Diverses So retten Sie Ihr Erbe

Schenken und Vererben von Firmenvermögen ist zum 1. Januar 2004 erheblich teurer geworden. Und die nächste Steuererhöhung ist bereits in Sicht. Wer Vermögenstransfers in der Familie vorzieht, spart jede Menge Geld.

Theo Müller („Müller-Milch“) ficht das nicht mehr an. Der Molkerei-Unternehmer hat sich mit einem Paukenschlag von der deutschen Steuer verabschiedet. Er geht in die Schweiz, um sein Lebenswerk zu sichern. Dort bekommen seine Söhne später das Unternehmen steuerfrei. Hier zu Lande dürfte das Finanzamt 200 Millionen Euro kassieren.

Viele Unternehmer würden am liebsten dem Beispiel Müllers folgen – dies berichten jedenfalls Steuerberater und Anwälte. Für die meisten Mittelständler kommt ein Wegzug aber nicht in Frage. Sie suchen nach Möglichkeiten, wie sie Vermögen steuerschonend in der Familie weiterreichen können, ohne auswandern zu müssen. Ihre Berater drücken dabei aufs Tempo.

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Denn die jetzt noch moderaten Regeln zur Schenkung- und Erbschaftsteuer stehen auf dem Prüfstand des Bundesverfassungsgerichts. Schon im nächsten Jahr werden die Karlsruher Richter verlangen, dass Berlin die Bewertungsvorschriften für Grund- und Geldvermögen angleicht. Folge: Schenken und Vererben von Immobilien ist dann genauso teuer wie das Weiterreichen von Geld oder Wertpapieren.

Wer rechtzeitig handelt, sichert sich noch alle Vorteile. impulse hat mit renommierten Experten Sparmodelle für Unternehmerfamilien erarbeitet. „Mit dem richtigen Konzept lässt sich die Steuerlast kräftig drücken“, sagt Steuerberater Ulrich Derlin von der Münchner Sozietät Peters, Schönberger & Partner.

Bilanzwerte abspecken

Dies gilt auf jeden Fall für das Übertragen von Betriebsvermögen in der Konjunkturflaute: je mieser Umsatz und Gewinn, desto steuergünstiger können Firmenchefs ihre Söhne oder Töchter an der Firma beteiligen. Immobilienvermögen inklusive. Das gilt für Einzelunternehmer und Personengesellschafter. Beide dürfen wegen schlechter Geschäfte die Bilanzen beherzt abspecken. Etwa durch Extra-Abschreibung wegen Überkapazitäten im Maschinenpark. Oder weil Waren verschleudert werden müssen, klamme Kunden nicht mehr zahlen.

Jetzt übertragen – so heißt auch die Strategie für Unternehmer, die ihre Firma als GmbH führen. Denn hier ermittelt das Finanzamt den Steuerwert für die Schenkung- und Erbschaftsteuer nach einer speziellen Methode („Stuttgarter Verfahren“). Und dabei zählen neben dem Bilanzvermögen die derzeit oft schwachen Gewinne der Firma. „Beide Werte können Firmenchefs kräftig nach unten drücken“, erklärt Steueranwalt Matthias Söffing, Chef der Düsseldorfer Sozietät Söffing & Partner.

Hinzu kommen die speziellen Vorteile für Betriebsvermögen: Für Immobilien gilt ein Steuerwert, der derzeit allenfalls 50 bis 70 Prozent des Marktwerts beträgt. Außerdem profitiert die Familie von 256000 Euro Extra-Freibetrag und pauschal 40 Prozent Wertabschlag – drei Vorteile, die womöglich schon bald für verfassungswidrig erklärt werden.

Privatbesitz zu Betriebsvermögen machen heißt konsequenterweise die eilige Devise für Familien mit größerem privaten Immobilienvermögen. Prinzip: Die Eltern gründen eine gewerbliche GmbH & Co KG und bringen dort Grundstücke, Mietshäuser oder Eigentumswohnungen ein. Anschließend schenken sie den Kindern Firmenanteile – per Extra-Freibetrag und Wertabschlag auf besonders begünstigtes Betriebsvermögen.

Finanzamt ohne Chance

Und: Sind die Immobilien auf Kredit gekauft, sind die Schulden voll vom niedrigen Steuerwert der Häuser und Wohnungen absetzbar. Immobilienbesitzer nutzen zudem aus, dass derzeit Wohn- und Geschäftshäuser mit der 12,5-fachen Jahresmiete angesetzt werden – minus Altersabschlag von maximal 25 Prozent. Das führt dazu, dass nur etwa 60 Prozent des Marktwerts steuerpflichtig sind.

Und wie reagieren die Finanzbehörden? Sie erklären alle Schenkung- und Erbschaftsteuerbescheide für vorläufig. Doch davon sollten sich Unternehmerfamilien nicht irritieren lassen. Entscheidend ist, dass sie die Vermögenstransfers vor dem Spruch aus Karlsruhe abwickeln – und einen Bescheid erhalten. „Schenkung oder Erbschaft werden dann auf jeden Fall nach bisher günstigem Recht behandelt“, erklärt Frank Hannes, Steueranwalt bei Flick-Gocke-Schaumburg in Bonn, „wie das Urteil der Verfassungsrichter auch ausfällt.“

Schweiz: Steuerparadies für Erben

Erbschaftsteuer sparen a la Theo Müller („Müller Milch“)? Wie der Dreh im Detail funktioniert, wo in der Schweiz Steuervorteile locken, wo Fallstricke lauern.

Die Steuersätze

In etlichen Kantonen erben Ehegatten und Kinder steuerfrei, zum Beispiel in Aargau, Glarus, Luzern, Uri, Zürich, Zug. In den übrigen Kantonen liegen die Steuersätze zwischen 1,25 und zehn Prozent (Deutschland: sieben bis 30 Prozent). Allerdings sind die Freibeträge meist nicht besonders hoch.

Der Wohnsitz

Von den günstigen Konditionen kann nur profitieren, wer in Deutschland alle Brücken abbricht. Sowohl der Unternehmer als auch die Erben müssen vor dessen Tod mindestens fünf Jahre in der Schweiz fest gewohnt haben. Deutsche Finanzämter prüfen sehr genau: Ist die Mietwohnung in Deutschland gekündigt, das Eigenheim verkauft oder vermietet? Ist der Unternehmer geschäftlich höchstens 180 Tage in Deutschland? Was ist mit der Ferienwohnung?

Die Firma

Bleibt Betriebsvermögen in Deutschland, ist es weiterhin steuerpflichtig. Ausweg: Der Unternehmer gründet in der Schweiz eine Kapitalgesellschaft und bringt dort seine deutsche GmbH ein. Das kostet jedoch Steuern auf stille Reserven. In der Flaute hält sich da die Steuerlast in Grenzen, weil beim Firmenwert von GmbHs vor allem die Gewinne der letzten drei Jahre zählen.

Sparmodelle für Unternehmerfamilien

Das Patentrezept: Vermögen schon zu Lebzeiten Stück für Stück in der Familie weiterreichen – solange die günstigen Steuerregeln für Immobilien- und Betriebsvermögen gelten.

BETRIEBSVERMÖGEN

Spielräume entdecken

Fall: Die Inhaber einer Personengesellschaft ziehen die Nachfolge vor und beteiligen die Kinder schon jetzt am Unternehmen.

Strategie: Zuvor das Betriebsvermögen in der Bilanz herunterrechnen. Ganz legal: zum Beispiel Maschinen, Anlagen, Warenvorräte per Extra-Abschreibung kappen. Sonderabschreibung für kleinere und mittlere Firmen nutzen (20 Prozent extra). Ansparrücklage für geplante Investitionen (maximal 307.000 Euro) und Rückstellungsmöglichkeiten ausschöpfen (etwa für Gewährleistung, Jahresabschluss, Gewerbesteuer, Resturlaub). Für Immobilien gilt der niedrige Steuerwert. Außerdem profitiert die Familie von 256000 Euro Extra-Freibetrag und pauschal 40 Prozent Wertabschlag.

Flaute nutzen

Fall: Die Geschäfte einer Familien-GmbH laufen seit Jahren schlecht. Für 2003 zeichnet sich ein Gewinneinbruch ab.

Strategie: Im nächsten Jahr Firmenanteile in der Familie weiterreichen. Denn bei Kapitalgesellschaften zählen nicht allein Bilanz-und Immobilienwerte, sondern auch Gewinne. Die sind fürs Finanzamt jedoch nicht gleich viel wert: Der Gewinn im letzten Jahr zählt dreifach, im vorletzten doppelt und im vorvorletzten nur einfach. Die Gesamtsumme ist dann durch sechs zu dividieren.

Erträge sichern

Fall: Der Unternehmer will zwar die Firma abgeben, aber vorerst das Sagen behalten.

Strategie: Die Kinder bekommen Firmenanteile, der Senior behält sich allerdings den Nießbrauch daran vor. Außerdem steigt er mit als Geschäftsführer ein. Auf diese Weise überträgt er zu steuerschonenden Preisen. Und die Erträge stehen ihm weiterhin ungeschmälert zu – etwa zur Altersvorsorge.

Abgeben und inverstieren

Fall: Die Eltern wollen die wachstumsstarke Firma übertragen. Für 2004 ist der Kauf eines neuen Geschäftshauses geplant.

Strategie: Erst investieren, und zwar auf Kredit, dann Anteile weiterreichen. Jetzt zählt der niedrige Steuerwert der Immobilie, der Kredit drückt die Steuerlast zusätzlich.

PRIVATVERMÖGEN

Rechte vorbehalten

Fall: Die Eltern wollen den Kindern ein Haus übertragen, aber weiterhin Miete kassieren.

Strategie: Haus sofort verschenken und Nießbrauch im Grundbuch eintragen. Der Wert des Nießbrauchs ist vom ohnehin niedrigen Steuerwert der Immobilie absetzbar. Die darauf entfallende Steuer stundet das Finanzamt, bis der Nießbrauch endet.

Immobilienfirma installieren

Fall: Die Kinder sollen einen Teil des größeren Immobilienbesitzes der Familie bekommen, die Eltern wollen aber weiterhin das Sagen behalten.

Strategie: Immobilienvermögen in eine GmbH & Co KG einbringen und den Kindern Firmenanteile schenken. Auf diese Weise können die Eltern ihren Besitz Stück für Stück weiterreichen und dabei Freibeträge auf den Euro genau ausschöpfen. Pro Kind alle zehn Jahre 205.000 Euro – jeweils für Geschenke von Vater und Mutter. Hinzu kommen Extra-Freibetrag und Wertabschlag für Betriebsvermögen. Außerdem behalten sich die Eltern so alle Entscheidungen vor: welche Häuser und Wohnungen etwa verkauft oder vermietet werden – und zu welchen Konditionen. Anfangs haben sie ohnehin die Mehrheit. Für später vereinbaren sie Einstimmigkeit der Beschlüsse.

Schenken und kaufen

Fall: Die Großeltern wollen den Enkeln Geld schenken und wünschen, dass sie dafür Immobilien erwerben.

Strategie: Geschenk mit der Auflage versehen, dafür eine bestimmte Immobilie zu kaufen (Objekt im Schenkungsvertrag benennen). Dann zählt für die Steuer nicht der Geldwert, sondern der niedrige Steuerwert von Grundstück oder Gebäude.

Eigenheim übertragen

Fall: Ein Ehepartner möchte den anderen versorgen. Der Freibetrag für Schenkungen (307.000 Euro) ist ausgeschöpft.

Strategie: Eigentum an Wohnung oder Haus übertragen, das die Eheleute selbst nutzen. Das ist steuerfrei – und nicht auf den persönlichen Freibetrag anzurechnen.

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