Diverses Standort Deutschland: Warum Firmen die Produktion heim holen

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Hauptsache billig produzieren - das war einmal: Deutsche Unternehmen verlagern ihre Produktion zunehmend zurück nach Deutschland. Sie erkennen, welche Risiken sie in Billiglohnländer eingehen. Jüngstes Beispiel: Steiff. Warum die Rechnung vieler Firmen in Fernost nicht aufgeht, welche Probleme in Ländern wie China drohen – und worauf vor allem der Mittelstand künftig aufpassen muss, lesen Sie im folgenden Dossier.

Mit der Rückverlagerung seiner Produktion steht der Teddyhersteller Steiff nicht alleine da: Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung kehrt jeder vierte bis sechste Betrieb nach Deutschland zurück, weil Einbußen bei Qualität und Flexibilität die erhofften Einsparungen bei den Lohnkosten auffressen. Firmen könnten dann beispielsweise nicht mehr schnell auf Kundenwünsche reagieren.

Auf jede fünfte Verlagerung folgt innerhalb von vier bis fünf Jahren eine Rückverlagerung, schlussfolgert die Fraunhofer-Studie. Im untersuchten Zeitraum von Mitte 2004 bis Mitte 2006 waren die neuen EU-Mitgliedsländer Tschechien und Polen sowie China die bevorzugten Ziele für Produktionsverlagerungen. Größtes Problem dabei: Viele Unternehmen konzentrieren sich auf schnelle Kosteneinsparungen, planen die Verlagerungen jedoch nicht gründlich. Das bestätigte auch der Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), Bruno O. Braun, in einer Mitteilung: Die Zahl der Rückverlagerer beweise, dass Unternehmen teilweise sehr kurzsichtig entschieden hätten. „So würden Anlaufzeiten am neuen Standort, das Netzwerk vor Ort oder etwa die Kosten für die Betreuung und Kontrolle häufig nicht berücksichtigt.

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Auch der Landmaschinenhersteller Lemken hatte kein Glück mit seinem Auslandsengagement: Das Unternehmen baute in den 90er-Jahren eine Fabrik in Kaliningrad auf. Doch Qualitätsprobleme waren nicht das einzige Problem: Der Strom fiel oft aus, Bankkonten waren nicht zugänglich, an den russischen Grenzen musste das Unternehmen hohe Wartezeiten in Kauf nehmen. Lemken zog sich aus Russland zurück und fokussiert sich seitdem auf Deutschland.

  • Qualitätsprobleme made in China Mit der Rückkehr aus China stemmt sich Steiff gegen den Trend in der Branche. Denn: In Deutschland oder den USA verkaufte Spielwaren werden überwiegend in China hergestellt – mit zum Teil schlimmen Folgen: Die Schlagzeilen über bleivergiftetes Spielzeug aus chinesischer Produktion schrecken deutsche Importeure in allen Branchen auf.
  • Teddyhersteller Steiff kehrt China den Rücken Deutsche Firmen setzen wieder auf „Made in Germany“ – und verlagern ihre Produktionen zurück in die Heimat. Angeblich, weil Deutschland die weltbesten Fachkräfte hat und damit automatisch hochwertiger produziert. Ein gefährlicher Irrtum, sagt Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur. Sein Kommentar zeigt, warum chinesische Firmen längst mit deutschen mithalten können.
  • Wie der Schritt ins Ausland gelingt Nicht immer gehen Unternehmen ins Ausland, um dort billiger für Europa zu produzieren. Sie expandieren auch, um näher bei ihren Kunden dort zu sein. Vor allem die Kosten müssen dann aber gut kalkuliert sein – etwa mit speziellen Krediten. Beispiel Indien: Mit neuen attraktiven Angeboten locken Banken deutsche Firmen nach Mumbai und Delhi. impulse zeigt, wie die Unternehmen Unbekanntes angehen und wie sie den Markteintritt in Indien schaffen.

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