Diverses Steuerschulden in der Unternehmenskrise

Steuerschulden in der Unternehmenskrise

Steuerschulden in der Unternehmenskrise

Kirch, Babcock und Herlitz sind schon pleite. Viele andere Unternehmen haben Insolvenzantrag gestellt oder werden dies im Laufe des Jahres tun müssen. Bitter: Auch wenn die Pleite droht, will das Finanzamt dennoch Geld sehen.

Da Firmen für die Zahlungen ans Finanzamt keine Gegenleistung erhalten, ist die Versuchung groß, lieber die Forderungen der Banken und Lieferanten zu befriedigen als die Steuerschulden. Doch das kann teuer werden. Firmenchefs, die das Finanzamt vernachlässigen, haften dafür möglicherweise mit ihrem Privatvermögen.

Eine Falle, in die Unternehmer häufig tappen, ist die Lohnsteuer. Die schuldet zwar der Arbeitnehmer, der Geschäftsführer kann aber in Anspruch genommen werden, wenn die Lohnsteuer infolge seines Verschuldens nicht beim Finanzamt ankommt. Ist kein Geld da, um die Lohnsteuer zu überweisen, hat er allerdings nichts zu befürchten.

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Vorsicht ist aber geboten, wenn die Firma noch nicht vollständig zahlungsunfähig ist: Hier darf der Chef die Löhne und Gehälter nicht ungekürzt auszahlen und gleichzeitig auf den Lohnsteuerabzug verzichten. Vielmehr muss er die Arbeitslöhne so kürzen, dass er die darauf entfallende Lohnsteuer zahlen kann. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, muss er mit seinem Privatvermögen für die Lohnsteuerbeträge aufkommen.

Darüber hinaus haftet der Geschäftsführer für Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuern, wenn ihn ein Verschulden daran trifft, dass die Zahlungen nicht beim Finanzamt eingehen. Ein Vorwurf kann ihm jedoch nicht gemacht werden, wenn er die Forderungen gleichmäßig aus den vorhandenen Mitteln erfüllt.

Was viele Firmenchefs nicht wissen: Das Finanzamt lässt bei den Steuerschulden mit sich reden, wenn auch nur in engen Grenzen.

Bevor die Steuerschulden der Firma den Todesstoß versetzen, sollten sich Firmenchefs um einen Erlass bemühen. Den können die Finanzbeamten gewähren, wenn die Eintreibung der Steuer die Existenz des Steuerpflichtigen gefährden würde. Das ist bei einer Unternehmenskrise der Fall. Allerdings darf der Unternehmer die Notlage nicht selbst verschuldet haben, beispielsweise wenn er sich häufig für private Zwecke aus der Firmenkasse bedient hat. Auf einen Erlass dürfen Chefs aber nur in Ausnahmefällen hoffen. Meist warten Finanzbeamte das Insolvenzverfahren ab, bevor sie auf eine Steuerforderung verzichten. Denn da kann noch ein Teil des ausstehenden Betrages herausspringen.

Wenn es mit dem Erlass nicht klappt, können Firmenchefs beim Finanzamt eine Stundung beantragen. Das heißt, dass sie die Forderung erst später begleichen müssen. Die Finanzbeamten stunden eine Steuerforderung, wenn der Steueranspruch dadurch nicht gefährdet wird. Außerdem darf der Firmenchef – wie auch beim Erlass – die Unternehmenskrise nicht verursacht haben. Wie lange die Fälligkeit herausgeschoben wird, bestimmt das Finanzamt. Übrigens: Bei der Lohnsteuer ist die Stundung ausgeschlossen.

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