Diverses Steuer-Endspurt: Die 40 besten Tipps

Die letzte Stufe der Steuerreform zündet: Nur noch in diesem Jahr zahlt das Finanzamt mehr als 50 Prozent aller Ausgaben mit. Knapp acht Wochen bleiben Unternehmern, Vermietern und Anlegern, die Steuerlast 2004 zu schieben.

Firmenchef Jörg Trützschler hat seine Investitionspläne noch einmal genau durchgerechnet. Und sich dann dafür entschieden, die komplette Lagerlogistik zügig umzustellen
– mit kräftigen Ausgaben für EDV, Lager und Gabelstapler. Entscheidend für ihn: „In diesem Jahr spare ich einfach mehr Steuern“, freut sich der Unternehmer.

Genau die richtige Strategie. Denn zum Jahreswechsel sinken die Steuersätze.
In der Spitze von 45 Prozent auf 42 Prozent. Hinzu kommen jeweils Solizuschlag, Kirchen- und
meist noch Gewerbesteuer. Firmenchefs und private Investoren, die davon bereits für die Steuererklärung 2004 profitieren wollen, sollten freilich jetzt schon handeln. Denn wer die Steuerdifferenz zwischen heute und dem nächsten Jahr strategisch ausnutzt, hat schnell ein paar tausend Euro zusätzlich in der Kasse.

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impulse hat dazu die Handlungsanleitung
parat: 40 geldwerte Tipps, um das Finanzamt auszukontern. „Ausgaben und Investitionen vorziehen, steuerpflichtige Erträge in die nächsten Jahre verlagern“, gibt Professor
Norbert Winkeljohann, Vorstand bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers, die Marschrichtung vor.

Die Tipps machen sich selbst dann bezahlt, wenn
die Steuersenkung gekippt würde. Tatsächlich reklamieren die Linken parteiübergreifend, dass die zu Hartz IV nicht passt. Dazu Johanna Hey,
Steuerprofessorin an der Uni Düsseldorf: „Wenn wir jetzt die versprochene Entlastung zurücknehmen, geht das Vertrauen in die Steuerpolitik endgültig verloren“.

Rund 6,5 Milliarden Euro hat die Bundesregierung für die letzte Stufe der Steuerreform lockergemacht. Davon profitieren vor allem Spitzenverdiener. Denn sie zahlen für Gewinne
oder andere Einkünfte über 104.304 Euro (Ledige 52.152 Euro) inklusive Soli und Kirchensteuer künftig nur noch maximal 48,1 Prozent an das Finanzamt. Bislang sind das rund 51,5 Prozent.

Auch alle anderen Steuerzahler haben Vorteile. Denn der Eingangsteuersatz, mit dem der Fiskus ab dem ersten Euro über dem Grundfreibetrag
zuschlägt, sinkt von 16 auf 15 Prozent. Kapitalgesellschaften, also GmbHs oder AGs, profitieren freilich nicht. Ihr Körperschaftsteuersatz bleibt bei 25 Prozent – plus Gewerbesteuer.

Allerdings freuen sich GmbH-Chefs persönlich über die niedrigeren Steuern. Bei Gehalt und Gewinn
bleibt ihnen mehr übrig. Das macht sich beispielsweise Binnenschiffer und Unternehmer
Torsten Stuntz trefflich zu Nutze. Mit seinen beiden GmbHs hat er vereinbart, dass Gewinne für frühere Geschäftsjahre erst im nächsten Jahr
ausgeschüttet werden. Vorteil: Wenige Monate Verzicht bringen ihm eine vierstellige Summe ein.

Diese Tipps sind Geld wert

  1. Investitionen vorziehen
  2. Chefs von Einzelfirmen oder Personengesellschaften, die noch in diesem Jahr Maschinen, Fahrzeuge oder Anlagen anschaffen,
  3. sparen über 50 Prozent der anteiligen Kosten (Abschreibungen) an Steuern: Einkommen- und Kirchensteuer plus Solizuschlag. Im nächsten Jahr beträgt die Ersparnis höchstens rund 48 Prozent.
  4. Vorräte kaufen
  5. Für Firmenchefs, die keine Bilanz aufstellen
  6. müssen („Einnahmen-Überschuss-Rechner“): Die Kosten für den Einkauf von Rohstoffen oder Warenvorräten ziehen sie sofort als Betriebsausgaben ab – auch wenn sie erst im nächsten Jahr verbraucht werden. Nebeneffekt: Das erspart Ärger mit dem Finanzamt über die Bewertung
  7. von Ladenhütern.
  8. Rücklage bilden
  9. Inhaber kleiner und mittlerer Firmen
  10. (bis zu 204.517 Euro Betriebsvermögen in der Bilanz) bilden für geplante Investitionen in den nächsten zwei Jahren eine Rücklage in Höhe von 40
  11. Prozent der geplanten Anschaffungskosten. Die Rücklage spart in diesem Jahr noch kräftig Steuern. Aufgelöst wird sie erst, wenn der Firmenchef investiert. Das kostet dann höchstens
  12. noch 48 Prozent Steuern. Und die können durch eine Sonderabschreibung von 20 Prozent zusätzlich zur normalen AfA weggedrückt werden. Wer die Firma erst in den letzten fünf Jahren gegründet hat, profitiert zusätzlich: Er muss erst in spätestens fünf Jahren investieren. Tut er es
  13. nicht, kann er die Rücklage ohne Strafzuschlag
  14. von sechs Prozent pro Jahr einfach wieder auflösen.
  15. Lesen Sie auf der nächsten Seite Auszüge aus dem Interview mit Professorin Johanna Hey.

    „Deutschland weiterhin Schlusslicht“

    Steuerprofessorin Johanna Hey fordert die Bundesregierung auf, die Steuersätze
    für Kapitalgesellschaften zügig zu senken. Außerdem plädiert sie für eine
    umfassende und gut vorbereitete Reform des gesamten Steuerrechts.

    impulse: Die Kritik wird immer lauter: Es sei unanständig, mit dem Spitzensteuersatz runterzugehen und zugleich Hartz IV einzuführen. Bleibt es bei der Steuersenkung von 45 auf 42
    Prozent ab Januar 2005?

    Hey: Davon gehe ich fest aus. Wenn wir
    das jetzt zurückdrehen, geht auch noch der letzte Rest an Vertrauen in die Finanzpolitik verloren. Sowohl die günstigeren Spitzensteuer- als auch Eingangsteuersätze sind bereits Gesetz.

    Ist die deutsche Steuerwelt dann in Ordnung?

    Mitnichten. Zu Ende ist lediglich eine Korrektur des Steuertarifs in mehreren Stufen. Die Senkungen der Steuersätze sind aber inzwischen so oft gegenfinanziert worden, dass sich die Entlastungen für Unternehmen und private Haushalte
    in engen Grenzen halten.

    Dort ist die Reform also noch gar nicht angekommen?

    Richtig. Die Politik wirbt zwar immer mit Steuersatzsenkungen, holt das Geld dafür aber sofort an anderer Stelle wieder herein. Es wird höchste Zeit, Klartext zu reden: Wir haben es in den öffentlichen Haushalten mit strukturellen
    Defiziten zu tun, die uns permanent das
    Maastricht-Kriterium verletzen lassen. Dies muss erst einmal in Ordnung gebracht werden. Für echte Senkungen bei der Einkommensteuer gibt es vorerst
    keinen Spielraum.

    Stattdessen drohen neue Belastungen. So soll die Mindeststeuer auf Gewinne erhöht und damit die Verlustverrechnung weiter geschmälert werden …

    … das ist grotesk. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Unternehmen darauf angewiesen, Verluste geltend zu machen. Wer diese Möglichkeit einschränkt oder gar abschafft, erreicht nur, dass risikoreiche Investitionen unterbleiben. Das gefährdet Wachstum und Arbeitsplätze.

    Um uns herum schneidet man die Steuersysteme auf die Unternehmen zu. Deutschland wird reagieren müssen.

    Völlig richtig. Der internationale Steuerwettbewerb erzeugt akuten Handlungsdruck.
    Mit einer Unternehmensteuerreform können wir in Deutschland nicht bis nach der nächsten Bundestagswahl in 2006 warten. Sonst fallen
    wir noch weiter zurück.

    Den kompletten Artikel, das vollständige Interview mit Professorin Johanna Hey sowie alle 40 Steuertipps können Sie in der impulse-Ausgabe 11/2004, Seite 12 nachlesen.

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