Diverses Sonnige Zeiten für Handwerker

Der deutsche Markt für Solarzellen liegt brach. Die Hersteller leiden unter der günstigeren Konkurrenz aus Fernost. Ganz anders die Lage bei Anlagenbauern und Installateuren: Sie profitieren von der hiesigen Nachfrage und von Großaufträgen aus Asien.

Es sind nur 15 Installateure, die für die Gecko Logic GmbH aus Wetzlar Solaranlagen montieren. Im letzten Jahr erwirtschaftete die Firma allein mit der Installation von Photovoltaik-Anlagen eine Million Euro Umsatz, 2009 konnte Gecko Logic diesen Wert sogar verdoppeln. 120 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen insgesamt. Der Betrieb installiert nicht nur, sondern produziert auch Module für Photovoltaikanlagen – seit 2004 auch in China. 30 Prozent der Produktion verlagerte der Betrieb in die Volksrepublik, der Rest wird in Deutschland hergestellt. Dort sind die Umsätze rückläufig – darunter leiden auch große Hersteller wie Q-Cells. „Die Einspeisevergütung sowie die günstigen Modulpreise machen es den Herstellern schwer, die Installateure profitieren“, sagt Gecko-Logic-Geschäftsführer Andreas Habermehl.

Eine Studie des branchenunabhängigen Fachmagazins Photon zeigt: Von Januar bis Dezember 2009 könnten die in Deutschland neu installierten Photovoltaikanlagen auf eine Gesamtleistung von bis zu 4000 Megawatt kommen. Insgesamt dürfte Solarstrom im kommenden Jahr damit rund zwei Prozent der Energieversorgung ausmachen, schätzt Photon. Die Zahlen sind höher als bisher erwartet: Die Bundesnetzagentur, bei der neue Solaranlagen gemeldet werden müssen, gab im Oktober an, dass 1500 Megawatt ans Netz gebracht worden sind. Das Bundesumweltministerium erwartete für 2009 lediglich einen Zuwachs von 1300 Megawatt.

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Ein Grund für die steigenden Zahlen könnte der Preisverfall bei Solarzellen sowie die Einspeisevergütung sein. Jeder Hauseigentümer, der eine Anlage auf seinem Dach montiert, erhält über 20 Jahre bis zu 43 Cent pro Kilowatt-Stunde produziertem Strom. „Von den niedrigen Preisen profitieren Installateure und Käufer. Beide können hohe Renditen erzielen“, sagt Bernd Schüßler von Photon.

Die Verbände bestätigen die positiven Effekte fürs Handwerk. „Die Geschäfte laufen gut, schätzungsweise jeder zweite Betrieb des elektrotechnischen Handwerks ist im Solargeschäft“, sagt Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). 23.000 der insgesamt 78.000 Elektrobetriebe verdienen ihr Geld mit der Montage von Solaranlagen, teilt der ZVEH mit. Auch der SHK-Zentralverband (Sanitär-Heizung-Klima) beobachtet Zuwachszahlen im Solargeschäft. „Über 70 Prozent der von uns vertretenen 30.000 Innungsbetriebe in Deutschland nutzen Solartechnik, inklusive Photovoltaik, als einträgliches Geschäftsfeld. Tendenz: weiter steigend“, heißt es.

Die Anlagenbauer erschließen sich derweil neue Geschäftsfelder in Fernost: Firmen wie die schwäbische Centrotherm produzieren knapp 80 Prozent ihres Umsatzes in Asien, ein Gros davon in Taiwan und China. 2008 waren es noch 67 Prozent. Das Unternehmen stellt schlüsselfertige Anlagen zur Produktion von Silizium her – eine kostet rund 700.000 Millionen Euro. „Es heißt immer, Asien würde uns weh tun. Im Anlagenbau sehen wir das anders. In China sind deutsche Hersteller fürs große Anlagengeschäft konkurrenzlos“, so der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

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