Diverses So wird Ihre Limited zum Erfolgsmodell

Limited oder GmbH? – Seit vier Jahren können Gründer und gestandene Unternehmer wählen, wenn sie die Firma als Kapitalgesellschaft führen wollen. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs macht es möglich. Seit Ende 2002 müssen die deutschen Registergerichte auch Gesellschaftsformen aus anderen EU-Ländern akzeptieren.

Besonders beliebt: die englische Private Company Limited by Shares. Deren Anzahl ist in Deutschland in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Von damals 1600 auf heute über 40000. Die Limited boomt. Allerdings – der Anteil der Gründer, die mit dieser Gesellschaftsform scheitern, ist hoch. Etwa jede zweite Limited gibt nach nur zwei Jahren wieder auf. Auf einen deutschen Unternehmer, der in der englischen Rechtsform unterwegs ist, lauern Fallstricke. Damit die Limited zum Erfolgsmodell wird, verrät impulse, worauf Gründer und Jungunternehmer achten müssen:

Kapital: Das fehlende Mindestkapital macht die Limited für viele Gründer attraktiv. Schon ein britisches Pfund reicht aus, um mit dieser Rechtsform an den Start zu gehen. Dagegen beträgt das Stammkapital der GmbH 25000 Euro. Aber Achtung! Auch wenn es formal kein Mindestkapital bedarf – um ein Unternehmen erfolgreich zu gründen und aufzubauen braucht es in jedem Fall Eigenkapital. Mit einem Pfund kann man zwar eine Limited gründen, aber kein Unternehmen führen. Die hohe Zahl der gescheiterten Limited erklärt sich auch dadurch, dass viele Unternehmer nicht weit genug über die Gründung hinausgedacht haben.

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Planung: Eine Limited ist schnell und unkompliziert zu gründen. Wenige Klicks am Computer, schon steht die Firma (gegen Aufpreis sogar binnen 24 Stunden) im britischen Handelsregister und ist damit rechtskräftig. Der Gang zum Notar entfällt. Für viele Unternehmer hat diese einfache und unbürokratische Handhabung Vorteile – vorausgesetzt, sie haben sich vorher bereits eingehend mit ihrem Geschäftskonzept beschäftigt und sich beraten lassen. Experten warnen:Eine Unternehmensgründung sollte das Ergebnis sorgfältiger Planung und intensiver Beratung sein. Wer sich zu einer Spontangründung hinreißen lässt, nur weil das englische Recht dies ermöglicht, darf sich über mangelnden Erfolg nicht wundern.

Verpflichtungen: Wer mit einer englische Limited in Deutschland unterwegs ist, sollte sich bewusst machen, dass für ihn sowohl deutsches als auch britisches Recht gilt: So muss ein Limited-Gründer bei den hiesigen Industrie- und Handelskammern Gewerbe anmelden. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten. Auch die Steuern zahlt eine Limited in Deutschland. Sie wird wie eine GmbH veranlagt. Um zusätzlichen Steuerforderungen in England zu entgehen, muss der Unternehmer dort eine Nullsteuer-Erklärung abgeben.

Rechtsunsicherheit: In vielen Fällen herrscht noch immer eine deutliche Rechtsunsicherheit, etwa was die Haftung des Geschäftsführers oder der Gesellschafter betrifft. Vor allem sofern ein Unternehmen Insolvenz anmeldet oder ein strafrechtliches Delikt vorliegt. So entschied im April dieses Jahres das Landgericht Kiel, dass der deutsche Straftatbestand der Insolvenzverschleppung (mit dem englischen wrongful trading nur bedingt vergleichbar) auch für eine Limited gilt, sofern sie ihre Geschäfte ausschließlich in Deutschland betreibt (AZ 10 S 44/05). Das Urteil ist einzusehen unter: www.landgericht-kiel.landsh.de

Beratung: Ob bei der Gründung, im laufenden Geschäftsbetrieb oder im Falle von juristischen Auseinandersetzungen – ohne Steuerberater oder Beratungsagentur ist der Schritt über den Kanal in der Regel nicht zu empfehlen. Auch wer Englisch spricht, den wird das Aufsetzen juristischer Schriftstücke oder das Erstellen der Jahresbilanz nach englischem Recht in der Regel überfordern. Das bedeutet, dass der Unternehmer etwa seine Agentur besonders sorgfältig auswählen sollte. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Anbietern, nicht alle sind geeignet.

Viele günstige Agenturen können ihre Preise nur deshalb so niedrig halten, weil sie mit standardisierten Formularen und Verträgen arbeiten. Auch bleibt die individuelle persönliche Beratung oft auf der Strecke. Diese Agenturen sind für Unternehmer geeignet, die selbst eine Menge Fachwissen mitbringen. Oder die über die Gründungsformalitäten und die jährlichen Publizitätspflichten hinaus wenig Beratungsbedarf haben. Unternehmen, die komplexe Verträge aufsetzen wollen oder Verträge oft ändern müssen, sollten sich weniger am Preis als vielmehr am Service der Agenturen orientieren.

Weitere Informationen, Links und Literaturhinweise finden Sie auf der nächsten Seite

Eine Möglichkeit, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen: Referenzen überprüfen. Die meisten Agenturen stellen auf Ihren Websites Beispiele für erfolgreiche Limited-Gründungen vor. Der tatsächliche Erfolg dieser Unternehmen lässt sich schnell und kostengünstig am Computer überprüfen.

Registereinsicht: Alle Limiteds sind im britischen Handelsregister eingetragen. Dies ist online einsehbar. Ein Klick auf den Button Web Check ermöglicht die Suche nach einer bestimmten Firma. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, ob sie aktiv, ruhend oder aufgelöst ist. Gegen ein geringes Entgelt kann der letzte Jahresabschluss abgerufen werden.

Publizitätspflichten: Limited-Gründer sollten sich bewusst machen: Auch die Daten ihres Unternehmens sind online einsehbar. Anders als das deutsche System, dass nach einem prüfungsintensiven Gründungsprozedere die GmbHs bisher weitgehend unbehelligt lässt, basiert das englische System auf beständiger Kontrolle. Darum bestehen auch strenge Publizitätspflichten. Die Limited muss den Bericht des Directors, die Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung beim Handelsregister vorlegen. Wird dies versäumt, folgt eine Mahnung sowie ein Bußgeldbescheid binnen weniger Tage. Danach wird die Gesellschaft aus dem Register gelöscht. Das Firmenvermögen fällt an die britische Krone. Bei der Strafverfolgung sind die Briten streng – die Vollzugsquote liegt bei 97 Prozent.

Kredite: Die Limited hat in Deutschland ein Image-Problem. Bei Kunden, Lieferanten aber vor allem bei den Banken. Kein Wunder, Wissenschaftler schätzen den Anteil der unsauberen Limiteds auf 70 Prozent. Darunter vor allem Pleitiers, die nach der Insolvenz als Limited wieder an den Start gehen. Dies schadet den seriösen Unternehmen – zum Beispiel, wenn sie einen Bankkredit aufnehmen wollen. Kleinere Kredite sind in der Regel kein Problem, sofern der Unternehmer die nötigen Sicherheiten stellen kann. Bei größeren Beträgen allerdings reagieren viele Banken auf die englische Rechtsform oft vorsichtig bis ablehnend.

Information: Wer mit dem Gedanken spielt, eine Limited zu gründen, sollte sich umfassend informieren. Es ist anzuraten, dabei nicht nur Veranstaltungen von Beratungsagenturen zu besuchen, deren Geschäftsgrundlage Limited-Gründungen sind. Zusätzliche Literatur kann helfen, pro und contra richtig einzuschätzen. Außerdem stehen neue Rechtsformen bereits in den Startlöchern: Der Limited-Boom hat auch in der Politik einiges in Bewegung gesetzt. Über die GmbH-Reform wird im nächsten Jahr entschieden, das Modell einer ganz neuen Rechtsform, der Unternehmergesellschaft, steht ebenfalls zur Diskussion. Wer vor der Wahl der richtigen Rechtsform steht, sollte auch die aktuelle Debatte nicht aus dem Blick verlieren.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Broschüre „Die GmbH im Wettbewerb der Rechtsformen“ (PDF) des Bundesverband der Deutschen Industrie

Magazin „Die Limited und andere EU-Gesellschaften im Praxistest„, Dr. Otto Schmidt-Verlag, zu bestellen unter
www.gmbhr.de

Handbuch „Grenzüberschreitende Gesellschaften“ von Heribert Hirte/ Thomas Bücker (Hrsg.), 2. erweiterte und überarbeitete Auflage 2006, Carl Heymanns Verlag; 129 Euro; ISBN 10: 3-452-26352-5 / ISBN 13: 978-3-452-26352-0

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