Diverses Sieben auf einen Streich

Die aktuelle Ausstellung im ostwestfälischen Kunstmuseum "Marta Herford" zeigt einen spannenden Querschnitt durch die internationale zeitgenössische Kunst. Sieben in Deutschland noch relativ unbekannte Künstler aus sieben Ländern Europas zeigen ihre Werke - ob Zeichnung oder Malerei, Skulptur, Architektur oder Design.

Aufgrund der unterschiedlichen Themenwahl ist – noch bis zum 27. August 2006 – ein spannender Querschnitt durch die internationale zeitgenössische Kunst zu sehen. Jeder der sieben Künstler spielt auf seine Weise mit offenen, zum Teil neuartigen ästhetischen Kunstelementen und den daraus entwickelten Neuschöpfungen.

Der Niederländer Aaron van Erp beispielsweise greift in seinen Ölgemälden (Foto oben) aktuelle Aspekte menschlicher Beziehungen und fataler Objektbezogenheit auf. Fast beziehungslos oder in zerstörerischer Absicht begegnen sich seine Figuren. Die menschlichen Abgründe werden kontrastiert mit einer intensiven Farbigkeit.

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Andrea Fogli aus Italien präsentiert dagegen einen Zeichnungszyklus, der die Tage eines Jahres umfasst. Wie auf einer Reise begleitet der Betrachter ein tagebuchartiges Experiment der künstlerischen Entfaltung, der Beobachtung und Selbstbeobachtung. Dabei wird auch Privates nicht ausgespart.

Perry Roberts aus Großbritannien arbeitet mit raumbezogenen Wandgestaltungen, die ihren Ursprung in der Konzeptkunst haben, aber auch die Raumgestaltung und Raumwahrnehmung hinterfragen. Spannungsvoll sind sie zwischen Polaritäten angelegt, indem sie etwa in der Malerei willkürlich von Hand gezogene Pinselstriche zeigen, die gleichzeitig stark schematisiert sind, oder es werden in der Konzeptkunst gegensätzliche Begriffe miteinander verbunden.

Der Franzose Eric Baudart greift auf ganz eigene Weise auf das Ready-made zurück. Zum Beispiel verrätselt er in der Arbeit „Wallboxter“ ein funktionales Objekt und gestaltet es als Element einer ästhetischen Inszenierung an der Galeriewand.

Fernando Sánchez Castillo aus Spanien arbeitet mit Elementen und Fragmenten von Denkmälern, deren Ausdruck von Macht er genauso hinterfragt wie die damit verbundenen Aspekte der Verdrängung und der Erinnerungskultur. Ein wesentliches Element ist dabei die Interaktion der Gegenwartsgesellschaft – seien es Passanten oder Museumsbesucher.

Der Belgier Hannes Van Severen hat wie Eric Baudart einen ganz eigenen Zugang zum Ready-made. Seine Arbeiten zitieren historische Formen des Möbels, fragmentieren diese aber bis zur Funktionslosigkeit. Indem er das Funktionierende seiner Funktion beraubt, stellt sich die Frage nach der Bedeutung des Gegenstandes und dessen ästhetischen Qualitäten.

Jürgen Stollhans (Deutschland) bearbeitet Bildthemen aus Kunst und Alltag sowie wissenschaftliche und populäre Bildformen, die er miteinander in Beziehung setzt. In diesem Spiel mit unserer Kultur greift er auch gerne auf Materialien wie zum Beispiel Legobausteine zurück und kontrastiert so die bearbeitete Thematik mit einer scheinbar naiven Produktionsweise.

Sieben auf einen Streich

Formen, Funktionen, Fiktionen

9. Juli bis 27. August 2006

www.martaherford.de

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