Diverses Spezialisten auf Abruf

Noch nie gab es in Deutschland so viele Zeitarbeitnehmer. Vor allem die mittelständischen Unternehmen setzen auf dieses Personalmodell. Denn so bleiben sie flexibel und sparen Geld.

Sind die Auftragsbücher so voll wie jetzt, wird bei Schmitz Cargobull in drei Schichten produziert. Dafür beschäftigt der Nutzfahrzeugbauer aus Horstmar bei Münster neben seinen 1800 festen Mitarbeitern derzeit bis zu 700 Leiharbeitnehmer. „Zeitarbeitskräfte sind heute sehr gut qualifiziert und vielfältig einsetzbar“, sagt Ulrich Schümer, Vorstandsmitglied der Schmitz Cargobull AG.

Dank solcher Kunden erlebt die Branche einen beispiellosen Boom: Rund 430000 Beschäftigte waren nach Angaben des Bundesverbands BZA 2006 bei den Verleihern unter Vertrag – im Vergleich zum Vorjahr
ein dickes Plus von fast 15 Prozent.
Nachgefragt werden vor allem Fachkräfte wie Ingenieure oder Bilanzexperten. Sogar als Personalvermittler für Festanstellungen treten Zeitarbeitsfirmen inzwischen auf. Allerdings:
In der Branche, die jahrelang unter ihrem schlechten Ruf litt, treiben sich noch schwarze Schafe herum. Die versprechen einiges und
halten wenig. Der Zehn-Punkte-Plan von impulse hilft Unternehmern, gute Anbieter zu erkennen.

Anzeige

Besser als die Konkurrenz

Schneller reagieren zu können als andere,
das ist für die meisten Firmenchefs der wichtigste Grund, Mitarbeiter auf Zeit ins Haus zu holen. „So können wir die branchentypischen Zyklen auffangen“, erklärt Schümer. Nicht immer jedoch lassen sich
Schwankungen bei der Auftragslage
vorhersehen. Dann kommt es darauf an, dass die Zeitarbeitsfirma zuverlässig und vor allem rasch Personal zur Verfügung stellt.

„Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen wir bei Bedarf sofort produzieren können“, betont Johann Weber, Vorstandsvorsitzender der Zollner Elektronik AG. Der Dienstleister aus dem bayerischen Zandt hat keine eigenen Produkte auf dem Markt, sondern arbeitet ausschließlich auf Bestellung. Zwischen 50 und 140 Zeitarbeitnehmer unterstützen die
Stammbelegschaft in mehrmonatigen Einsätzen bei der Herstellung. Inzwischen kann sich Weber auf die rasche Zusatzhilfe fest verlassen: „Das geht dann auch mal sehr kurzfristig. Die Vorlaufzeit beträgt meist nur eine Woche.“

Handelt es sich um komplizierte
Tätigkeiten, sollten Unternehmer mehr Spielraum einplanen. Bei Schmitz Cargobull durchlaufen die neuen Kollegen zu Beginn sogar noch ein vierwöchiges Qualifizierungsprogramm. Da der Einsatz im Schnitt zwölf bis 18 Monate dauert, lohnt sich
der Aufwand.

Auf der nächsten Seite lesen Sie mehr zum Thema.

Klarer Kostenvorteil

Auch bei den Personalkosten geht die
Rechnung auf: Denn Leiharbeitnehmer werden nach den Tarifverträgen der Zeitarbeitsunternehmen bezahlt. Und die sehen deutlich niedrigere Gehälter vor als etwa die branchenüblichen Vereinbarungen. „Mitarbeiter mit gefragten Qualifikationen verdienen jedoch oft übertariflich“, erklärt Ingrid Hofmann, BZA-Vizepräsidentin und Geschäftsführerin
von Hofmann Personalleasing.

Schickt die Zeitarbeitsfirma die
erste Rechnung, sind viele Unternehmer
jedoch erstaunt. Denn die Stundensätze,
die Auftraggeber für Leiharbeitnehmer
zu entrichten haben,
sind teilweise doppelt so hoch wie
die reinen Lohnkosten der Festangestellten.
Dafür entfallen aber Zahlungen
bei Krankheit oder im Urlaub.
Die übernimmt der Anbieter. Rechnen
Unternehmer in den Vergleich
noch Extras wie Verwaltungskosten
mit ein, dann verbleibt beim Einsatz
von Zeitarbeitern meist sogar ein Plus
unter dem Strich.

Leihkräfte sichern Arbeitsplätze

Leiharbeitskräfte als preiswerte
Alternative zur Stammbelegschaft? In
vielen Firmen sorgt das für Unruhe. Frühzeitig sollten Unternehmer deshalb
den Mitarbeitern die Gründe für
ihre Entscheidung vermitteln. Auch
beim Lkw-Spezialisten Schmitz Cargobull
hatten einige der Angestellten
und Arbeiter zunächst Angst um ihre
Jobs. „Wir mussten klarmachen, dass
der Einsatz der Leihkräfte die Arbeitsplätze
der gesamten Belegschaft
sichert, weil wir damit eben flexibel
reagieren können“, erinnert sich
Schümer.

Bei Zollner war die Lage
ähnlich: Hier gab es Bedenken gegen
häufig wechselnde Kollegen, die ständig
neu eingearbeitet werden müssten
und nicht richtig motiviert seien.
Durch die Aussprache mit der Belegschaft
wurden die Widerstände überwunden. „Inzwischen sehen alle, dass
es sehr gut läuft“, so Weber.

Clevere Unternehmer nutzen die Leihfachkräfte jedoch nicht nur als Lückenfüller. Oft geht es darum, auf
Dauer geeignete Kandidaten für eine
offene Position zu fi nden. Mitten im
Konjunkturaufschwung ist das nicht
immer leicht. „Wir könnten noch
sehr viel mehr Personal vermitteln – bei manchen Berufsgruppen besteht
ja bereits ein echter Fachkräftemangel“, erklärt Th omas Reitz, Geschäftsführer
von Manpower, einem der
größten Anbieter von Zeitarbeit.

Vor allem beim Einsatz von höher qualifiziertem Personal wie Ingenieuren oder IT-Spezialisten verfolgen Firmen entsprechend langfristige Ziele: „Hier wollen viele Kunden die
Mitarbeiter vor der Festanstellung testen, um Fehlbesetzungen zu vermeiden“, sagt Andreas Elsner, Niederlassungsleiter
der Dresdner Manpower-
Filiale. So macht es auch Olaf
Drillisch-Saathoff , Personalleiter der
KLA-Tencor GmbH, die Messgeräte
zur Qualitätskontrolle von Speicherchips
herstellt. Das Dresdner Unternehmen
beschäftigt vier Jung-Ingenieure
als Leiharbeitnehmer. „Ich
habe keine Zeit, ein Hochschulmarketing
zu betreiben, um Uniabsolventen
zu uns zu bringen“, so Drillisch-
Saathoff . „Das Zeitarbeitsunternehmen
macht das professionell und
rekrutiert für uns geeignete Kandidaten.“ Die Akademiker durchlaufen
die reguläre Einarbeitungsphase, die
bei den komplexen Aufgaben ein Jahr
dauern kann. „Im Anschluss werden
gute Leute dann von uns übernommen“, erklärt der Personalleiter.

Langfristige Bindung

Die Diskussion über eine Zweiklassengesellschaft im Betrieb ist bei KLATencor wie bei den meisten Mittelständlern
kein Thema: Die Zeitarbeitnehmer sollten zwar keinen Zugang zu sensiblen Bereichen oder Betriebsgeheimnissen
haben. Trotz ihrer Sonderstellung werden sie aber so weit wie möglich in die Abläufe integriert.
Sie nutzen die gleichen Arbeitsplätze,
haben Zugriff auf alle relevanten Informationen, treten gegenüber Kunden
als reguläre Mitarbeiter auf und
nehmen an Teamsitzungen und Betriebsfesten
teil.

Nur so wird für gute Leiharbeitnehmer auch ein Anreiz geschaffen, sich langfristig an das Auftragsunternehmen zu binden. Für Personalchef Drillisch-Saathoff ist die Gleichbehandlung
aller Kollegen eine Frage
der Kalkulation: „Wir möchten ja
nicht viel Geld in die neuen Mitarbeiter
investieren und sie dann an Wettbewerber
verlieren.“

www.impulse.de/zeitarbeit

Die Übersicht hilft bei der Suche nach Anbietern und weiteren Informationen zum Personalleasing.

Neugierig geworden, aber noch kein Heft-Abonnent? Dann Geschenk auswählen und online abonnieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...