Diverses Stars im Kaffeefilter

Ihre Passion ist duftender Espresso: Seit zwei Jahren widmet sich Emilie "Emi" Istigniejew der Suche nach der perfekten Tasse des italienischen Bohnenelixiers. "Fruchtig muss er sein, ein bisschen schokoladig und nicht zu erdig", beschreibt die junge Dortmunderin. Wie auch immer die individuellen Vorlieben von Kaffeetrinkern sind - die Zeiten des nachmittäglichen Filterkaffees aus der Vakuumverpackung sind vorbei.

„Hochwertige Qualität und die richtige Zubereitung werden immer wichtiger“, hat die stellvertretende Geschäftsführerin des Dortmunder Coffeeshops „Edwards“ festgestellt. Das Arbeitsgerät der Barista ist eine große, zischende Siebträgermaschine. Die Zeiten des nachmittäglichen Filterkaffees aus der Vakuumverpackung seien vorbei, sagt sie: „Die Trends heißen Espresso und Cappuccino. Frisch gemahlene, hochwertige Bohnenmischungen sind in.“

Einen High-Tech-Espresso-Automaten benötigt der Liebhaber italienischen Kaffees aber nicht unbedingt: „Das wichtigste ist eine gute Bohnenmischung, die gefällt“, erklärt Emilie Istigniejew. Wenn qualitativ hochwertige Bohnen richtig und frisch gemahlen werden, dann könne auch der Moccapot herrliche Getränke zaubern. Das Kaffeepulver dürfe außerdem nicht zu grob und nicht zu fein sein. Gibt man den gemahlenen Kaffee auf die Handfläche, müsse er sich in den Linien der Handinnenfläche abzeichnen. „Wenn ich aber puste und das Pulver in den Rillen kleben bleibt, ist es nicht fein genug.“

Anzeige

Auch Inga Schäper Jerkovics Herz schlägt für frisch geröstete und gemahlene Kaffeebohnen. „Kaffee ist Faszination und Kommunikation – ein Getränk, bei dem man sich unterhält und über das man sich mehr und mehr unterhält“, sagt die Mitarbeiterin des weltweit größten Röstmaschinenherstellers Probat. Zweimal hat Schäper Jerkovic schon bei den WM der Barista als Jurorin über die besten Techniken bei Cappuccino, Espresso und Eigenkreation geurteilt: „Für mich kommt es dabei auf das perfekte Zusammenspiel an. Rohkaffee, Röstung und Zubereitung, das ist die Trio-Philosophie für guten Kaffee.“

Beispielsweise dürfe zum Aufgießen kein kochendes Wasser verwendet werden. „Nach dem Brühen gehört der Kaffee in eine Thermoskanne und auf gar keinen Fall auf die Wärmeplatte“, warnt Schäper Jerkovic. Während einige Espressofans Trends wie den Latte Macchiato mit Karamellsirup als „Kindergetränk“ belächeln, lobt die Cappuccinoliebhaberin aus Emmerich am Rhein die neuen Getränkeideen. „Latte Macchiato & Co. tragen dazu bei, dass das Bewusstsein für die Kaffeequalität steigt.“ Filterkaffee gelte als altmodisch. „Die neuen Milch-Espressovariationen wecken hingegen Interesse – der Schritt vom Latte zum Espresso fällt viel leichter.“

Sabine Jürgenmeier, Chefredakteurin der in Bochum erscheinenden Zeitschrift „Coffeeshop“, schließt sich dieser Meinung an: „In der Gastronomie, aber auch zu Hause boomen die Spezialitätenkaffees und spannenden Getränkevariationen.“ Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden trinkt jeder Deutsche im Alter über 15 jedes Jahr ein bisschen mehr Kaffee, derzeit im Schnitt vier Tassen pro Tag. Auf ein Jahr gerechnet sind das 160 Liter.

Latte Macchiato beliebter als Cappuccino

In den vergangenen Jahren ist Latte Macchiato, der geschichtete Kaffee aus heißer Milch, Espresso und Milchschaum, beliebter als der Cappuccino geworden, der aus zwei Dritteln Espresso und weniger heißer Milch und Milchschaum besteht. „Doch auch der Filterkaffee sollte nicht verdammt werden“, meint Jürgenmeier. Ihr morgendlicher Kaffee ist kein trendiger Espresso Doppio, ein doppelter Espresso, oder ein Americano, ein Espresso, der mit heißem Wasser verlängert wird. „Nein, ich mahle meinen äthiopischen Mocca immer frisch und gieße ihn dann wie normalen Filterkaffee per Hand auf.“

Cosimo de Palma bevorzugt eine brasilianische Bohnenmischung frisch aus der italienischen Machina del Caffè. Der gebürtige Italiener ist seit acht Jahren Chefbarista des Kölner Cafés „Galestra“. „Als ich ein ganz kleiner Junge war, hat mein Vater mich morgens vor der Arbeit mit ins Café genommen. Seitdem schlägt mein Herz für italienischen Espresso“, erzählt de Palma. Das richtige Rohprodukt, frisches Wasser und eine gute Röstung seien das „A und O“. „Mein Favorit ist im Moment eine Mischung aus 90 Prozent Arabica- und 10 Prozent Robusta-Bohnen.“ Wer den richtigen Kaffee für sich finden möchte, müsse ausprobieren, rät de Palma.

Seine Dortmunder Barista-Kollegin Emilie Istigniejew hat schon so manche Bohnenkombination und auch ungewöhnliche Mischungen ausprobiert. Bei der westdeutschen Meisterschaft der Barista begeisterte sie die Jury mit einer Schokoladensoße, die sie zuvor mit Mascarpone und Gorgonzola aufgekocht hatte. Doch auch die anderen Trends des Jahres 2006 sind alles andere als kalter Kaffee: Marshmellow-Sahne mit Popcorn statt Kondensmilch im Plastiktöpfchen. Bohnen, Soße und Sirup gibt es in den meisten Coffeeshops.

Wer nicht jede Tasse frisch mahlen will, könne halbe Tüten kaufen und diese im Laden mahlen lassen, so Emilie Istigniejew: „Allerdings ist das nur die zweitbeste Lösung. Am aromatischsten schmeckt das ganz frische, duftende Pulver.“ Auf keinen Fall sollten die Bohnen in Dosen umgefüllt werden, warnt Inga Schäper Jerkovic: „Sauerstoff ist der Feind des Kaffees.“ Stattdessen sollte die Packung einfach in den Kühlschrank gelegt werden.

(Quelle: dpa)

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...