Diverses Späte Gutschrift

Die Finanzämter müssen ausländische Unternehmensteuern anrechnen. Zum Vorteil deutscher Aktionäre.

Der deutsche Fiskus hat jahrelang Aktionäre und Fondsanleger
steuerlich benachteiligt, die bei ausländischen Unternehmen
eingestiegen waren. Direkt oder indirekt. Diese Anleger können
jetzt rückwirkend auf Steuererstattung hoffen. So lautet die
Quintessenz einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs
(Aktenzeichen C-292/04).

Grund: Bis Ende 2000 galt bei der Ausschüttung von
Dividenden das sogenannte Anrechnungsverfahren. Danach
durften Anleger die Körperschaftsteuer, die eine deutsche
Kapitalgesellschaft gezahlt hatte, von der eigenen
Einkommensteuer abziehen. Dazu erhielten sie eine
Körperschaftsteuer-Gutschrift, die sie beim Finanzamt vorlegen
konnten. Diese Abzugsmöglichkeit hatten sie indes nicht, wenn
sie zum Beispiel direkt oder über Fonds bei Nokia, BB Biotech,
Motorola, Wal-Mart oder Novartis beteiligt waren. Ein klarer
Verstoß gegen EU-Recht, befanden die Luxemburger Richter.

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Jetzt gibt es Geld zurück. „Für alle Aktionäre, die damals ihre
Steuerbescheide per Einspruch offen gehalten haben“, erklärt
Steuerberater Jürgen Denk von der Ecovis
Steuerberatungsgesellschaft in Neumarkt in der Oberpfalz.

Allerdings müssen Anleger dem Finanzamt nachweisen, welche
ausländischen Steuerbeträge sie jetzt geltend machen können.
Für viele Aktionäre ein Problem. Weil das Finanzamt damals
nicht anrechnete, haben die meisten Aktionäre für die
Steuergutschrift keine Bescheinungen mehr parat. Sie sollten
gemeinsam mit dem Steuerberater prüfen, ob und wie man
Ersatzbelege beschaffen kann. Allerdings nur, wenn es um
wirklich größere Dividenden- und Steuergutschriften geht.
Experte Denk: „Sonst lohnt der ganze Aufwand nicht.“

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