Diverses Sorgen Sie dafür, dass die Belegschaft loyal ist!

Ein Unternehmen steht und fällt mit den Mitarbeitern. Um Krisen zu überstehen, muss sich ein Chef die Unterstützung der Belegschaft sichern. Wendelin von Boch über die Zerstörung der Boch-Manufaktur während der Französischen Revolution und loyale Angestellte.

Wir dokumentieren Wendelin von Bochs Festrede zum „Turnarounder des Jahres“ in gekürzter, überarbeiteter Form in Auszügen – und das Original in Audiodateien zum Anhören. Wendelin von Boch über seinen Urahnen Francois Boch:

„Was Boch nicht bedacht hatte, als er die Manufaktur gründete, war die Französische Revolution. Er hatte ja vor 1789 gestartet. Die französischen Revolutionstruppen marschierten in Luxemburg ein, er musste fliehen, und die Fabrik wurde total zerstört. Boch war vollkommen ruiniert und mittellos. Es lässt sich nicht mehr genau nachvollziehen, wie er damals an Geld gekommen ist. Eines aber wissen wir ganz genau: Er hatte einen sehr starken Willen, einen Fighting Spirit. Er wusste, dass er gute Qualität produziert hatte, die sich einen Namen gemacht hatte. Er hatte eine Marke aufgebaut.

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Boch fragte die Arbeiter, ob sie bereit seien, die Fabrik ohne Lohn mit aufzubauen. Und sie taten das tatsächlich. Er war davon so beeindruckt, dass er etwas Neues schuf, von dem ganze Volkswirtschaften heute profitieren. Er war sozial stark engagiert und der erste, der eine Sozialversicherung, eine Pensionskasse, einrichtete: eine Kranken-, Invaliden- und eine Unfallversicherung.

Die Arbeiter lebten damals auch von der Landwirtschaft, sie kamen in die Fabrik, um etwa dazuzuverdienen. Wenn die Ernte verregnete oder verhagelte, hatten sie ein großes Problem. Damit sie in dieser Zeit abgesichert waren, richtete Boch eine Kasse ein, das sogenannte Fruchtmagazin. Diese Kasse wurde damals von ihnen selbst verwaltet. Der Arbeitgeber, der alte Boch, und die Arbeitnehmer zahlten jeweils 50:50 in die Kasse ein. Das Modell war so spannend, dass die Bismarck’sche Sozialgesetzgebung es abkupferte. Es war nicht Krupp oder andere Industrielle, es waren meine Vorfahren, die sich das ausgedacht haben.

Heute können wir uns das alles nicht mehr leisten, aber damals haben sie so die Krankenhäuser und Arbeiterwohnungen finanziert. Das waren Patriarchen im guten alten Sinne. Wenn alle so gewesen wären, hätte es nie eine Gewerkschaft gegeben. Aber, wie Sie wissen, ist die Geschichte anders verlaufen.

Was also ist das Fazit? Zur Bewältigung dieser ersten Krise bedurfte es eines Fighting Spirits des Unternehmers. Boch hatte zudem ein wettbewerbsüberlegenes Produkt, an das er geglaubt hat. Er hatte auch eine innovative Technologie. Und – das war das Wichtigste zur Bewältigung der Krise – er verstand es, die Belegschaft zu loyalisieren. Denn wer arbeitet heute noch über Monate hinweg ohne Lohn? Das haben die Leute riskiert.“

Das Original als Audiodatei (MP3) – zum Anhören bitte auf den Link klicken
Management-Lektion 1: Die loyale Belegschaft

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