Diverses Staat gibt Heideldruck 850 Millionen

Der Maschinenbauer hat eine Insolvenz in letzter Minute abgewendet. Mit Bankkrediten und staalichen Garantien ist das Überleben für drei Jahre gesichert. Das Risiko tragen Bund und Länder gemeinsam. Auch die Aktionäre sollen ihren Beitrag leisten.

Der angeschlagene Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druck hat im großen Umfang staatliche Hilfe beantragt und ist zuversichtlich, sie auch zu bekommen. Insgesamt belaufe sich die Summe auf 850 Millionen Euro, sagte Finanzchef Dirk Kaliebe am Dienstag. 300 Millionen Euro entfallen dabei auf einen Kredit der bundeseigenen KfW-Bankengruppe, für 550 Millionen Euro an Krediten bei Geschäftsbanken soll der Staat notfalls über Bürgschaften gerade stehen.

Dabei tragen Bund und Land das Risiko je zur Hälfte. Die entsprechenden Gremien des Bundes hätten hierzu bereits ihre Zustimmung erteilt, sagte Kaliebe. „Wir sind im Wesentlichen durch.“ Die Entscheidung über eine Bürgschaft des Landes Baden-Württemberg für den Weltmarktführer sollte noch am Dienstagabend fallen.

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Vorstandschef Bernhard Schreier zeigte sich zuversichtlich, dass die Finanzierung in Kürze stehe. Weil der Druckmaschinen-Marktführer auch einen Produktionsstandort in Brandenburg mit knapp 740 Mitarbeitern hat, soll auch dieses Bundesland eine Bürgschaft übernehmen. Die Hauptlast der rund 275 Millionen Euro liegt jedoch mit 95 Prozent bei Baden-Württemberg.

Bis August werden nach Schreiers Einschätzung alle Unterschriften rechtsverbindlich vorliegen. „Wir haben bislang alle Hürden genommen, um Bürgschaften zu erhalten“, sagte Schreier. Dank der staatlichen Hilfen könne die Finanzmarktkrise überbrückt werden. „Mit der erwarteten Kreditzusage unserer Banken verfügen wir jetzt auch weiterhin über einen soliden Finanzierungsrahmen“, so Schreier.

Umsatz um 18 Prozent eingebrochen

Heideldruck gehört zu den Unternehmen, die stark von der Wirtschaftsflaute getroffen wurden. Weil bei Verlagen die Werbeaufträge ausblieben und Banken weniger Kredite für neue Maschinen gaben, gehen bei dem Maschinenbauer seit rund einem Jahr die Bestellungen zurück.

Der Umsatz brach im Geschäftsjahr 2008/2009 (Ende März) um 18 Prozent auf 2,999 Milliarden Euro ein. Der Jahresfehlbetrag lag bei 249 Millionen Euro – im Vorjahr hatte Heidelberger Druck noch einen Überschuss von 142 Millionen Euro verbucht.

„Das zurückliegende Geschäftsjahr war eines der schwierigsten in der Geschichte von Heidelberg“, sagte Schreier. Vor diesem Hintergrund sollen die Aktionäre leer ausgehen. Aufsichtsrat und Vorstand wollen der Hauptversammlung vorschlagen, auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten.

Der Konzern sieht weiter keine Besserung. Trotz des aktuellen Sparkurses gehen die Heidelberger für das laufende Jahr erneut von einem Minus aus. Konkrete Prognosen seien nicht möglich, so Schreier. Die Zahlen des ersten Quartals zeigten jedoch, dass sich das niedrige Niveau halten werde.

3300 Mitarbeiter sollen gehen

Ein im Sommer 2008 beschlossenes Sparpaket soll bis zum Geschäftsjahr 2010/11 jährliche Einsparungen von rund 400 Millionen Euro bringen. Teil des Pakets ist auch die Streichung von bis zu 5000 Stellen – damit soll weltweit jeder vierte der einst 20.000 Mitarbeiter gehen. Um sie entlassen zu können, kündigte der Konzern den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung zum 30. Juni. „Ende Juni können wir weitere Verhandlungen mit dem Betriebsrat beginnen“, sagte Schreier. Mehr als 1700 Beschäftigte haben seinen Angaben zufolge das Unternehmen bereits verlassen, nun geht es noch um etwa 3300.

Ende März beschäftigte der Druckmaschinenhersteller rund 18.900 Mitarbeiter. Ein Großteil der Mitarbeiter ist in Kurzarbeit, alle Leiharbeiter mussten gehen. Im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 erhofft sich Heidelberger Druck Einsparungen insgesamt von 350 bis 380 Millionen Euro.

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