Diverses Siegen im Steuerstreit

Mit der richtigen Strategie erzielen Firmenchefs und Berater am Schluss der Betriebsprüfung optimale Ergebnisse. Tipps für Verhandlungen, die Gewinn bringen.

An den jüngsten Besuch vom Finanzamt hat Firmenchef Wolfgang Preinfalk überwiegend gute Erinnerungen. „nsere kräftigen Wertabschläge bei den Vorräten und Außenständen konnten wir in der Steuerprüfung zwar nicht komplett durchsetzen. Aber wir haben besser abgeschnitten als erwartet“ berichtet der Maschinen- und Getriebebauer aus dem saarländischen Sulzbach. Warum alles reibungslos gelaufen ist, weiß der Firmenchef ganz genau. „ir waren diesmal besonders gut auf alle möglichen Fragen der Prüfer vorbereitet.“

In der Tat: Wie viel die Finanzbeamten letztlich tatsächlich kassieren, hängt entscheidend davon ab, wie intensiv sich Unternehmer und ihre Berater vorab mit der Steuerprüfung auseinander setzen. „Streitpunkte einkreisen, Argumente sammeln, Strategien mit dem Unternehmer absprechen“ heißt für Kai Uwe Paa das Erfolgsrezept.

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Verhandeln statt Feilschen

Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer hat reichlich Erfahrungen in Außenprüfungen bei mittelständischen Unternehmen gesammelt. Sein Fazit: „Der Streit mit dem Finanz­beamten lohnt sich, wenn man schlüssige Argumente parat hat.“ Denn je komplizierter die Rechtslage, desto eher sind die Beamten zum Nachgeben bereit. Freilich nur, wenn das Klima sachlich bleibt. „Wer dagegen bei jeder Kleinigkeit um seinen Vorteil feilschen will, erweist sich einen Bärendienst“, sagt die Freiburger Steuer­beraterin Angela Lauterwasser, „das macht die Kontrolleure nur nervös bis aggressiv.“ Chef und Berater sollten sich vielmehr auf die Streitpunkte konzentrieren, die sich wirklich lohnen.

Für Unternehmer und Berater fängt die Arbeit bereits an, wenn sich der Prüfer anmeldet. Zwei bis vier Wochen bleiben dann, um alle Daten komplett durchzuchecken. Dazu zählen vor allem Verträge, Buchführung, Belege und Bilanzen für die in der Prüfungsanordnung genannten Geschäftsjahre.

Hier verfolgen Firmenchef und Berater zwei Ziele. Zunächst gilt es, die Unterlagen aus den Ordnern und Dateien zu nehmen, die den Prüfer nichts angehen, die ihn aber immer brennend interessieren. Zum Beispiel interne Statistiken, Planungsrechnungen oder private Korrespondenz und Kontoauszüge. Anschließend ist herauszufiltern, wo der Finanzbeamte einhaken könnte. Danach sollte der Berater die finanziellen Risiken bewerten und die passenden Argumente sammeln. Am besten untermauert mit aktuellen Urteilen oder Kommentaren aus der Fachliteratur. Experte Paa: »Von solchen Unterlagen ist der Prüfer erst einmal beeindruckt.

Oft sogar dankbar, weil sie seine Arbeit erleichtern.« Alle Buchführungs- und Vertragsunterlagen packen Chef und Berater in ein separates Prüferzimmer. Das imponiert und beschleunigt die Arbeit. Falls es in der Firma keinen geeigneten Raum gibt, sollte der Unternehmer beim Finanzamt beantragen, dass sich der Beamte ausnahmsweise in die Beraterkanzlei begibt und dort seine Arbeit erledigt.

Prüfer ausbremsen

In beiden Fällen lässt sich so verhindern, dass der Prüfer auf eigene Faust durch den Betrieb marschiert. Und dabei nach Belieben Mitarbeiter in Gespräche verwickelt – aus der direkten Umgebung des Chefs. Steht der Beamte in der Firma auf der Matte, bekommt er sofort klare Ansprechpartner zugeordnet. Etwa den Chef selbst, den Buchhalter oder den Steuerberater.

Berater Paa: »Ansprechpartner aus dem Unternehmen sollten möglichst keine spontanen Anworten geben.« Stattdessen den Prüfer bitten, seine Fragen zu notieren und gesammelt vorzulegen. So ist Zeit gewonnen, die richtige Reaktion in Ruhe zu prüfen. Allerdings: Der Finanzbeamte erwartet, dass Zweifelsfragen stets zeitnah geklärt werden. »Hat er den Eindruck, dass er hingehalten wird, ist das gar nicht gut für das Prüfungsklima«, weiß Paa.

Woran sich die Beamten tatsächlich reiben, kommt sowieso erst in der Schlussbesprechung auf den Tisch. Dieses Meeting ist dann die entscheidende Gelegenheit, die eigenen Trümpfe auszuspielen. Geht es dabei um Streitpunkte, die vergleichsweise wenig Geld kosten, sollte man dem Prüfer Erfolgserlebnisse gönnen. Etwa wenn er dem Chef einen höheren Privatanteil beim Firmenwagen unterstellt. Oder Aufwendungen für Geschenke an Geschäftspartner streicht, weil sie zu teuer sind.

Wenn Risiken oder drohende Verluste für die Bilanz richtig einzuschätzen sind, ist abzuwägen – wie etwa bei der Bewertung von Vorräten und Kundenforderungen im Jahresabschluss von Unternehmer Preinfalk. Im Einzelnen:

Was kostet es, wenn der Chef nachgibt? Wie weit sollte er maximal gehen? Und wie schlagkräftig sind die eigenen Argumente wirklich? Harte Linie Oft ist eine so genannte tatsächliche Verständigung möglich. So wenn die »Wahrheit« nur mit hohem Aufwand oder gar nicht zu ermitteln ist. Etwa bei den Teilwertabschlägen auf das Warenlager oder der Schätzung versehentlich nicht verbuchter Einnahmen. »Kommt es zu einer Einigung, muss nur noch der Sachgebietsleiter des Finanzamts zustimmen«, erklärt Beraterin Lauterwasser.

Kann man sich nicht verständigen, halten Berater und Prüfer die unterschiedlichen Meinungen in einem Protokoll fest. Damit bleiben für beide Seiten zunächst alle Optionen offen. »Wo wir die klar besseren Argumente haben, bleiben wir grundsätzlich hart«, gibt Experte Paa die Streitrichtung vor. Etwa wenn das Finanzamt trotz einwandfreier Buchführung höhere Gewinne unterstellt und schließlich einfach zuschätzt.

Wer dem Steuerprüfer die Zähne zeigen will, muss allerdings auch für den ultimativen Schritt bereit sein. Und nach erfolglosem Einspruch gegen den Steuerbescheid dann das Finanzgericht anrufen. Lauterwasser: »Schätzen wir die Chancen unseres Mandanten auf über 50 Prozent, raten wir zur Klage.«

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