Diverses So wird Berlin wieder Schrittmacher der Wirtschaft

Berlin ist, im Gegensatz zu vielen anderen Hauptstädten der Welt, kein Aushängeschild der Wirtschaft des Landes. Die Politiker haben sich damit arrangiert, kokettieren gar mit dem Image "Wir sind arm, aber sexy". Nicht so die Unternehmer. Von der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen, arbeiten sie am Wiederaufbau der Industriemetropole Berlin.

Unser Unternehmen beispielsweise stellt Hochleistungslaserdioden her. Wir haben Eagleyard 2002 aus einem Forschungsinstitut ausgegründet. Am Anfang waren wir zu zweit und erreichten einen Jahresumsatz von 200.000 Euro. Heute erwirtschaften bei uns 20 Mitarbeiter einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro. Wir schreiben seit 2005 schwarze Zahlen.

Wenn ich gefragt werde, ob das, was wir tun, als industrielle Tätigkeit verstanden werden kann, antworte ich mit einem klaren Ja. Unser Bild von Industrie ist immer noch von traditionellen Vorstellungen geprägt, von rauchenden Schloten, Lärm und harter körperlicher Arbeit. Wir müssen uns davon lösen, ohne uns jedoch vom Begriff Industrie zu verabschieden. Hier, im Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof, entsteht „wissensbasierte Industrie“.

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Als sich Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts anschickte, Industriestadt zu werden, verfügte sie nur über einen einzigen Rohstoff – das Wissen und die Energie der Menschen, die hierherkamen. Es waren kluge Köpfe, die sie zur Industriestadt machten – allen voran die Pioniere der Elektroindustrie wie Werner von Siemens und Emil Rathenau. Symbol war die elektrische Glühlampe.

Die alte Industriestadt Berlin gibt es nicht mehr. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands ging die Industriebeschäftigung hier um rund 60 Prozent zurück. Für die „klassische Industrie“ stehen nur noch etablierte Namen wie etwa Siemens, Daimler und Rolls-Royce.

Wie aber können neue Industrien entstehen? Die Stadt verfügt heute wieder über eine exzellente Wissenschafts- und Kulturlandschaft. Ihr größtes Kapital steckt nach wie vor in den Köpfen der Menschen. Berlin ist attraktiv für unternehmerische Talente. Deshalb liegt es nahe, da, wo Wissenschaft ist, Wirtschaft neu entstehen zu lassen.

In Berlin-Adlershof ist das geschehen. Hier hatte einst die DDR-Akademie der Wissenschaften Forschungskapazität konzentriert, die nach der Wende erhalten blieb. 1991 begann man mit dem Aufbau dessen, was es bis dahin nicht gab: der Wirtschaft. Heute bilden hier 408 Unternehmen eine breit aufgestellte, solide mittelständische Basis. Sie stellen Produkte her und bedienen Märkte, die vor 16 Jahren noch nicht existierten – Märkte für Optische Technologien, für Mikrosystemtechnik oder für alternative Energien, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie unser Unternehmen wächst auch Adlershof zweistellig. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat errechnet, dass der Wissenschafts- und Technologiepark jährlich mit 1,4 Milliarden Euro signifikant zur Wirtschaftsentwicklung Berlins beiträgt. Auf zwei in Adlershof geschaffene Arbeitsplätze kommt statistisch ein weiterer hinzu.

Von einer Hauptstadt geführt zu werden, die ein Armenhaus ist, verschlechtert die Chancen einer Wirtschaftsnation im globalen Wettbewerb. Adlershof könnte die Keimzelle einer neuen ökonomischen Eigenständigkeit Berlins werden und so ihre nach dem Krieg verloren gegangene Rolle als ein Schrittmacher der nationalen Wirtschaft zurückzuerobern. Und das – das wäre dann wirklich sexy.

Thomas Laurent ist Mitgründer und Mitgeschäftsführer der Berliner Firma Eagleyard, einer Ausgründung des Ferdinand-Braun-Instituts für Hochfrequenztechnik. Das Unternehmen stellt Laserdioden her, die in der Material-, Gerätetechnik und in der Wissenschaft eingesetzt werden.

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