Diverses Sprengsatz zwischen Jung und Alt

Sprengsatz zwischen Jung und Alt

Sprengsatz zwischen Jung und Alt

Funktioniert die Nachfolge nicht wie geplant, wird′s teuer. Dann nämlich fordert das Finanzamt rückwirkend hohe Strafsteuern ein.

Etliche mittelständische Unternehmer drängen jetzt ihre Steuerberater, endlich die Steuererklärung 2003 fertigzustellen. Grund der Eile: Haben Chefs von Personengesellschaften – OHG, KG, GmbH & Co KG – dem an der Firma beteiligten Nachwuchs im vergangenen Jahr Maschinen oder Betriebsgrundstücke übertragen, können sie frühestens drei Jahre später sicher sein, dass dieser großzügige Deal keine Steuern kostet. Gezählt wird ab dem Tag der Steuererklärung.

Was sich jetzt zum Generationenkonflikt auswirken kann: Verscherbelt der Junior innerhalb dieser Zeit das geschenkte Betriebsvermögen, wird per Gesetz der Alte bestraft – er muss auf den Unterschied zwischen Buchwert und tatsächlichem Wert der Schenkung Einkommensteuer nachzahlen. „Kaum ein Unternehmen kann diesen Aderlass an Liquidität verkraften“, befürchtet Professor Eberhard Schlarb, Steuerberater in Bad Kreuznach.

Anzeige

Strafsteuer droht

Dabei sollte eigentlich alles einfacher werden: Hans Eichel sorgte dafür, dass Firmenchefs keine Steuer auf stille Reserven zahlen, wenn sie in Personengesellschaften Vermögen umschichten. Etwa um den Vertrieb auszulagern oder Firmenimmobilien in der Familie weiterzureichen. Somit können sie seit 2001 wieder Betriebsvermögen an Angehörige verschenken oder gegen Gesellschaftsanteile übertragen – völlig steuerfrei.

Aus Angst vor Missbrauch hat Hans Eichel aber gleich drei Sperrfristen eingebaut. Überträgt etwa der Senior einzelne Vermögensteile (meist Grundstücke) per Schenkung, dürfen Ehegatte oder Kinder drei Jahre lang nicht verkaufen – ab dem Tag der Steuererklärung. Sonst wird Strafsteuer fällig. Sieben Jahre Sperre sind es gar, wenn an der Personenfirma eine Kapitalgesellschaft beteiligt ist. Zum Beispiel die GmbH eines Angehörigen oder Geschäftspartners.

Fünf Jahre droht die Steuerkeule, wenn der Betriebsinhaber die Kinder zwar an der Personengesellschaft beteiligt, aber etwa Firmengrundstücke (so genanntes Sonderbetriebsvermögen) für die eigene Altersvorsorge zurückbehält. Hier muss er sicherstellen, dass Sohn oder Tochter mindestens fünf Jahre bei der Stange bleiben – die Anteile also nicht vorzeitig verkaufen. Am besten durch vertragliche Vereinbarungen.

Schenkungsteuer beachten

Allerdings: Selbst der beste Vertrag hilft nicht weiter, wenn die Kinder ihre Firmenanteile innerhalb der Sperrfrist einfach wieder zurückgeben – ohne einen Cent Entschädigung. Prompt kassiert das Finanzamt dann Einkommensteuer für die stillen Reserven im geschenkten Betriebsvermögen. Immobilien inklusive.

Zusätzlich wird noch Schenkungsteuer fällig. Denn das Finanzamt streicht rückwirkend die Vorteile bei Übertragung von Betriebsvermögen in der Familie: 225.000 Euro Extra-Freibetrag und den pauschalen Wertabschlag von 35 Prozent. Immerhin: „Für die später fällige Zusatzsteuer verlangt das Finanzamt keine Zinsen“, hat Professor Eberhard Schlarb einen kleinen Trost parat.

Lesen Sie auf der nächsten Seite hilfreiche Tipps, wie Sie Ihr Vermögen schützen können.

So schützen Sie Ihr Vermögen

Erst nach drei, fünf oder gar sieben Jahren wissen Unternehmer genau, ob die Übergabe von Betriebsvermögen an die Kinder oder Enkel wirklich steuerfrei bleibt. Steuerprofessor Eberhard Schlarb, Bad Kreuznach, empfiehlt drei vertragliche Klauseln zur Nachfolge. Sie schützen den Senior vor teuren Fristenfallen bei der Einkommen- und Schenkungsteuer.

Verkaufsverbot

Problem: Die Kinder sind am Unternehmen beteiligt, wollen aber plötzlich aussteigen und ihren Anteil verkaufen, etwa an Angehörige. Der Senior muss dann Strafsteuer zahlen, wenn der Sohn oder die Tochter den geschenkten Anteil an der Personengesellschaft innerhalb von fünf Jahren verscherbelt.

Lösung: Im Gesellschaftsvertrag vereinbaren Vater und Kinder, dass die Firmenanteile nur mit Zustimmung aller Gesellschafter verkauft werden dürfen. Achtung: Diese Klausel verhindert freilich nicht die Strafsteuer, falls der Junior ohne Entschädigung die Firma verlässt.

Schadenersatz

Problem: Der Firmenchef hat Betriebsvermögen auf die Kinder übertragen, jetzt wollen Sohn oder Tochter Kasse machen. Der Senior muss Einkommen- und Schenkungsteuer zahlen, wenn die Kinder einzelne Teile des Betriebsvermögens (etwa Grundstücke) verkaufen, die sie innerhalb der letzten drei Jahre geschenkt bekommen haben.

Lösung: Im Schenkungsvertrag vereinbart die Familie, dass die Kinder die Steuer komplett übernehmen müssen. Das verhindert unüberlegte Aktionen.

Widerrufsrecht

Problem: Der Firmenchef beruft den Sohn in die Geschäftsleitung, doch bald ist klar, dass sie keine gemeinsame Linie finden. Der Junior scheidet innerhalb von fünf Jahren aus der Firma aus, Anteile oder Grundstücke fallen an die Eltern zurück – und das Finanzamt kassiert zusätzlich Schenkungsteuer.

Lösung: Im Vertrag behält sich der Senior ausdrücklich vor, die Schenkung zu widerrufen, wenn die Nachfolge nicht klappt. Bereits gezahlte Schenkungsteuer gibt’s zurück.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...