Diverses Siebter Sinn

Neue Sicherheitssysteme übernehmen immer mehr Aufgaben und entlasten den Fahrer. Die wichtigsten Innovationen im Überblick.

Der Fahrer lenkt, das Auto denkt. Sieht so die Zukunft aus?
„Wir wollen niemanden entmündigen“, betont Wolfgang
Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungsinstituts für
Künstliche Intelligenz, das für die Autoindustrie
Sicherheitslösungen entwickelt.

Doch die Systeme von morgen können mehr als in brenzligen
Situationen die Gurte straffen. Sie werden aktiv eingreifen,
wenn es gilt, Unfälle zu vermeiden, etwa weil der Fahrer zu
schnell unterwegs ist.

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Die Übersicht zeigt, an welchen Lösungen die Experten arbeiten
und wie Autofahrer schon heute ihre ­Sicherheit erhöhen
können. „Diese neuen Systeme dienen uns als Ersatzsinne“,
erklärt Wahlster. So warnen sich künftig Autos gegenseitig per
Funk vor einer Unfallstelle und alarmieren den Fahrer lange
bevor er die Gefahr eines Crashs wahrnimmt.

VERBESSERTE SYSTEME

Die heutigen Lösungen wie ABS, ESP und Co reagieren immer
sensibler.

Fahrersitz: Halsschutz

Die Sicherheitslösung Pre-Safe von Mercedes schützt die
Insassen bei einem Unfall vor Verletzungen: Melden die
Fahrzeugsensoren eine kritische Situation, stellen sich die
Lehnen senkrecht, die Anschnallgurte werden gestrafft und die
Fenster vorsorglich geschlossen. Seit der Einführung hat das
System ständig dazugelernt, mittlerweile federt auch die
Kopfstütze (Neck Pro) nach, um ein Schleudertrauma beim
Auffahrunfall zu verhindern.

Räder: Bremshilfe

Die Bremseingriffe beim Elektronischen Stabilitätsprogramm
ESP erfolgen immer schneller und präziser. Das radargestützte
Tempomatsystem ACC mit dem Bremsassistenten Plus warnt
bei einem drohenden Auffahrunfall optisch und akustisch.
Steigt der Fahrer in einer solchen Gefahrensituation zu zaghaft
auf die Bremse, sorgt das System selbständig für eine
Vollbremsung.

IN KÜRZE AM START

Unmittelbar vor der Markteinführung: Insassenschutz, der
mitdenkt.

Airbag: Passagier-Detektor

Der amerikanische Autozulieferer Delphi hat ein Passive
Occupant Detection System entwickelt. Dieses passt
automatisch Sicherheitssysteme wie den Airbag an Größe und
Gewicht des Beifahrers an. Es erkennt, ob es sich um einen
Erwachsenen oder ein Kind handelt. Oder ob eine Babytrage auf
dem Sitz befestigt wurde. In diesem Fall darf der Airbag nicht
auslösen, weil dem Nachwuchs sonst schwere Kopfverletzungen
drohen. Bisher müssen Fahrer stets daran denken, den Airbag
vor der Fahrt manuell abzuschalten. In Zukunft überwacht das
System die Sicherheitseinstellungen.

Vordersitz: Beckenbügel

Die Submarining-Rampe von Johnson Controls soll künftig
verhindern, dass der Fahrer beim Auffahrunfall unter dem
Beckengurt durchrutscht und sich die Knie beim Aufprall an der
Instrumententafel verletzt. Die Rampe ist im vorderen Teil der
Sitzfläche positioniert und schnellt beim Frontalcrash nach
oben. Dadurch wird das Becken zurückgehalten. Außerdem
reduzieren sich die enormen Kräfte, die vom Anschnallgurt auf
den Körper wirken. Johnson Controls verhandelt derzeit mit
Autoherstellern über den Einbau des neuen
Sicherheitssystems.

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IN VORBEREITUNG

Künftig greift der Bordcomputer ein, um schwere Unfälle zu
vermeiden.

Windschutzscheibe: Hilfspolizist

Die Traffic Sign Recognition von Siemens VDO soll Fahrern ab
2008 Knöllchen ersparen. Eine in der Windschutzscheibe
installierte Kamera überwacht die Straße, erfasst die
Verkehrsschilder und erkennt so die vorgeschriebene
Höchstgeschwindigkeit. Das Auto warnt den Fahrer dann im
Head-up-Display, das wichtige Angaben wie Geschwindigkeit in
der Frontscheibe spiegelt.

Bremsen: Co-Pilot

Volvo will bis Ende nächsten Jahres das für Stadtfahrten
entwickelte System City-Safety auf den Markt bringen. Ein
Nahbereichsradar mit sechs Metern Reichweite registriert dabei
vorausfahrende Fahrzeuge und Hindernisse. Das System
arbeitet bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h und warnt
den Fahrer bei Gefahr.

Lenkrad: Auto-Pilot

Unter allen Sicherheitssystemen geht Continental mit dem
Active Passive Integration Approach (APIA) am weitesten. Ein
Gefahrenrechner koordiniert die elekronischen Fahrhilfen,
bremst und lenkt automatisch. In einigen Jahren sollen Autos
dabei auch untereinander kommunizieren. Per GPS und Satellit
weiß der Autofahrer dann lange vor dem Heulen der Sirenen,
wo der Krankenwagen mit Blaulicht über die Kreuzung fährt.
Vor der Einführung solcher Systeme müssen jedoch rechtliche
Fragen geklärt werden: etwa wer schuld ist, wenn das Auto
ohne Grund selbst bremst und der Hintermann auffährt.

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