Heinrich Weiss' größter Fehler Heinrich Weiss: „Sorgenkinder wachsen einem ans Herz“

Heinrich Weiss, 67, Aufsichtsratschef des Hütten- und Anlagenbauers SMS Siemag, über die Schwierigkeit, sich von Verlustbringern zu trennen.

Als ich 1971 die Führung unserer Familienfirma Siemag übernahm, waren wir auf den Bau von Maschinen und Anlagen für die Stahlindustrie spezialisiert. In den 60er-Jahren hatten meine Vorgänger zusätzlich Kunststoffmaschinen in unser Produktprogramm aufgenommen, da nach dem Schock der ersten Stahlkrisen jeder glaubte, Kunststoff werde Stahl weiter ersetzen. Doch der Bau dieser sehr viel leichteren Maschinen überforderte unsere Ingenieure, auch im Vertrieb herrschte eine völlig andere Mentalität.

Fast hätten wir das Gebiet wieder aufgegeben, doch 1977 ergab sich eine Gelegenheit, die Firma Battenfeld, einen etablierten Kunststoffmaschinenhersteller, aus der Insolvenz zu kaufen. Endlich waren wir „Profis“. Nachdem wir selbst auf diesem Gebiet versagt hatten, ließ ich das neue Management sehr selbstständig arbeiten. Anfangs lief das so gut, dass wir zahlreiche weitere Hersteller hinzukauften und Anfang der 80er weltweit die Nummer eins wurden. Danach fielen wir jedoch bei jedem Rückgang der Konjunktur in eine tiefe Krise.

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Immer wieder tauschte ich das Management aus, aber versäumte es, es stärker zu beaufsichtigen, weil ich mich im Hüttenanlagengeschäft wohler fühlte und erfolgreicher war. Mein größter Fehler war es, zu lange an dem Bereich festgehalten zu haben, der offensichtlich nicht zu uns passte. Erst vor einigen Jahren haben wir die Firmen verkauft. Es war eine harte Entscheidung – Sorgenkinder wachsen einem bekanntlich auf Dauer ans Herz.


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