook-Lautsprecher aber immer noch zu wünschen übrig lässt, haben auch die Hersteller erkannt. Auf der CeBit in Hannover haben jetzt die Laptopbauer Asus und MSI in Zusammenarbeit mit dem Hifi-Unternehmen Bang & Olufsen verbesserte Zusatzboxen angekündigt, die wie bei einem Fernseher rechts und links vom Display platziert sind. Wem das nicht reicht, der kann das angeblich kleinste Soundsystem der Welt namens „X-mini Happy“ in sein Gerät einstöpseln. Es misst nur sechs mal fünf Zentimeter und soll dank Vakuum-Technik endlich auch den sonst vernachlässigten Bassbereich hörbar machen.

Mit Blick aufs Bild setzen sich zurzeit Hochauflösung (HD) und Blu-Ray langsam durch, für das bestmögliche Heimkinoerlebnis. Auch weisen die ersten größeren Geräte bereits Displays mit 3-D-Technik auf. So werden wohl bald zahllose Menschen mit Spezialbrillen vor ihren Notebooks sitzen und sich bei Autorennen in 3-D- schwindelig spielen oder in James Camerons computergeneriertem 3-D-Kassenschlager „Avatar“ versinken. Denkbar wäre zwar, dass die 3-D-Technik auch im Geschäftsbereich interessant wird, etwa für Architekten, „generell im Konstruktionsbereich oder in Chemie und Physik“, wie IT-Experte Tobias Regenfuß vom Beratungsunternehmen Accenture sagt. Heutzutage sei das aber noch „eine reine Spaßanwendung“.

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Für Spitzenspieler ungeeignet

„Die eierlegende Wollmilchsau“ gibt es auch auf dem Notebookmarkt nicht, gibt Florian Müssig zu bedenken. Der Redakteur der Computerzeitschrift c’t rät, sich vor dem Kauf genau zu überlegen, was man von einem Notebook erwartet. Klein und handlich, aber mit großem Display und starker Prozessorleistung, oder ein Businessnotebook mit Consumer-Anwendungen, „das geht nicht zusammen“. Die wenigsten Anbieter von Businessnotebooks bieten ab Werk weit reichende Freizeitsoftware an. Dafür eignen sich die Consumer-Notebooks, die mit Playern, kleinen Spielen und Kommunikationssoftware aufwarten, nur „für die Nutzung auf dem Wohnzimmersessel“, da sie in leichtere Gehäuse eingebaut würden als die vielfliegertauglichen Business-Laptops, erklärt Müssig.

Zwar brauchen Musikprogramme oder die 3-D-Technik keine größeren technischen Ressourcen. Auf dem Spielesektor aber müssen alle Notebooknutzer weiter hinter Desktop-PC-Usern zurückstecken: „Für die allerneuesten Grafikkracher reicht es noch nicht“, bemängelt Müssig. Das sei vor allem ein mechanisches Problem: Allein die Kühlung der dafür notwendigen Prozessoren sei in einem kleinen Notebookgehäuse schlichtweg nicht möglich. Ganz zu schweigen von den immer beliebteren Netbooks, die ja vor allem dem Netzzugang dienen. Das alte Prinzip, dass die Softwarehersteller vorgrasen und die User sich deshalb immer neue Geräte zulegen müssen, es wird hier besonders deutlich.

HD bei Webcams kein Thema

Bei Apple dagegen gibt man sich auf diesem Gebiet selbstbewusster: „Das I-Pod Touch ist als Spieleplattform den Konsolen ebenbürtig“, behauptet Georg Albrecht, Sprecher von Apple Deutschland. Ein Blick auf die Topseller beim Onlinekaufhaus Amazon zeigt, mit welchen Spielen sich die Deutschen am liebsten die Zeit vertreiben: „Die Überreste des U-Bahn-Netzes im postapokalyptischen Moskau sind Handlungsort von Metro 2033“ (Platz 1). Battlefield: Bad Company 2 (…) mit den besten Fahrzeugkämpfen seiner Klasse“ (Platz 2). „Call of Duty: Modern Warfare, das wohl meistverkaufte Ego-Actionspiel aller Zeiten“ (Platz 3). Immerhin auf Platz 8 folgt Dragon Age: Origins: „Seit Jahrhunderten kämpft der alte Orden der Grauen Wächter gegen die Truppen der Dunklen Brut“, und auf Platz 10: „Das preisgekrönte Venedig ANNO 1404 vereint (…) verschiedenste Aspekte wie Aufbaustrategie, Wirtschaft, Erkundung, Diplomatie und Kampf.“

Was die für Bildkommunikation immer beliebteren und standardmäßig eingebauten Webcams angeht, sieht Müssig kaum einen Fortschritt: „Bei gut ausgeleuchteten Räumen und Videotelefonie“ genüge der aktuelle Standard, und von HD rede hier noch niemand. Ebenfalls praktisch kein Thema sei für die User zurzeit das Fernsehen auf handelsüblichen Notebooks. Bei Apple sieht man auch dies anders: Das Programm Elgato, das den Empfang von DVBT-Fernsehen ermöglicht, werde „von vielen Kunden benutzt“, sagt Apple-Sprecher Albrecht. Im Windowsbereich ermöglicht es demnächst eine zigarettenschachtelgroße Box von Asus alle Anwendungen einschließlich Filmen kabellos auf einen Fernseher zu übertragen – falls das Notebookdisplay dann doch zu klein erscheint. Dafür sind die Macbooks neben der Abspielsoftware i-tunes auch mit dem kleinen Musikkompositionsprogramm Garageband ausgestattet sowie mit der Filmbearbeitungssoftware i-Movie. Überhaupt Apple: Wie schon mit seinem berührungsempfindlichen i-Phone hat die Firma auch mit dem I-Pad, das ab Frühjahr zu haben ist, den Markt aufgemischt. Nun wittern die Anbieter windowskompatibler Rechner in Notebooks, die praktisch nur noch aus einem Touchpad bestehen, ebenfalls die Zukunft und ziehen nach. Allerdings: Auch diese Geräte werden zunächst vor allem Freizeitbenutzer beglücken, vermutet Regenfuß.

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