Diverses Sonderangebot mit Tücken

Geldsegen für den Staat: Anleger zahlen für ihre Kapitalerträge demnächst einheitlich 25 Prozent Abgeltungsteuer. Wer davon profitiert und für wen es teurer wird.

Von der Abgeltungssteuer profitieren zwar Geldanleger, die für ihre Zinseinnahmen bislang weit höhere Steuerlasten tragen, nämlich in der Spitze bis 45 Prozent. Gleichermaßen glücklich: Versicherungssparer, die Geld aus 2005 oder später abgeschlossenen Policen vor dem 60. Lebensjahr erhalten. Auch für sie gelten 25 Prozent Pauschalsteuer.

Schlechter dran sind aber Aktionäre und Fondsanleger. Sie zahlen künftig für die volle Ausschüttung pauschal 25 Prozent. Das ist meist mehr als nach geltendem Recht. Derzeit
ist nur die Hälfte der Dividende steuerpflichtig, dafür jedoch zum individuellen Steuersatz. Dies gilt gleichermaßen für die Gewinnanteile von GmbH-Gesellschaftern. Aktionäre und Fondsanleger müssen zudem ab 2009 für jeden kassierten Euro Kursgewinn ein Viertel an das Finanzamt überweisen. Bisher konnten sie diese Vermögenszuwächse brutto für netto verbuchen – nach einem Jahr Spekulationsfrist. „Eine klare Steuererhöhung“, schimpft Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf, „das schmälert die Rendite solcher Investments erheblich.“

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Comeback für die fondsgebundene Lebensversicherung?

Unterdessen basteln Anlageprofis bereits an spannenden Offerten. Dabei nutzen sie etwa neue Gesetzesvorschriften in Luxemburg. Die erlauben seit Kurzem auch vermögenden Privatpersonen, eigene Spezialfonds für die Verwaltung von Wertpapieren aufzulegen. Diese Fonds haben inzwischen
Institute aller Bankengruppen im Angebot – striktes Bankgeheimnis inklusive. „Das lassen sich
die Profis zwar ordentlich bezahlen“, meint Udo Delp, Steuerberater und Experte für Kapitalanlagen aus Bergheim bei Köln, „aber es lohnt sich.“

Mit der Abgeltungsteuer bekommt ein bewährtes Produkt neuen Schwung: die fondsgebundene Lebensversicherung. Die legt die Beiträge ihrer Kunden etwa in Aktienfonds an. Die Gewinne versteuert der Anleger erst, wenn die Police ausbezahlt wird, zum Beispiel nach 15 oder 20 Jahren. Bis dahin herrscht Steuerpause, das angelegte Kapital kann un­gestört arbeiten. Und ab dem 60. Lebensjahr kostet die Differenz zwischen eingezahlten Beiträgen und der Ablaufleistung der Police nur zur Hälfte Steuern.

„Schwerer Schlag gegen die Aktienkultur.“

Dieses Prinzip treibt der auf die Spitze, der einen lebenslangen Vertrag abschließt oder eine Police mit Endalter 115 Jahre. Wird die Versicherungssumme fällig, freuen sich die Erben. Sie kassieren die komplette Summe steuerfrei. Einschließlich aller Kursgewinne. „Ein hervorragendes Instrument zum planmäßigen Vermögensaufbau über Generationen“, sagt der Münchner Versicherungsmakler Jürgen Tretter.

Aktienanleger, die nicht nach Luxemburg oder über die fondsgebundene Lebensversicherung ausweichen können oder wollen, müssen gleich zwei gravierende Nachteile hinnehmen. Sie zahlen einerseits auf jeden Euro Kursgewinn Steuern. Kursverluste indes dürfen sie nicht mehr – so wie im ursprünglichen Konzept der Abgeltungsteuer vorgesehen – mit anderen Kapitalerträgen Steuer sparend verrechnen. Das hätte
zwar die Steuerlogik geboten, den Finanzminister aber eine Menge Geld gekostet. Prompt fiel das
Verlustverrechnungsmodell unter den Tisch. Anlegerschützer Hocker: „Das ist ein schwerer Schlag gegen die ohnehin noch unterentwickelte Aktienkultur in Deutschland.“

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