Diverses Strategien der Sieger

Wer an einem Gründer-Wettbewerb teilnimmt, verschafft sich beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmerkarriere.

Jochen Volkert bewegt sich vor Fernsehkameras fast schon wie ein Profi. Interviews mit Fachzeitschrift en und bekannten Nachrichtenmagazinen erledigt der promovierte Ingenieur routiniert. Volkert ist kein „normaler“ Gründer. Seine Geschäftsidee wurde 2004 gleich mehrfach ausgezeichnet. Der Ingenieur aus Erlangen erhielt vom „Stern“, von den Sparkassen, dem ZDF und der Unternehmensberatung McKinsey für seine so genannten Porenbrenner den Deutschen Gründerpreis. Ein paar Wochen zuvor gab es für das von Experten hoch gelobte Konzept bereits den Bayerischen Gründerpreis.

Volkert zählt damit zu der wachsenden Zahl junger Firmenchefs, die von der Teilnahme an einem der rund 80 Existenzgründer- und Business-Plan-Wettbewerben in Deutschland profitieren. Mit seinen Erfolgen bestätigt der 38-Jährige Firmenchef die Ergebnisse einer Untersuchung der Technischen Universität Berlin. Danach stellen Gründer mit der Teilnahme an einem Wettbewerb die Weichen für ihr Unternehmen auf Wachstum und Erfolg. Als wichtigsten Vorteil der Wettbewerbe hoben 70 Prozent der Befragten die unabhängige Bewertung der Geschäftsidee und die konsequente Vorbereitung auf die Gründung hervor.

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Für jeden Zweiten waren die vielen neuen Kundenkontakte ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Dementsprechend optimistisch fielen deshalb auch die Zukunftsprognosen der ehemaligen Teilnehmer aus. Über die Hälfte von ihnen will schon in den ersten fünf Jahren mehr als 20 Angestellte beschäftigen. Dieses Ziel scheint realistisch. In den beiden Jahren nach dem Start stockten die Befragten ihre Teams bereits um 50 Prozent auf.

Die meisten Wettbewerbe stehen Gründern aus allen Branchen offen. „Wir veranstalten keine reinen Wettkämpfe, bei denen nur die Smartesten und Kühnsten eine Chance haben“, betont Steffen Müller, Projektleiter des Vereins NUK Neues Unternehmertum Rheinland e.V. in Köln. Grundsätzlich stehen für die Jury der Wettbewerbe Konzept und Idee im Vordergrund. Genau in diesen Bereichen landete Volkert zwei Volltreffer. Seine beiden Auszeichnungen bringen ihn dem Ziel, 2007 mit der Massenproduktion der leistungsstarken und trotzdem schadstoffarmen Porenbrenner zu beginnen, ein großes Stück näher.

Der Ingenieur: „Wir sind nicht nur in der Presse gefeiert worden. Auch die finanzielle Situation unserer Promeos GmbH hat sich verbessert.“ So zeigte sich das Land Bayern nach der Preisvergabe wesentlich zugänglicher und gewährte zunächst verweigerte Fördermittel. Die Voraussetzungen sind gut, dass Promeos wie geplant in vier Jahren schwarze Zahlen schreibt.

Erfolg nahezu programmiert

Auch die Überlebensquote der jungen Firmen, die ihr Geschäftskonzept in den Wettbewerben auf Herz und Nieren überprüfen lassen, liegt weit über dem Durchschnitt. So haben von den 381 Gründern, die sich am Münchener Business Plan Wettbewerb 1996/1997 beteiligten, 324 Firmen die kritischen ersten fünf Jahre erfolgreich überlebt. Das sind 85 Prozent. Eine hervorragende Quote. Denn im Durchschnitt scheitert hier zu Lande jeder zweite Gründer bereits in der Startphase.

Auch der Kölner Guido Meis hat erfahren, wie überlebenswichtig die Unterstützung durch einen Gründerwettbewerb sein kann. Der Ingenieur für elektronische Messtechnik: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sonst nicht die Ausdauer und den finanziellen Background gehabt hätte, meine Geschäftsidee immer weiter zu optimieren.“

Der Entwickler eines elektronischen Schließzylindersystems, das Schlüssel überflüssig macht, nahm 2001 gleich an drei Wettbewerben teil. Ihm gelang mit seiner zukunftsweisenden Idee und dem schlüssigen Business-Plan denn auch ein dreifacher Erfolg. Mehr als 66 000 Euro spülte ihm unter anderem der Gewinn des NUK Business-Plan-Wettbewerbs in die Firmenkasse. Von den damals geknüpft en Kontakten profitiert der Chef der Keyowa GmbH noch heute. Meis: „Dieses Netzwerk ist für Newcomer Gold wert.“

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