Diverses So nutzen Unternehmer Netzwerke

Netzwerke sind in aller Munde. Doch sind Sie wirklich wichtig für die Wirtschaft? impulse.de hat bei einigen Unternehmenschefs nachgefragt.

Es waren die 1990er Jahre, die Networking in aller Munde brachten. Getrieben durch die net economy, die vernetzte Wirtschaft, entstanden neue Geschäftsmodellansätze. Schuld daran war einerseits die Technologisierung durch das Internet, aber andererseits auch die Globalisierung von Unternehmen und Wirtschaftsprozessen. Dadurch entstand nicht nur ein langfristiges Kundenbeziehungsmanagement anstelle von abgegrenzten Transaktionen, es gab plötzlich auch komplexe Ertragsmodelle statt eindeutigen Produktpreisen, es wuchsen Leistungssysteme anstelle von Einzelprodukten – und schließlich gab es statt vieler einzelner Unternehmen virtuelle Firmen und Kooperationsnetzwerke.

Auch wenn vieles, was damals eifrig bejubelt worden war, die New Economy nicht überstanden hat – so ist doch eines unter den deutschen Firmenchefs geblieben: die positive Einstellung zum Networking.

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Die Unternehmer

Björn Schäfers

Björn Schäfers ist Geschäftsführer von smatch.com, einem von der Otto Group finanzierten Start-up für die Bereiche Mode, Wohnen und Lifestyle. Um aus der Vielfalt der Produkte im Internet passende Suchergebnisse und Empfehlungen zu geben, nutzt das Unternehmen verschiedene Web 2.0-Konzepte. Kein Wunder also, dass Björn Schäfers begeisterter Netzwerker ist – und zwar online und offline: „Neben smatch.com bin ich auch bei Xing und Facebook aktiv.“

Offline baut Schäfers auf seine Netzwerke aus dem Deutschen Marketing-Verband mit den entsprechenden lokalen Marketingclubs und auf das Alumni-Netzwerk der Uni Kiel. „Netzwerke gibt es ja nicht nur zwischen Personen aus verschiedenen Unternehmen. Auch innerhalb eines Unternehmens existieren sie natürlich. Und es ist wichtig, sich diese Netzwerke aufzubauen.“

Dieter John

Dieter John ist Vorstand der Rölfs WP Partner AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und verantwortet den Bereich Fraud-Risk-Compliance. Netzwerke sind für ihn ein Muss, denn: „Sie sind seit jeher für Menschen unverzichtbar, egal ob privat oder beruflich.“ Allerdings ist für John nur eine Kombination aus Online- und Offline-Netzwerken sinnvoll: „Online-Netzwerke entwickeln sich immer stärker zum Ausgangspunkt und zur Basis für persönliche Netzwerke. Den direkten persönlichen Kontakt kann aber weiterhin nichts ersetzen.“

Für Dieter John ist Xing eine bedeutende Online-Plattform, die sich auch immer stärker zum Meeting-Point für das Recruiting entwickle. „Im persönlichen Kontakt reicht das Spektrum von beruflichen Meetings, Fachkonferenzen über gesellschaftliche oder branchenbezogene Events bis hin zu Expertengemeinschaften wie dem Deutschen Forum für Kriminalprävention. Und warum ist John so ein überzeugter Netzwerker? „Gibt es denn in der Wirtschaft etwas Wichtigeres? Allerdings müssen Netzwerke stärker denn je aktiv und intensiv gepflegt werden, um nicht an (Nutz-)Wert zu verlieren.“

Nelly Kostadinova

Nelly Kostadinova ist Gründerin und Geschäftsführerin von Lingua-World, einem Übersetzungs- und Dolmetscherservice mit 14 bundesweiten Standorten. Im Oktober 2008 eröffnete sie ihren ersten Franchisebetrieb in Wien. Netzwerke gehören sowohl online als auch offline zu ihrem Leben – und ihrem Beruf: „Ich nutze alle Netzwerke, die ich für mein soziales beziehungsweise berufliches Umfeld nutzen kann. Ich bin beispielsweise Mitglied im Bundesverband Mittelständischer Wirtschaft und besuche sehr gerne deren Unternehmertage in ganz Deutschland. Außerdem schätze ich die Veranstaltungen des Deutschen Franchise Verbandes“, sagt die gebürtige Bulgarin.

Warum diese Netzwerke für sie so wichtig sind? „Dadurch übertragen sich in der Wirtschaft Synergien. Networking bedeutet, Ideen auszutauschen und Berührungspunkte im geschäftlichen Umfeld zu finden.“ Doch auch auf privater Ebene haben Netzwerke für Nelly Kostadinova eine besondere Bedeutung: „Ich selbst bin eine Global Playerin. Ich bin vor 18 Jahren ohne Deutschkenntnisse hierher gekommen und habe mich – dank diverser Netzwerke – in diesem Land etabliert.“

Jana Eggers

Jana Eggers ist Vorstand bei spreadshirt.net. Das Unternehmen ermöglicht es, über das Internet T-Shirts individuell zu gestalten und zu kaufen. Junge Designer können hier außerdem einen eigenen virtuellen Shop eröffnen. Klar, dass auch Jana Eggers auf Networking setzt. Sie nutzt Xing oder LinkedIn genauso wie Blogs und Social Media-Angebote wie Facebook und Twitter. Aber auch in der Offline-Welt ist sie gut vernetzt: „Meine Networks beschäftigen sich mit Unternehmertum, Innovationsmanagement, Marketing oder dem Gestalten von Einkaufserlebnissen. Manchmal überschneiden sich online und offline auch, beispielsweise, wenn wir bei unseren Treffen den Nutzen und die Auswirkungen von Twitter oder Facebook diskutieren.“

Für Jana Eggers ist Networking ein wichtiger Teil der Wirtschaft, denn: „Um ständig zu lernen und neue Einsichten zu gewinnen, muss man sich mit Leuten treffen, die sich außerhalb der Kreise bewegen, mit denen man sonst Tag für Tag zu tun hat. Im Regelfall arbeitet man und trifft dabei auf Menschen, die ähnlich ticken wie man selbst. Um eine Sicht, die sich von der eigenen und der der Kollegen unterscheidet, zu bekommen, sind derartige Kontakte enorm wichtig“, sagt Jana Eggers. Allerdings: Netzwerke bringen ihren Nutzen nicht von selbst: „Generell ist es so, dass der Nutzen, den man aus – guten – Netzwerken ziehen kann, stark vom eigenen Engagement und Input abhängt. Somit ist es unerlässlich, sich Zeit für sie zu nehmen. Leider ist das nicht immer möglich.“

Michael Radau

Michael Radau ist Vorstand der SuperBioMarkt AG in Münster. Sie hat 14 Filialen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Für Radau sind Netzwerke „die Grundlage allen unternehmerischen Denkens und Handelns. Ein Instrument, was gut gepflegt sein will.“ Schließlich sei Netzwerken der zentrale Erfolgsfaktor für die Wirtschaft. „Kommunikation ist Schlüsselkompetenz für erfolgreiche Unternehmen und deren Lenker“, so Radau. In Netzwerken gehe es darum, Kontakte zu knüpfen und dadurch Impulse für das Unternehmen und für sich persönlich zu generieren.

Wesentlicher Vorteil von Netzwerken: „Ich treffe dort Menschen, die ich sonst nie kennen lernen würde“, sagt Michael Radau, der weniger im Internet seine Netze knüpft als im realen Leben: „Ich treffe mich lieber persönlich mit Menschen, um mich zu wirtschaftlichen, kulturellen oder sportlichen Fragen auszutauschen“, sagt der Unternehmer. Er ist beispielsweise Mitglied des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft und Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland.

Titus Dittmann

Titus Dittmann ist Geschäftsführer der Titus GmbH mit Sitz in Münster. Er hat vor 30 Jahren das Skateboard in Deutschland populär gemacht. Heute hat er 85 Mitarbeiter, und zu seinem Unternehmen gehören zwei Premiumflächen, vier Outlets und 28 Franchiseläden sowie ein Versandhandel und Onlineshop.

Für ihn ist klar: „Netzwerke sind absolut wichtig für die Wirtschaft“. Darum nutzt auch er sie sehr intensiv, überwiegend jedoch offline: „Ich bin Senator h.c. des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft. Außerdem netzwerke ich in Entrepreneurs only von Ernst & Young. Und ich nutze selbst aufgebaute Netzwerke. Online bin ich vor allem beim Forum Gelb der Deutschen Post aktiv.

Bert E. König

Bert E. König, Vorstandsmitglied der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG in Hamburg. Unter der Dachmarke Zweitmarkt.de betreut die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG den Handel mit geschlossenen Fonds an der Fondsbörse Deutschland. Seine Meinung zu Netzwerken: „Auch wenn Netzwerken erst seit wenigen Jahren etabliert ist, so ist es heute kaum noch wegzudenken. Ohne Netzwerke geht heute nichts mehr, egal in welcher Branche.“ Für die Wirtschaft sei ein wichtiger Aspekt, dass aktuelle Themen schnell in fachlichen Kreisen besprochen werden können. „Ich bin mir sicher, dass gezieltes Netzwerken in der Unternehmenswelt einen regelrechten Aufschwung für das jeweilige Unternehmen bedeutet – sofern es richtig angegangen wird und im richtigen Netzwerk agiert wird“, sagt er.

Und auch er selbst ist ein reger Netzwerker, denn: „So bietet sich die perfekte Gelegenheit, mit vielen Menschen zusammenzukommen und sich auszutauschen.“ Das gilt für die digitale Welt genau so wie für das reale Leben: „Mir liegt besonders der persönliche Kontakt am Herzen. Ein Gespräch bei einem Geschäftsessen, auf einem Empfang oder beispielsweise bei einem Kulturevent lässt sich nur in wenigen Ausnahmen durch einen Schriftverkehr ersetzen. Es ist oft auch die nonverbale Kommunikation, die zu Sympathien unter Menschen führt und diese lässt sich nur schwer durch eine E-Mail oder einen Eintrag in einem Blog ersetzen“, sagt Bert E. König. Und da er Spaß daran hat, Menschen und Themen zusammenzubringen, hat er selbst zwei Freundes- und Diskussionskreise gegründet.

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